Forderung nach angemessener Entschädigung für Contergan-Opfer
53 Jahre nach der Markteinführung des Beruhigungs- und Schlafmittels Contergan ruft der Bundesverband Contergangeschädigter und Grünenthalopfer e.V. zu einer bundesweiten Kampagne zum Boykott auf. Die Aktion richtet sich gegen die Unternehmerfamilie Wirtz, zu der der frühere Conterganhersteller Grünenthal und die Dalli-Gruppe gehören, die Waschmittel und Kosmetika herstellt. Karola Stange, behindertenpolitische Sprecherin der Fraktion Die LINKE im Thüringer Landtag, erklärt sich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Kampagne solidarisch.
"Bis heute haben die rund 2.700 noch lebenden Conterganopfer keine gerechte Entschädigung erhalten. Statt eines Lebens in Selbstbestimmung und Würde erfahren sie neben den körperlichen Schmerzen Demütigungen, Ausgrenzung und Armut", so Stange.
Die Kampagne sei die Bekräftigung eines seit drei Jahren existierenden Boykottaufrufs. Bei dem Versuch, gerichtlich dagegen vorzugehen, war die Dalli-Gruppe im vergangenen Jahr gescheitert. Das Schlafmittel Contergan der Firma Grünenthal hatte Ende der 50er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale in der deutschen Geschichte ausgelöst. Nach Angaben des Bundesverbandes Contergangeschädigter gibt es in Thüringen unter den Betroffenen auch anerkannte Fälle in Erfurt und Gera.
"Die durch den Protest der Betroffenen in den Jahren 2008 und 2009 erkämpften Verbesserungen des Conterganstiftungsgesetzes können nur erste Schritte sein, keine abschließende Lösung. Die bisherigen Bundesregierungen sind ihrer Verantwortung gegenüber den Conterganopfern und ihren Angehörigen nicht nachgekommen, die sie 1972 mit Abschluss des so genannten Vergleichs mit der Verursacherfirma Grünenthal übernommen haben", sagt die LINKE Politikerin. Die Conterganstiftung zahlte nach eigenen Angaben bis Ende 2008 rund 460 Millionen Euro Rentenleistungen aus. Mit rund 100 Millionen Euro kommt nur ein Teil von dem ehemaligen Unternehmen Grünenthal. Der Rest sind Steuermittel.
"DIE LINKE in Thüringen unterstützt die bundesweite Kampagne und wird sich für schnelle und spürbare Verbesserungen der Lebenssituation der Conterganopfer und aller anderen Menschen mit Behinderungen einsetzen", so Stange abschließend.
