Engagiert, vielfältig und persönlich - Hochschultour durch Thüringen 2024

Parlamentsreport

Seit Mitte Februar 2024 tourt Christian Schaft durch die Thüringer Hochschulen. Er will mit allen Statusgruppen von den Präsident:innen über die Personalräte bis hin zu den Studierendenräten an den Thüringer Hochschulen das persönliche Gespräch suchen, um zu fragen: Wo drückt der Schuh?

In Jena an der Ernst-Abbe-Hochschule angekommen, gibt es Kaffee und Kuchen für den Abgeordneten und seine Mitarbeiter:innen. Die Studierenden lassen sich nicht lange bitten und berichten von Wartezeiten beim BAföG-Antrag, Verbesserungswünschen in der Mensa, Problemen bei der Wohnungssuche und Unklarheiten bei der Finanzierung des Studierendentickets. Doch sie haben nicht nur Probleme im Gepäck. Auf die Frage, warum sie sich ausgerechnet für Jena und Thüringen als Studienort entschieden haben, zeigen die Thüringer Hochschulen, dass sie sich nicht verstecken müssen. Es gibt Studiengänge, die bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal haben und junge Menschen dazu bewegen, einen wichtigen Lebensabschnitt in Thüringen zu verbringen. „Trotz aller Herausforderungen, die mir geschildert wurden, sind viele Studierende froh, sich für den Standort Thüringen entschieden zu haben. Sie schätzen den kurzen persönlichen Draht zu den Lehrenden, die gute Betreuung während des Studiums und das familiäre Umfeld“, erklärt der Hochschulpolitiker der Linken, der sich dafür einsetzen will, dass das so bleibt.

Politik geht nur mit den Menschen vor Ort

Der Christian Schaft kennt die Herausforderungen der Thüringer Hochschullandschaft wie kaum ein anderer. Schon als Student an der Universität Erfurt war er unter anderem Mitglied im StuRa und in der Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS). Mit seinem Einzug in den Landtag als Abgeordneter im September 2014 wurde er zum Sprecher für Wissenschaft, Hochschule und Forschung der Fraktion bestimmt. „Für mich ist klar, dass Politik nur mit den Menschen vor Ort gestaltet werden kann. Deshalb spreche ich auch mit allen Statusgruppen an den Thüringer Hochschulen, damit kein Anliegen vergessen wird und sich alle bei den anstehenden Herausforderungen mitgenommen fühlen“, so Schaft. Besonders freut sich der Abgeordnete über die vielen Engagierten, die sich für eine offene, demokratische und vielfältige Hochschullandschaft einsetzen. „Viele Menschen, die an unseren Hochschulen lernen, lehren und arbeiten, blicken mit Sorge auf die politischen Entwicklungen in Thüringen. Aber sie stecken den Kopf nicht in den Sand und engagieren sich gemeinsam für Demokratie und Menschenrechte in Thüringen. Deshalb freue ich mich besonders, dass alle Hochschulen dem Bündnis Weltoffenes Thüringen beigetreten sind“, betont der Hochschulpolitiker der Linken.
 

Wie weiter mit den Herausforderungen der Thüringer Hochschulen?

Trotz Konsens in Sachen Demokratie gibt es an den Hochschulen zahlreiche Herausforderungen, die intensive Gespräche notwendig machen, beispielsweise wenn es um die Umsetzung der Leitlinien 2030+ und der zukünftigen Finanzierung in der Rahmenvereinbarung VI gehen. Bereits im November 2023 letzten Jahres fand unter dem Titel „Thüringer Hochschulentwicklung auf dem Prüfstand“ eine Veranstaltung der Linke Fraktion zum Bericht der AG Hochschulentwicklungsplanung 2030+ statt. Studierende, Vertreter:innen aus dem Mittelbau und Personalrät:innen der Thüringer Hochschulen hatten in Workshops ihre Vorstellungen und Wünsche in ein ergänzendes Papier eingebracht und vage gehaltene Formulierungen mit konkreten Maßnahmen untersetzt. Diese Maßnahmen resultieren aus Erfahrungswerten, die die Menschen im Rahmen von Strukturen der Hochschulen gemacht haben.  „Um Planungssicherheit, auch über die Rahmenvereinbarung V hinaus zu gewährleisten braucht es ausreichende Haushaltsmittel und Transparenz bei Entscheidungen“, macht Schaft seine Position deutlich. Noch bis Ende 2025 wird die jährliche Grundfinanzierung der Hochschulen um jeweils vier Prozent gesteigert. In Anbetracht der Rahmenvereinbarung VI, die ab 2026 gelten soll, muss zudem geprüft werden, ob und wie besondere finanzielle Belastungen durch Krisenfolgen wie beispielsweise Energiekosten durch entsprechende überplanmäßige Ausgaben abgefedert werden können. Aber nicht nur das Thema Finanzierung liegt auf dem Tisch. Einige Hochschulen haben aufgrund der demografischen Entwicklung stagnierende oder rückläufige Studierendenzahlen, mit denen zahlreiche Fragen einhergehen: Wie stellen wir das Studienangebot auf? Was bedeutet eigentlich Profilierung der Hochschulen ganz genau? Wie bewältigt Thüringen den Fachkräftemangel, wenn immer weniger junge Menschen nach Thüringen kommen?
 

Kooperationen statt Rasenmäher-Methode

Am Ende der Tour durch die Thüringer Hochschullandschaft und auch Gesprächen mit Studierenden, Personalrät:innen und Hochschulleitung hat der Abgeordnete eine lange Liste an Themen denen er sich im Landtag annehmen wird. Das reicht von der Frage der Umsetzung der Tarifeinigung für studentische Beschäftigte, dem Abbau von Bürokratie bis hin zu Fragen zu zentralen Themen wie Lehrkräfteausbildung, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und die Begleitung des Strukturwandels in vielen Bereichen gemeinsam mit den Hochschulen bewältigt werden können und wie all das künftig finanziert wird. Aus der Erfahrung heraus weiß Schaft, dass pauschale Kürzungen meistens nicht die gewünschte Wirkung erzielen und besonders Studierende und der Mittelbau die Folgen zu tragen haben. Deshalb haben wir in den letzten 10 Jahren auch massiv in die Thüringer Hochschulen investiert, wie keine Landesregierung zuvor. Dennoch drückt es durch verschiedene Herausforderungen der letzten Jahre an der ein oder anderen Stelle im Budget. Deshalb wird die Frage wie die neue Finanzierungsvereinbarung ab 2026 aussieht eine ganz zentrale und der Abgeordnete ist dankbar für den konstruktiven Austausch mit allen Beteiligten an den Thüringer Hochschulen.

„In den Gesprächen mit den Präsident:innen der Hochschulen sind mir die Sorgen und Nöte, vor allem was die strukturellen Probleme anbelangt, aufgezeigt worden. Aber auch der Wille zu Kooperationen untereinander und Veränderung wurde deutlich. Zudem sind Mittelbau, Verwaltung und Studierende ebenfalls offen für Neues. Sie sprudeln förmlich vor Ideen die auch über die Leitlinien zur Hochschulentwicklung 2030+ hinausgehen“, freut sich Schaft.

 

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