Mercosur-Abkommen verschärft Höfesterben – Bauernproteste sind berechtigt
Anja Müller, landwirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, bringt sich in die Debatte um das von der EU geplante Mercosur-Abkommen ein und erklärt: „Der Konzernatlas 2026 bestätigt, was Die Linke seit Jahren kritisiert: Unser Ernährungssystem wird von wenigen Agrar- und Lebensmittelkonzernen beherrscht. Sie diktieren Preise, drücken Löhne und zerstören Umwelt und Klima, während bäuerliche Betriebe immer weiter unter Druck geraten. Immer mehr Höfe geben auf, weil sie für ihre Produkte keine kostendeckenden Preise mehr erzielen.“
Aus Sicht der Abgeordneten sind die aktuellen Bauernproteste gegen das EU-Mercosur-Abkommen deshalb vollkommen berechtigt. Das Abkommen stehe exemplarisch für eine Handelspolitik, die Konzerninteressen über bäuerliche Existenzen, Umwelt- und Sozialstandards stellt. Zusätzliche Importe von Fleisch, Soja und Agrarrohstoffen aus Südamerika würden den Preisdruck weiter erhöhen und würden unter Bedingungen produziert, die hier aus gutem Grund nicht erlaubt sind.
Müller kritisiert weiter: „Während Landwirtinnen und Landwirte in der EU mit immer strengeren Auflagen konfrontiert werden, sollen sie gleichzeitig mit Billigimporten konkurrieren, die mit Entwaldung, Landraub und Verletzungen von Arbeits- und Menschenrechten verbunden sind. Das ist unfair und sozial wie ökologisch unverantwortlich. Profiteure sind nicht die Bäuerinnen und Bauern, sondern internationale Agrar-, Fleisch- und Handelskonzerne.“
Die Abgeordnete ist überzeugt, dass der Konzernatlas deutlich zeigt, dass diese Entwicklung kein Naturgesetz ist, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen und massiver Lobbyarbeit der Agrarindustrie. Sie fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel in der Agrar- und Handelspolitik: „Nein zu Mercosur in seiner jetzigen Form, verbindliche soziale, ökologische und menschenrechtliche Standards im Handel, faire, kostendeckende Erzeugerpreise und die Begrenzung von Konzernmacht und Stärkung regionaler Wertschöpfung sind notwendige Paradigmen. Ernährung ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht den Profitinteressen weniger Konzerne überlassen werden. Wer bäuerliche Landwirtschaft, Klima- und Umweltschutz ernst nimmt, muss Mercosur stoppen und die Macht der Agrarkonzerne brechen.“

