Bruchlandung der Landesregierung mit „Kinderkarte gegen Kinderarmut“
„Die Landesregierung hat keine umfassende Strategie gegen Kinderarmut“, stellt Matthias Bärwolff, kinderpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, fest. Dies habe einmal mehr die Antwort auf die Kleine Anfrage zur Thüringer Kinderkarte ergeben, die beweise, dass pompös verkündete Ideen aufgrund des fehlenden politischen und fiskalischen Willens eine armselige Bruchlandung erlitten.
Unter der ehemaligen Sozialministerin Christine Lieberknecht wurde die Kinderkarte vollmundig als Maßnahme gegen die Kinderarmut in Thüringen angekündigt. Thüringer Kinder, von denen jedes Vierte in Armut lebt, könnten nun kostenfrei an kulturellen und sportlichen Angeboten teilnehmen. Kaum war die Idee in der Welt, wurde sie auch schon komplett ausgehöhlt. „Wer kostenlose Angebote machen will, aber nicht bereit ist, die Kosten zu übernehmen, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Idee nicht funktioniert“, kritisiert Matthias Bärwolff die fehlende Finanzierung durch das Land. So seien auch nur zwei Modellprojekte in Gotha und Zeulenroda initiiert worden.
Bezeichnend sei auch die mangelhafte Informationspolitik. Wer Angebote für Kinder aus armen Familien lediglich auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlicht, kann davon ausgehen, dass die wenigsten Kinder davon erfahren. „Mich wundert es nicht, dass von den 5.000 ausgegebenen Karten nur 350 zum Ministerium zurückgeschickt wurden, um an einer Preisverleihung teilzunehmen“, sagt der Kinderpolitiker. „Wo sind die Angebote, wie kommen die Kinder dorthin, was nutzt es dem Kind, wenn es zweimal ein Instrument ausprobieren kann und sich die Eltern die Kosten für den regulären Musikschulbesuch anschließend nicht leisten können?“
„Was wir brauchen, sind keine kurzfristigen Angebote, die die meisten Kinder gar nicht erreichen“, sagt Matthias Bärwolff. „Wenn wir Kinderarmut bekämpfen und
Teilhabe für arme Kinder sichern wollen, müssen wir darüber reden, wie möglichst viele Kinder davon profitieren können – und das dauerhaft und nicht für ein bis drei Mal.“
DIE LINKE führt deshalb am 17. Februar von 10.00 bis 16.30 Uhr in der Fachhochschule Erfurt eine Fachtagung zum Thema: „Kinderarmut bekämpfen – Teilhabe sichern“ durch. „Uns geht es um Teilhabe, Demokratie, Elternarbeit und Kinderbeteiligung – und nicht um kurzfristige Angebote von privaten Vereinen, die sich ein dauerhaft kostenfreies Angebot gar nicht leisten können“, stellt Matthias Bärwolff fest.
