Parlamentsreport 2024-3

Parlamentsreport

Denken wir ans Wohnen, haben wir zunächst an die eigenen vier Wände im Kopf. Sei es die Mietwohnung, die für uns ein Zuhause ist oder das Eigenheim. Aber es geht um sehr viel mehr, wenn wir über Wohnungspolitik reden. Ein Dach über dem Kopf zu haben, gut und bezahlbar zu wohnen, ist ein zutiefst menschliches und existenzielles Bedürfnis und zentrale Frage sozialer Gerechtigkeit. Erst vor kurzem haben Daten zur Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus in Deutschland gezeigt, dass für bezahlbares und gutes Wohnen überall mehr in den sozialen Wohnungsbau investiert werden muss. Gerade in unseren größeren Städten wie Erfurt, Jena und Weimar mit einem strapazierten Wohnungsmarkt ein großes Thema. Andererseits gibt es Gemeinden, wo Leerstand und der Erhalt von Gebäuden eine Herausforderung darstellen.

Doch es gibt nicht allein einen Stadt-Land-Gegensatz. Wo wie am Erfurter Kreuz die Wirtschaft wächst, oder am Rande größerer Städte, steigt die Nachfrage nach Wohnungen und damit auch nicht selten die Preise für neuen Wohnraum. Denken wir aus dieser Perspektive an Wohnungspolitik, stellen sich gleich eine ganze Menge an Zukunftsfragen. Wir wollen deshalb darüber Wohnungen wieder stärker in öffentliches Eigentum holen, wie in Gera, wo das Land eine Wohnungsbaugesellschaft übernommen hat, um sie vor Finanzspekulanten zu schützen. Wir wollen kommunalen und genossenschaftlich organisierten Wohnungsbau stärken, damit es weiter gelingt, bezahlbare Wohnungen zu bauen, den Bestand zu sanieren und Leerstand umzunutzen. Alles mit dem Ziel, dass jeder Mensch bezahlbar und gut wohnt. Es stellt sich mit Blick auf den Klimawandel auch die Frage, wie wir beim Bauen und Sanieren dazu beitragen, unsere Umwelt zu erhalten und die Gesundheit von Jung und Alt zu schützen. Es geht darum, wie wir Wohngebäude nicht nur als Schlafstätten betrachten, sondern als einen Raum, in dem unterschiedliche Generationen Alltag und Leben gestalten. Wo und wie Menschen wohnen, leben, arbeiten, Kultur und Freizeit genießen, macht deshalb Wohnungspolitik auch zu einem Dreh- und Angelpunkt von der Stadt-, Dorf- und Raumplanung, um auch sorgsam mit Flächen umzugehen und Begegnungsräume zu schaffen.
Erste Projekte wie die Leergutagent:innen gehen bei der Nutzung von Leerstand neue Wege.

Oder auch Bauprojekte, bei denen ein Wohnhaus nicht nur barrierefrei gestaltet wird, sondern Angebote zur Gesundheitsversorgung und Begegnungsräume gleich Teil des Hauses sind, tragen dazu bei, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und Generationen miteinander zu verbinden. All das zeigt: Wohnen ist mehr als die eigenen vier Wände. Wie wollen wir das Wohnen von morgen gestalten? Diesen und vielen weiteren Fragen wollen wir uns gemeinsam mit Ihnen widmen.
Wir laden Sie dazu ein, wenn wir am 21. Februar in Ilmenau die Frage stellen: Wie können wir in Thüringen überall gleich gut wohnen?

Christian Schaft, Abgeordneter Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag

 

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