Zum 50. Welttheatertag: „Kulturkannibalismus muss gestoppt werden!“

Morgen jährt sich der vom Internationalen Theaterinstitut ausgerufene Welttheatertag zum 50. Mal. Seit seiner erstmaligen Ausrufung stehen jedes Jahr Wortmeldungen berühmter Theatermacher im Mittelpunkt. 2012 kommt die zentrale Botschaft von US- Schauspieler John Malkovich, der sich explizit mit Fragen des Mensch-Seins beschäftigt. Diese Fragen sind immer wieder zentral für die Theaterarbeit und Kulturpolitik. Vor allem dann, wenn es um den „Wert“ von Kultur geht. Klamme Kassen lassen Stimmen nach Abschaffung von ganzen Sparten laut werden. Dazu wird am 28. März, ab 18 Uhr, eine öffentliche Podiumsdiskussion im Theater Altenburg stattfinden. Die LINKE Kulturpolitikerin Dr. Klaubert, die an der Diskussion teilnimmt, erklärt:

„Seit Jahren zeichnet sich in Thüringen ein Zustand ab, der eigentlich nur noch eine Beschreibung verdient: Kulturkannibalismus. Viele Kommunen müssen sich heute aufgrund wirtschaftlicher Zwänge fragen, wie viel Kultur man sich ‚leisten’ kann und will. Die Leidtragenden sind zuerst die Kunst- und Kulturschaffenden selbst. Mit großem Engagement versuchen sie, ihre wichtige Arbeit aufrecht zu erhalten und gleichzeitig einer wachsenden ‚Kulturverdrossenheit’ entgegen zu wirken. Ohne Zweifel muss eine bessere und vor allem eine gerechtere Basis für den Erhalt aller Theater und Orchester geschaffen werden. Dabei dürfen Haustarifverträge keine endgültige Lösung sein.

Dennoch muss auch im Fall des Altenburger Theaters ganz klar gesagt werden, dass sich alle Gesellschafter wohl wissend um die finanzielle Gesamtlage gemeinsam mit dem Land auf eine Finanzierung geeinigt haben. Alle Beteiligten sind demzufolge auch in der Pflicht, ihrer Verantwortung dem Theater und seinen Beschäftigten gegenüber nachzukommen. Daher werden Haustarifverträge, Kürzungen und Schließungen von Sparten als ein Weg gesehen, um den Erhalt der Kultureinrichtung an sich zu gewährleisten. Diesen Weg heiße ich nicht gut, ganz im Gegenteil. Aber er ist ein Resultat der Kulturpolitik der vergangenen und auch der jetzigen Landesregierungen. Er ist aber auch Resultat der Zurückhaltung vieler Betroffener.

Es gilt, gegen Kürzungen und Willkürlichkeiten zu protestieren und deutlich zu machen, dass auch das Land ist in der Pflicht steht. Als Abgeordnete im Landtag und im Stadtrat von Altenburg arbeite ich mit meinen Fraktionen seit Jahren an Vorschlägen und Lösungswegen für eine Kulturfinanzierung, die die Kommunen entlastet und die Kultureinrichtungen stärkt. Am 28. März werde ich auch in meiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied des Altenburger Theaters an das Verantwortungsbewusstsein aller appellieren. Auch weiterhin werde ich mich dafür einsetzen, dass Thüringen nicht weiter seiner Kultur beraubt wird.“

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