Erfolgsstory ohne Beleg – Güngör: Landesregierung kennt die Bleibequote der German Professional School nicht
„Die Landesregierung feiert ein ‚Erfolgsmodell', aber sie kann nicht sagen, ob die jungen Leute nach sechs Monaten überhaupt noch hier arbeiten. Das ist keine Steuerung. Das ist PR auf gut Glück", erklärt Lena Saniye Güngör, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, nach der Antwort auf ihre Kleine Anfrage zur German Professional School (GPS).
In dieser Antwort nennt das Wirtschaftsministerium zwar Vermittlungszahlen: zum einen junge Menschen, die bereits in Thüringen und nicht mehr schulpflichtig sind und über das Jobcenter zugewiesen werden, hiervon seien 108 von 204 Teilnehmenden „in Ausbildung, Arbeit und Studium" vermittelt worden. Zum anderen seien 39 von 40 jungen Menschen, die aktiv in Drittstaaten angeworben werden, für eine Ausbildung vermittelt worden. „Diese Zahlen erst einmal gut, aber die Landesregierung verwechselt Vermittlung mit Integration. Wenn nicht einmal erhoben wird, wer nach sechs Monaten noch im Betrieb ist, dann bleibt Ungewissheit über die nachhaltigen Effekte."
Besonders schwer wiegt aus Sicht der Abgeordneten, dass zentrale Risiken gar nicht als Zielgröße definiert wurden. Die Landesregierung räumt ein, dass die Abbruchquote im ersten Ausbildungsjahr in der Pilotphase kein festgesetzter Zielindikator war und erst 2026 im Rahmen einer Evaluierung betrachtet werden soll. „Eine ernsthafte Evaluation misst Abbrüche früh und handelt. Probleme können so sichtbar gemacht werden, was Interventionsmöglichkeiten eröffnet", sagt Güngör.
Auch bei den Verfahren bleibt die Antwort auffällig grob, bemängelt Güngör: Die Erteilungen von Visa hätten im Durchschnitt zwischen einer und drei Wochen gedauert, eine vollständige Aufschlüsselung nach Einzelfällen liege aber nicht vor. Beim Übergang vom Aufenthaltstitel zur Ausbildung verweist die Landesregierung auf Zuständigkeiten der Ausländerbehörden, liefert jedoch keine Statistik zu Bearbeitungszeiten. „Hier wird Verantwortung nach unten durchgereicht. Aber ein Landesprogramm braucht landesweite Standards und transparente Daten", so Güngör.
Güngör fordert, dass das Wirtschaftsministerium noch im ersten Halbjahr 2026 ein verbindliches Monitoring vorlegt: „Wir brauchen klare Definitionen, was ‚vermittelt' heißt, getrennt nach Ausbildungsvertrag, Arbeitsvertrag und Studium mit prüffesten Nachweisen. Und wir brauchen quartalsweise Zahlen zur Bleibequote nach sechs und zwölf Monaten sowie zu Abbrüchen. Wer Steuergeld einsetzt, muss Wirkung belegen und zwar rechtzeitig, nicht erst irgendwann in einer Evaluierung."

