Kürzungen psychotherapeutischer Leistungen: An Psychotherapie zu sparen, ist die teuerste Kürzung überhaupt

Lena Saniye Güngör

„Wer ausgerechnet an der ambulanten Psychotherapie kürzt, handelt fachlich falsch, sozial blind und ökonomisch kurzsichtig. Eine ambulante 50-Minuten-Therapiesitzung wird derzeit mit rund 120 Euro vergütet. Stationäre psychiatrische und psychosomatische Behandlung kostet die Solidargemeinschaft dagegen pro Tag regelmäßig ein Vielfaches“, erklärt Lena Saniye Güngör, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, zur Entscheidung des Bewertungsausschusses, die Vergütung der ambulanten Psychotherapie zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken.
 
„Psychotherapie ist kein Luxus und kein Randbereich des Systems. Sie verhindert chronische Erkrankung, bestärkt Menschen in Krisen und erhält Arbeitsfähigkeit. Wer an dieser Stelle spart, produziert am Ende mehr Leid, längere Krankheitsverläufe und hohe Folgekosten“, so Güngör weiter. Gerade in einer Lage, in der Wartezeiten lang und die Versorgung vielerorts angespannt seien, sende diese Entscheidung ein fatales Signal. Auch Thüringen ist davon unmittelbar betroffen: In der KV Thüringen nehmen 654 psychotherapeutische Leistungserbringer an der vertragsärztlich-psychotherapeutischen Versorgung teil, darunter 392 Psychologische Psychotherapeut:innen, 179 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen sowie 83 Ärztliche Psychotherapeut:innen.
 
Dahinter stehen reale Existenzen auf Seiten der Behandelnden ebenso wie auf Seiten der Patientinnen und Patienten, meint die Abgeordnete und erklärt weiter: „Eine Psychotherapeutin aus der ambulanten Versorgung, die exemplarisch für viele ähnliche Rückmeldungen steht, berichtete beispielsweise, dass ihre monatlichen Fixkosten innerhalb der vergangenen Jahre um mehrere hundert Euro gestiegen sind, ohne dass darin auch nur ein Euro für ihr eigenes Gehalt enthalten wäre. Wer Praxen unter solchen Bedingungen wirtschaftlich zusätzlich unter Druck setzt, gefährdet nicht nur deren Stabilität, sondern die Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten ganz unmittelbar: weniger freie Termine, längere Wartezeiten, spätere Behandlungsbeginne und mehr Menschen, die aus Mangel an rechtzeitiger Hilfe in ein Zwei-Klassen-Ausweichsystem aus Selbstzahlung, Privatangeboten und langem Warten gedrängt werden.“
 
Die Linke-Abgeordnete erwartet, dass das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses im Rahmen seiner Rechtsaufsicht sorgfältig prüft. Zugleich müsse die Bundesregierung die gesetzlichen Rahmenbedingungen so verändern, dass psychotherapeutische Versorgung nicht weiter kleingerechnet, sondern am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet wird. „Wer Versorgungslücken vertieft, Praxen unter Druck setzt und Patientinnen und Patienten ins Warten schickt, schwächt am Ende nicht nur die Psychotherapie, sondern die Stabilität des gesamten Gesundheitssystems“, betont Güngör abschließend.

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