Die Linke im September-Plenum
Vom 10. bis 12. September 2025 kommt der Thüringer Landtag wieder zusammen – und Die Linke Fraktion bringt wichtige Themen auf die Tagesordnung: den Schutz von Arbeitsplätzen und Industriestandorten, eine gerechte Ausgestaltung des Bürgergelds, günstige Mobilität für junge Menschen, mehr Inklusion und Barrierefreiheit sowie stärkere Gesundheits- und Medienkompetenzen. Außerdem setzen wir uns für den Ausbau der vertraulichen Spurensicherung nach sexueller Gewalt ein.
Dies sind unsere Themen im Detail:
Die Linke im Thüringer Landtagsplenum
22. bis 24. Plenarsitzung 10. bis 12. September 2025
Arbeitsplätze und Industriestandorte retten
Die wachsende Sorge um Arbeitsplätze werden wir in der Aktuellen Stunde aufgreifen. Gemeinsam mit der IG Metall warnen mittlerweile mehr als 30 Betriebe vor einer drohenden Schließungswelle in Thüringen. Wir bringen das Thema auf die Tagesordnung, weil die Regierung und die Koalitionsfraktionen die Dramatik ignorieren und lieber Symbolpolitik und PR betreiben statt Lösungen zu liefern.
Erst vor wenigen Tagen zeigte die Meldung zur AE Group und zum Standort in Gerstungen erneut, welche Folgen die aktuelle wirtschaftliche Situation hat. Ganze Regionen sind gefährdet, wenn Betriebe wegfallen und damit Arbeitsplätze und darunter sowohl die lokale Wertschöpfung im Handel als auch die soziale Infrastruktur von Kindergarten bis Krankenhaus leidet. Besonders betroffen ist die Automobilindustrie, die zunehmend unter globalem Kostendruck und unzureichenden politischen Rahmenbedingungen leidet.
Wir fordern jetzt eine aktive Industriepolitik, die Arbeitsplätze sichert, Standorte stabilisiert und Investitionen in eine sozial-ökologische Transformation ermöglicht. Dazu wollen wir einen Fonds auflegen und über öffentliche Beteiligung und unter Mitbestimmung der Beschäftigten die Wende für eine soziale und klimagerechte Wirtschaftspolitik schaffen. Rückenwind erhält diese Forderung auch von der Cross Cluster Initiative, die als Sprachrohr verschiedener Branchen gezielte politische Unterstützung verlangt.
Wohnkostenlücke beim Bürgergeld beseitigen
Unser Antrag knüpft an die Antwort der Bundesregierung zur „Wohnkostenlücke“ beim Bürgergeld an. Auch in Thüringen erhalten viele Leistungsbeziehende nicht die vollen Wohnkosten erstattet. Folge: Miet- und Nebenkostenrückstände oder Ausgleich aus dem Regelsatz, der eigentlich für den Lebensunterhalt gedacht ist. Zusätzlich müssen Bürgergeldempfänger:innen ihren Strom aus dem Regelsatz zahlen. Laut Bundesverfassungsgericht muss das Bürgergeld aber das soziokulturelle Existenzminimum sichern. Wer von der Wohnkostenlücke betroffen ist, fällt faktisch darunter. Oft rechtfertigen Jobcenter Kürzungen mit angeblich „unangemessenen“ Wohnkosten, auch in DDR-Standardwohnungen von 48,8 qm. So werden Betroffene für steigende Mieten und Energiepreise bestraft. Durch die angekündigte Nullrunde 2025 verschärft sich die Lage.
Wir fordern: Einbeziehung des Stroms in die Kosten der Unterkunft, realistische Kostensätze-Sätze in den Kommunen, eine Neuausrichtung beim Kriterium „Angemessenheit“ und langfristig eine armutsfeste soziale Grundsicherung statt Bürgergeld.
Günstige Mobilität sichern – 28-Euro-Kinder-und Jugend-Ticket einführen
Im Januar haben wir die Einführung eines 28-Euro-Kinder- und Jugendtickets beantragt. Damit sollen junge Menschen in Thüringen bis zum 27. Geburtstag bundesweit günstig mobil sein. Das Ticket erleichtert den Zugang zum ÖPNV, stärkt Thüringen als Lebens- und Arbeitsort und reduziert Bürokratie bei Schülertickets. Nach der Beratung im Ausschuss liegt unser Antrag nun zur endgültigen Entscheidung im Plenum. Trotz klarer Vorteile, wie etwa die Entlastung einkommensschwacher Familien, Unterstützung für Auszubildende und Impuls für die Verkehrswende, hat die „Brombeer“-Koalition eine Ablehnung empfohlen.
