Nicht nachhaltig - sondern käuflich
Mit Empörung hat Petra Enders, Landtagsabgeordnete der LINKEN, auf Äußerungen des Geschäftsführers des Naturparks Thüringer Wald, Florian Meusel, reagiert. Meusel hatte bei einem Besuch der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in der Geschäftsstelle des Naturparks in Friedrichshöhe erklärt, den Bau der 380 kV-Leitung über den Rennsteig zuzulassen, wenn u. a. niedrigere Masten gebaut und Millionen an Ausgleichszahlungen des Netzbetreibers 50 Hertz Transmission fließen würden.
Petra Enders: „Das hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun, sondern nur mit Käuflichkeit! Der Schaden, den Großprojekte in der Natur hinterlassen, ist mit Geld nicht aufzuwiegen.“
Für Frau Enders, die als Bürgermeisterin von Großbreitenbach und Landtagsabgeordnete seit Jahren zu den stärksten Kritikern dieser Leitung zählt, ist es zudem „völlig unverständlich“, warum sich der Geschäftsführer eines Naturparks, dessen Aufgabe es vorrangig ist, „die naturnahen und nutzungsgeprägten Landschaften des Thüringer Waldes, … zu schützen, pfleglich zu nutzen und zu entwickeln“ (siehe § 2, Satzung des Verbandes), zu solch einer Äußerung hinreißen lässt.
Momentan prüfe das Thüringer Landesverwaltungsamt den Antrag von 50 Hertz und wartet dabei seit Wochen vergeblich auf die während der Anhörung zum Verfahren Anfang Mai eingeforderte Lastflussanalyse der bestehenden Leitung Remtendorf-Redwitz. Auch aus diesem Grunde würde die Anwaltskanzlei der Trassengegner auf Einstellung des Verfahrens plädieren.
„Es ist zu vermuten, dass die Lastflussanalyse die Aussage stützt, dass eine weitere 380 kV-Leitung durch Thüringen überflüssig ist, zumal nach dem beschlossenen Ende der Atomkraft gerade Länder wie Baden-Württemberg und Bayern verstärkt Anstrengungen unternehmen, eigene Ressourcen bei der Nutzung der erneuerbaren Energien vor Ort und damit dezentral zu erschließen“, erklärt Frau Enders.
So wolle Baden-Württemberg seinen Anteil an Windenergie von gegenwärtig 0,7 Prozent auf 20 Prozent im Jahre 2020 steigern und selbst Thüringen plant, sich vom Energietransitland zum Eigenversorger auf der Basis regenerativer Energien zu entwickeln.
„Erneuerbare Energie - im Mix und in der Nähe der Industrieballungsgebiete selbst erzeugt - braucht nicht über Hunderte von Kilometern von Nord- und Ostsee unter Inkaufnahme von riesigen Leitungsverlusten nach Süden transportiert zu werden“, unterstreicht Frau Enders.
