Hammerskins weiter aktiv – König-Preuss: Thüringer Neonazis trotz Verbot bei internationalem Treffen in Italien

Katharina König-Preuss

Anlässlich der heutigen Prüfung des Bundesverwaltungsgerichts von Klagen zum Verbot der „Hammerskins Deutschland“ erklärt Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag: „Die aktuelle Veröffentlichung der antifaschistischen Rechercheplattform EXIF zu einem geheimen Hammerskin-Treffen und einem internationalen Neonazi-Konzert im November 2025 in Italien zeigen deutlich: Hammerskins sind weiter aktiv, international vernetzt und organisieren sich zunehmend konspirativ auch mit Beteiligung von Neonazis aus Thüringen. Damit bestätigen die aktuellen Enthüllungen leider exakt das, wovor wir bereits beim Verbot der Hammerskins gewarnt haben: Ein Vereinsverbot allein zerschlägt keine gewachsenen, international vernetzten Neonazi-Strukturen.“

 

 

 

Nach Recherchen von EXIF nahmen am geheimen Treffen europäischer Hammerskins sowie am sogenannten „Hammerfest“ in Norditalien erneut zahlreiche deutsche Neonazis teil, darunter auch Thomas Gerlach aus dem Altenburger Land, eine seit Jahrzehnten aktive Führungsfigur der Hammerskins, der bereits beim Verbot 2023 im Fokus der Ermittlungen stand. „Dass ausgerechnet Gerlach weiterhin ungehindert an internationalen Vernetzungstreffen teilnehmen kann, zeigt, wie nachlässig das Verbot bislang durchgesetzt wird und dass die von Hammerskins ausgehende Gefahr weder von Thüringer noch von deutschen Sicherheitsbehörden ernst genug genommen wird", so König-Preuss.

 

Die Landesregierung selbst räumte in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten im Januar 2025 ein, dass es in Thüringen auch nach dem Verbot keine Hinweise auf einen Rückzug ehemaliger Hammerskins aus der extrem rechten Szene gibt. Zugleich wurde deren Aktivität verharmlost, findet die Abgeordnete. „Die Bilder und Erkenntnisse aus Italien widerlegen diese Verharmlosung deutlich. Thüringer Neonazis sind weiter Teil eines international agierenden, gewaltbereiten Netzwerks“, so König-Preuss.

 

Bereits vor dem Verbot waren Thüringen und insbesondere Kirchheim und Eisenach wichtige Anlaufpunkte der Hammerskins. Dazu erklärt die Abgeordnete: „Dass zentrale Akteure aus Thüringen nun erneut bei konspirativen Treffen und Rechtsrock-Events im Ausland auftauchen, zeigt: Man hat diese Szene über Jahre gewähren lassen und setzt diesen Fehler offenbar auch nach dem Verbot fort. Ohne konsequente Strafverfolgung, Vermögenseinziehung, internationale Zusammenarbeit und politischen Willen bleiben solche Verbote symbolisch.“

 

Die Hammerskins stehen für eine zutiefst antisemitische, rassistische und neonazistische Ideologie und gelten international als ein Netzwerk, das Rechtsrock, Kampfsport und Gewaltideologie verbindet und das rechten Terror ideologisch befördert, ist die Abgeordnete überzeugt und betont: „Die Hammerskins sind kein harmloser Musikzirkel und sie agieren weiter. Wer das nicht offen benennt, trägt Mitverantwortung dafür, dass sich diese Strukturen stabilisieren können. Wer diese Strukturen unterschätzt oder allein auf Vereinsverbote setzt, handelt sicherheitspolitisch fahrlässig. Gerade Thüringen hat in der Vergangenheit erfahren müssen, wohin das Wegsehen über verfestigte Neonazi-Netzwerken führen kann.“

 

Abschließend fordert die Abgeordnete: „Notwendig ist eine konsequente Verfolgung von Wiederbetätigung, das Zerschlagen von Infrastruktur und Finanzierungswegen sowie eine transparente Benennung der Gefahr. Neonazis dürfen nicht den Eindruck gewinnen, dass sie nach einem Verbot einfach weitermachen können, weder in Thüringen noch auf internationaler Ebene.“


 

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