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Kultur und Medien in Thüringen - Besuche der Akteure

Die Arbeitskreise der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag besuchen regelmäßig einzelne Akteur:innen im Bundesland, um sich über die Herausforderungen und Belange zu informieren. Der Arbeitskreis „Europa, Kultur und Medien“, mit den Abgeordneten Katja Mitteldorf, Markus Gleichmann und Cordula Eger, war deshalb im Saale-Holzland-Kreis und Jena unterwegs, um mit verschiedenen Akteur:innen ins Gespräch zu kommen.

Das Keramikmuseum Bürgel

Das Museum ist in Thüringen das einzige seiner Art und mit dem Gründungsjahr 1880 eines der ältesten Keramikmuseen in Deutschland. Bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts hatte sich Bürgel zu einer Töpferhochburg entwickeln und bei der Designentwicklung im Keramikbereich über Jahrhunderte eine deutschlandweit wichtige Rolle gespielt. Neben dieser Geschichte präsentiert das Museum die allgemeine Thüringer und deutsche Keramikgeschichte bis zur Gegenwartskeramik. Im Gespräch mit der Leiterin, Dr. Antje Neumann-Golle, die seit dem 1. Juli 2022 die Leitung beider Häuser übernommen hat, gewann der Arbeitskreis Einblicke in ihre Arbeit und aktuelle Herausforderungen. So müssen trotz geringer Mitarbeiter:innenzahlen nicht nur der laufende Betrieb beider Einrichtungen gewährleistet, sondern auch pädagogische Angebote, Veranstaltungen, sowie laufende Aufgaben und Forschung im ausreichenden Maße umgesetzt werden. Neumann-Golle betonte, dass Synergien bswp. bei der Arbeit an Sonderausstellungen entstehen, da die Recherchen auch Beiträge zur aktuellen Forschung liefern können. Diese wiederum sorgten dafür, dass das Museum auch überregional wissenschaftlich relevant bleibe.

So z. B. bei der aktuellen Sonderausstellung zu Emmy von Egidy (1872–1946), die auch zeigt, dass sich in der Keramik nicht nur Kunst- und Handwerks-, sondern auch Sozialgeschichte widerspiegelt. Zu einer Zeit, in der Frauen noch untypisch im Töpferhandwerk waren – unter anderem, weil man mit einem Rock nicht an der Töpferscheibe arbeiten kann – absolvierte sie eine zweimonatige Töpferausbildung in Bürgel. Bei der Generierung neuer Zielgruppen sieht Neumann-Golle noch einige Hürden, die auch Markus Gleichmann, der im Kreistag des Saale-Holzland-Kreises sitzt, von anderen Institutionen gut kennt: „Dabei zeigen sich die typischen Hürden im ländlichen Raum. Bürgel hat inzwischen außer einer Eisdiele keine gastronomischen Angebote mehr, was es für Halbtages- oder Tagesausflüge unattraktiv macht. In Dornburg wiederum ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr herausfordernd. Beides gehört zur grundlegenden Versorgung, die den ländlichen Raum für die Menschen attraktiv macht. Mobilität ist dabei also nur ein Thema. Mit unserer Kampagne „Thüringen. Überall gleich gut“ wollen wir genau das betonen und politisch angehen“, erklärte der Abgeordnete.

Bürger:innen-Radios Jena

Im Anschluss ging es weiter nach Jena in das Studio des Bürger:innenradios OKJ, wo der Geschäftsführer Matthias Dornieden, Rebecca Bück, als kommissarische Chefredakteurin des Campusradio Jenas und weitere Mitarbeiter:innen den Arbeitskreis willkommen hießen. Das OKJ ging im März 1999 als erster vereinsgetragener Offener Kanal in Thüringen auf Sendung. Infolge der Änderung des Thüringer Landesmediengesetzes im September 2014, wurde der Kanal in ein redaktionell geprägtes Bürger:innenradio umgeformt. Finanziert wird er anteilig durch die Thüringer Landesmedienanstalt aus den Rundfunkbeiträgen und durch die Kulturförderung von JenaKultur.
Das Campusradio wird als Projekt der beiden Jenaer Studierendenräte der FSU und EAH Jena seit 2003 betrieben und über die Hochschulen finanziert. Neben dem Livestream im Internet ist es als Fensterprogramm beim OKJ fünf Stunden täglich zu hören und berichtet zu verschiedenen Themen rund um das Studierendenleben in Jena sowie zu Hochschulpolitik und Kultur. Bei beiden können sich Bürger:innen beteiligen, ihre Ideen einbringen oder ganze Radiosendungen gestalten.

Insbesondere die Finanzierung stellt eine der größten Hürden für die Arbeit der Sender dar, da beide auf verschiedenen, beständig von Kürzungen bedrohten Töpfen bauen. Neben großen Unsicherheiten für die Mitarbeitenden bedeutet das auch, dass langfristige Planungen oder Projekte so gut wie unmöglich sind. Weiter verschärft wird die finanzielle Situation durch die anstehende Umstellung von UKW auf DAB. DIE LINKE hatte sich deshalb schon in den letzten Jahren immer wieder für Aufstockungen und gegen Kürzungen bei den Bürgermedien stark gemacht, da Bürgermedien eine besondere, demokratiestärkende Rolle innerhalb der Gesellschaft einnehmen. Gerade dort, wo andere Angebote des Lokaljournalismus zurückgefahren werden, füllen Bürger:innenmedien oft wichtige Lücken.  Die steigende Relevanz ihrer Arbeit sieht Matthias Dornieden auch hinsichtlich der verstärkten Nachfrage seitens Jenaer Bildungsträger zu den medienpädagogischen Angeboten des Teilprojekts „Rabatz“. Vor allem Schulungen und Workshops zur Medienkompetenz werden immer mehr nachgefragt und könnten teilweise nicht bedient werden.

„Wir konnten bei unseren Besuchen natürlich jeweils nur mit einzelnen Vertreter:innen aus den Bereichen der Museen und Bürger:innenmedien sprechen. Trotzdem zeigten sich im Kultur- und Mediensektor immernoch gleiche Herausforderungen der Finanzierung, Vernetzung zwischen den Akteur:innen und auch der Anerkennung der Arbeit bei den Trägern und Kommunen. Dazu kommt der Fachkräftemangel, der an den ehrenamtlichen- und hauptamtlichen Initiativen nicht spurlos vorbeigeht“, so Gleichmann am Ende. „Dabei sind Museen und Bürgerradios nicht nur Teil unserer Kulturlandschaft, sondern essenzielle Bestandteile unserer demokratischen Gesellschaft. Dieser Bedeutung auch politisch gerecht zu werden, ist unsere Herausforderung für die kommenden Jahre.“