Buchenwald ist ein Ort des würdevollen Gedenkens – Kampagne ‚Kufiyas in Buchenwald‘ sollte ihre Aktionen absagen

Christian Schaft
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Der Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, Christian Schaft, übt deutliche Kritik an der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ und fordert die Initiator*innen auf, ihre Aktionen abzusagen und erklärt: „Die Gedenkstätte Buchenwald ist ein zentraler Ort des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Politische Symbolaktionen und Selbstinszenierungen im Kontext aktueller Konflikte an diesem Ort lehnen wir ab, weil sie das Gedenken an die Opfer überlagern und instrumentalisieren.“

 

Der Abgeordnete weist zudem auf die Stellungnahmen von Nachkommen politischer Häftlinge und von jüdischen Organisationen, darunter auch die jüdische Landesgemeinde Thüringen, hin [1]: „Die Stellungnahmen bieten eine differenzierte und klare Positionierung und Einordnung der Aktionen. Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte sie lesen. Wem eine ganze Reihe jüdischer Organisationen sowie Zusammenschlüsse von Überlebenden des Lagers und ihrer Nachkommen ins Stammbuch schreibt, dass man mit seiner Aktion eine Grenze überschreitet, antisemitisch handelt oder das Tor für Antisemitismus weit offen stehen lässt und die Würde des Erinnerns an einem Ort wie Buchenwald gefährdet, dem stünde ein Mindestmaß an Demut gut zu Gesicht. Dazu würde gehören, die geplanten Aktionen abzusagen und sich ernsthaft mit der Kritik zu beschäftigen.“

 

Zu den Behauptungen der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ erklärt der Abgeordnete: „Die Kampagne arbeitet bewusst mit Falschdarstellungen. Einschränkungen von Symbolen gibt es auf dem Gelände der Gedenkstätte ausschließlich, wenn sie demonstrativ im Rahmen politischer Aktionen genutzt werden, die das Gedenken an die Opfer der Shoah überlagern. Ein pauschales Verbot von Kufiyas oder 'palästinensischer Symbole' existiert nicht. Dass Symbole antisemitischer palästinensischer Organisationen wie der Hamas aber natürlich nichts auf dem Gelände der Gedenkstätte verloren haben, sollte selbstverständlich sein. Hierauf weisen auch die Stellungnahmen zurecht hin. Auch die Vorwürfe von 'Geschichtsrevisionismus' oder 'Genozidleugnung' gegen die Gedenkstätte Buchenwald haben keine tatsächliche Grundlage. Gerade in einer Zeit, in der die Erinnerungskultur unter Druck gerät und extrem rechte Kräfte an Einfluss gewinnen, brauchen wir eine starke, gemeinsame Verteidigung der antifaschistischen Gedenkkultur und keine Kampagnen, die Orte des Gedenkens für politische Symbolkonflikte instrumentalisieren.“

 

„Für die Fraktion Die Linke steht fest, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus unteilbar ist. Buchenwald erinnert an die Tausenden Ermordeten und an den antifaschistischen Widerstand im Lager. Der Schwur von Buchenwald verpflichtet uns, Antisemitismus, Rassismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Dazu gehört auch, die Würde dieses Ortes zu schützen“, so Schaft.

 

„Wer einen Ort wie Buchenwald zur Selbstinszenierung und symbolischen Überlagerung des Gedenkens instrumentalisiert, disqualifiziert sich für eine ernsthafte Debatte. Den Initiator*innen geht es mit ihrer Aktion nicht um eine legitime Kritik – weder an der Gedenkstätte noch an der israelischen Regierung oder ihrer Politik. Sie betreiben Selbstinszenierung auf Kosten einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. Dies lehnen wir entschieden ab,“ erklärt der Abgeordnete abschließend.

 

[1] Die Stellungnahme der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora zusammen mit der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora ist hier zu finden: vvn-bda.de/stellungnahme-der-lagerarbeitsgemeinschaft-buchenwald-dora-e-v-zur-kampagne-kufiyas-in-buchenwald/

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