Ministerielles Aussitzen führt zu Verteilungskämpfen und beschädigt Thüringer Kulturlandschaft
Zur laufenden Debatte um den Erhalt der Thüringer Theater und Orchester erklärt die Kulturpolitikerin der Linksfraktion, Dr. Birgit Klaubert: „Diese Debatte war lange befürchtet und hatte vor zwei Wochen schon einen Vorläufer in der Äußerung des Nordhäuser Intendanten Lars Tietje, wonach Nordhausen und Sondershausen bereits ihr maximales Sparpotential erreicht hätten. Nun folgt die Frage, ob kleinere Theater nicht einfach von den großen bespielt werden könnten. Leider macht sich Herr Montavon damit zum Sprachrohr einer verfehlten Politik.“
Denkt man seine Vorschläge weiter, „führt das zu einem Kulturkannibalismus, der schon einmal mit der Feststellung angedeutet wurde, dass den Letzten die Hunde beißen“, warnt Frau Dr. Klaubert. Wichtig wäre, dass Christoph Matschie endlich Vorschläge auf den Tisch legt, wie die Finanzierung der Thüringer Theaterlandschaft zukünftig aussehen kann. „Der Minister kann sich nicht länger in irgendwelchen Arbeitskreisen verstecken, deren einzige Aufgabe es ist, Entscheidungen weiter hinaus zu zögern“, appelliert die Kulturpolitikerin der LINKEN. Dieses Aussitzen haben seine Amtsvorgänger begonnen und am Ende mit untauglichen Mitteln den Stand erreicht, der heute beklagt wird. Doch die neue Regierung ist über ein Jahr im Amt und trotz mehrfacher Aufforderung seitens der LINKEN ist keine Lösung in Sicht.
Birgit Klaubert erneuert ihre Forderung nach einem neuen Finanzierungsmodell zwischen Land und Kommunen. „Warum wird die Idee, die Finanzierung wieder über den kommunalen Finanzausgleich zu regeln, nicht konkreter gedacht? Die Ideen für einen Kulturförderausgleich sind doch lange auf dem Tisch! In einem Kulturfördergesetz könnten diese gesetzlich fixiert werden. Warum wird nicht überlegt, die Verwaltungs- und Marketingbereiche der einzelnen Häuser auszugliedern und in einem Landesbetrieb zu bündeln?“, so Frau Dr. Klaubert. Dieser Betrieb könnte unter Kontrolle des Parlaments stehen und für eine vielfältige Theater- und Orchesterlandschaft werben. Diesem wäre ein landesweites Kulturportal anzuschließen, welches für Thüringerinnen und Thüringer sowie für die Gäste nutzbar wäre. „Die Wege in Thüringen sind verhältnismäßig kurz! Die für die Identifikation der Menschen mit den Spielstätten wichtigen künstlerischen Bereiche blieben dabei vor Ort, die organisatorischen Aufgaben würden ihnen abgenommen! Und besonders wichtig dabei ist: Die Produktions- und Spielstätten könnten weiterhin eine feste Säule im regionalen Kulturangebot bleiben und ihren Bildungs- und Kulturauftrag erfüllen“, erklärt die Abgeordnete.
Um organisatorisch effizientere Strukturen zu erreichen, schlägt die Kulturpolitikerin vor, zur Vorbereitung der Spielpläne eine Spielplankonferenz einzurichten, die die Stärken der einzelnen Häuser berücksichtigt, aufwändige Produktionen gemeinsam organisiert und auch Abstimmungen untereinander zulässt. Bindet man dabei die Musikhochschule und gegebenenfalls Schauspielschulen ein, wäre das „ein einzigartiger Ausweg aus der Traurigkeit und Einfallslosigkeit derzeitiger Verteilungskämpfe“.