Wir appellieren an die Koalition, ihre Haltung zu überdenken und dem Antrag zuzustimmen. Er stärkt Jugendliche, schafft mehr soziale Gerechtigkeit und bringt die nachhaltige Mobilität in Thüringen voran.
Inklusion und Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen
Mit unserer Gesetzesnovelle setzen wir die im Abschlussbericht zur Evaluation des Thüringer Inklusions- und Gleichstellungsgesetzes empfohlenen Maßnahmen um. Damit stärken wir die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Land.
Konkret heißt das: Inklusion und Barrierefreiheit ausbauen, die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen fördern und überholte Fürsorgelogiken überwinden.
Geplant sind unter anderem:
- die Anpassung des Gesetzestextes an die Terminologie der UN-BRK,
- die Einführung eines Normprüfverfahrens,
- eine Verordnungsermächtigung zur Festlegung von Gütekriterien für kommunale Maßnahmenpläne (im Sinne von Selbstbestimmung statt Fürsorgeprinzip),
- die Schließung bestehender Umsetzungslücken sowie
- die Einführung hauptamtlicher kommunaler Beauftragter ab 10.000 Einwohner*innen
Gesundheitskompetenzen stärken – Patientensteuerung verbessern
Unser Antrag zielt darauf ab, Gesundheitskompetenzen in Thüringen über alle Lebensphasen hinweg, von der Kita über Schule und Ausbildung bis ins hohe Alter, zu stärken. Gesundheitskompetenz bedeutet, die Fähigkeit zu haben, sich aktiv und informiert um die eigene Gesundheit zu kümmern. Ein hohes Maß an Gesundheitskompetenz stärkt damit nicht nur die Gesundheit eines jeden Einzelnen, sondern des gesamten Gesundheitswesens. Deshalb muss ihre Vermittlung früh ansetzen und kontinuierlich gefördert werden.
Besonderes Augenmerk gilt dabei Gruppen, die bisher oft erschwerten Zugang zu Gesundheitsinformationen haben, etwa Menschen mit geringem Einkommen, gesundheitlichen Einschränkungen oder Migrationshintergrund.
Wir fordern von der Landesregierung aus CDU, BSW und SPD:
- verstärkte Gesundheitsförderung in Bildungseinrichtungen,
- zusätzliche Angebote für Erwachsene,
- Unterstützung beim Umgang mit digitalen Gesundheitsangeboten sowie
- Maßnahmen zur besseren Patientensteuerung
Sexuelle Gewalt bekämpfen – Vertrauliche Spurensicherung ausweiten
Die vertrauliche Spurensicherung ermöglicht nach einem sexuellen Übergriff die anonyme Aufnahme und sichere Lagerung von Beweismitteln. Derzeit ist dieses Angebot in Thüringen ausschließlich am Universitätsklinikum Jena verfügbar. Unser Antrag fordert daher die Landesregierung auf, den Ausbau der vertraulichen Spurensicherung auf weitere Standorte zu unterstützen. Der Antrag leistet einen wichtigen Schritt im Kampf gegen sexuelle Gewalt.
Desinformation und Fake News bekämpfen – Medienkompetenz stärken
Tagtäglich sind wir insbesondere im virtuellen Raum mit Desinformation und Fake News konfrontiert. Die Linksfraktion bringt daher einen Antrag in den Landtag ein, um diese aufklärend und präventiv zu bekämpfen. Ziel ist dabei, insbesondere die Medienkompetenz in Thüringen zu stärken, etwa auch durch eine Landesstrategie gegen digitale Manipulation, verbindliche Medienbildung in Schulen, mehr Angebote für Erwachsene und Senior:innen, Unterstützung von Qualitätsjournalismus, bessere Aufklärung vor Wahlen sowie ein Forschungszentrum zu Desinformation. Ziel ist es, demokratische Kultur, Transparenz und gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig zu sichern.

