Bewegung im Streit um die 380 kV-Leitung?
„Kommt jetzt endlich Bewegung in den Streit um die geplante 380 kV-Leitung?“, fragt die Linkspolitikerin Petra Enders, angesichts neuer Meldungen über „Ultranet“, die Infragestellung des Trassenneubaus durch die Thüringer Ministerpräsidentin und die Veröffentlichung von Lastflussdaten durch den Netzbetreiber 50Hertz Transmission. Ob es sich um ernsthafte Überlegungen oder nur um Wahlkampfgeplänkel handelt, werde eine von der LINKEN beantragte „Aktuelle Stunde“ zu diesem Thema in der nächsten Woche im Landtag zeigen. Frau Enders fordert die Ministerpräsidentin auf, von Amts wegen eine Überprüfung des Projektes zu veranlassen. Der Planfeststellungsbeschluss müsse aufgehoben werden.
„Dass Bayern und Baden-Württemberg ihre Anstrengungen zur Eigenerzeugung erneuerbarer Energien verstärken, ist lange bekannt. Es freut mich, dass die Ministerpräsidentin nun auch erkennt, dass es hier einen Zusammenhang mit dem Bau der 380 kV-Leitung Halle-Schweinfurt gibt“, sagt Frau Enders. Sie sei froh, dass die Interessengemeinschaft „Achtung Hochspannung!“, unterstützt von Kommunen aus Thüringen und Bayern, die Kraft aufgebracht habe, mit der Klage gegen diese Leitung beim Bundesverwaltungsgericht den Bau-Beginn zu verhindern.
„Damit ist Zeit gewonnen, die zur Prüfung des Vorhabens genutzt wird. Ich bin optimistisch, dass die Bundesverwaltungsrichter in Leipzig sehr gewissenhaft prüfen werden und zu dem Ergebnis kommen: Diese Leitung ist überflüssig!“, so die Abgeordnete.
Die Veröffentlichung von Lastflussdaten des Netzbetreibers 50Hertz Transmission sei ein längst überfälliger Schritt hin zu mehr Transparenz. „Er ist aber noch völlig unzureichend, weil aus den im Internet veröffentlichten Daten nicht hervor geht, ob zur Sicherung der Netzstabilität, zum Beispiel bei Starkwind, die erneuerbaren Energien Vorrang vor den fossilen Energien haben oder ob Windräder abgeschaltet werden und möglicherweise Atomstrom weiter fließt.“
„Die Daten bestärken uns, dass diese Leitung mit Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturseilen ausgerüstet, eine solche Kapazitätserweiterung erhält, dass ein Natur und Landschaft zerstörender Trassen-Neubau über den Rennsteig nach Bayern unnötig ist“, betont Enders. Dass man bestehende Trassen aufrüsten könne, bewiesen weit fortgeschrittene Überlegungen zum so genannten „Ultranet“. „Gleichstromleitungen werden an vorhandene Hochspannungsmasten angehängt. Bereits 2017/2019 können das Rhein-Main-Gebiet und Süddeutschland nach Abschalten weiterer Atommeiler mit Windenergie aus dem Ultranet versorgt werden. Es geht also!“, so Frau Enders abschließend.
