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Noch viel Handlungsbedarf bei Klassik Stiftung Weimar

In der vergangenen Woche fand im Thüringer Landtag eine öffentliche Anhörung zur Situation und Zukunft der Klassik Stiftung Weimar statt. Zum ersten Mal wurde nach der Kritik des Rechnungshofes und nach dem Evaluationsbericht des Wissenschaftsrates eine öffentliche Debatte zu den Schlussfolgerungen für die Arbeit der Stiftung geführt. Die Abgeordneten des Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur hatten nach dem im Mai erschienenen Evaluationsbericht eine Anhörung zur zweitgrößten deutschen Kulturstiftung beschlossen, um sich mit den Empfehlungen und Kritikpunkten des Berichts auseinander zu setzen. Kernpunkte waren neben den personellen und finanziellen Engpässen und der Kommunikation innerhalb der Stiftung vor allem das fehlende Gesamtkonzept sowie die mediale Wahrnehmung der Klassik Stiftung.

Dr. Birgit Klaubert, Kulturpolitikerin der Fraktion DIE LINKE, wertete die öffentliche Anhörung als „wichtigen Schritt“, mahnte aber gleichzeitig an, „nun nicht weitere Jahre ins Land gehen zu lassen, ehe den Empfehlungen des Wissenschaftsrates nachgekommen wird“. „Ich habe den Eindruck, dass zwei Sitzungen des Stiftungsrates im Jahr nicht ausreichen, um Weichenstellungen vorzunehmen, die zu einem schlüssigen Gesamtkonzept führen. Es geht schließlich nicht nur um bauliche Maßnahmen und das Bewahren der Tradition, sondern um die Öffnung in die Gegenwart und die Vernetzung der Stiftung im regionalen und überregionalen Raum. Beispielgebend könnte dabei die bessere Einbindung des Nietzsche-Kollegs sein“, so die Kulturpolitikerin.
Zwar betonte Minister Matschie als Stiftungsratsvorsitzender in der Anhörung, man wolle sich bis zur nächsten Sitzung im Juni 2012 mit konkreten Vorschlägen zu einem inhaltlich fundierten Gesamtkonzept befassen, welches er beim Präsidenten Seemann bereits in Auftrag gegeben habe. Bis dahin ist aber wieder ein halbes Jahr vergangen und ehe es zu Entscheidungen kommen kann, dürfte weitere wertvolle Zeit vergangen sein.
Zur Frage des Vier-Augen-Prinzips an der Spitze der Stiftung wollte man offensichtlich keine weitere Diskussion. Auch der Wissenschaftsrat hatte diesen Kritikpunkt des Rechnungshofes in seiner Stellungnahme nicht aufgegriffen. So ist nun der Stiftungspräsident qua Satzung weiterhin als Einzelleiter für die Geschicke der Stiftung verantwortlich. Es bleibt das Prinzip Hoffnung, dass es mit dem nun endlich ernannten Verwaltungsdirektor eine gute Zusammenarbeit gibt, die die Ressourcen der Klassik-Stiftung verantwortungsbewusst nutzt.
Im Februar wird der Fachausschuss die Anhörung auswerten. „Natürlich ist wünschenswert, dass sich der Bund finanziell noch mehr für die Klassik-Stiftung engagiert. Hausaufgaben müssen aber auch in Thüringen erledigt werden und es bleibt abzuwarten, ob es in der Stiftung die Bereitschaft gibt, auch vom Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur Empfehlungen und Ratschläge entgegenzunehmen“, so Frau Dr. Klaubert. Die Stiftung müsste sich nach dem Gesetz nicht daran halten, doch Thüringen sei bedeutender Zuwendungsgeber und über die Haushaltsmittel entscheide der Landtag. „Damit ist es legitim, die Entwicklung der Klassik-Stiftung zwar wohlwollend, doch auch kritisch zu begleiten“, so die LINKEN-Kulturpolitikerin abschließend.


 

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