Öffnung der Thüringer Hochschulen mit derzeitigen Beschäftigungsverhältnissen illusorisch
"Eine Öffnung der Hochschulen ist zu begrüßen. Kultusminister Matschie lässt aber die Frage offen, wie und von wem der damit verbundene Mehraufwand geleistet und die damit Qualität der Lehre aufrechterhalten werden soll", kritisiert Susanne Hennig, bildungspolitische Sprecherin der LINKEN.
Bereits seit Jahren steigt der Druck auf die Beschäftigten im wissenschaftlichen Betrieb stetig an. Lehre wird immer mehr vom wissenschaftlichen Mittelbau und wissenschaftlichen Hilfskräften abgedeckt, die zu über 80 Prozent befristete Arbeitsverhältnisse haben und von denen sich wiederum ca. 40 Prozent in Teilzeit befinden. "Diese prekären Beschäftigungsverhältnisse werden sich ohne zusätzliche öffentliche Gelder an den Hochschulen weiter verschärfen und eine wissenschaftliche Laufbahn in Thüringen immer unattraktiver machen", warnt Frau Hennig. Die Einführung von Assistenzprofessuren und eine damit erhoffte Stärkung der ProfessorInnenschaft könnten dem nicht entgegenwirken.
"Minister Matschie wird seinem selbst formulierten Anspruch nicht gerecht, planbare und attraktive Beschäftigungsverhältnisse für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu gewährleisten. Der Einstieg in den akademischen Mittelbau ist entscheidend für eine Karriere im Wissenschaftsbereich, nicht eine eigens eingeführte Assistenzprofessur", betont die Abgeordnete. Über die Ziel- und Leistungsvereinbarungen habe der Minister den Hochschulen erst kürzlich etwa zehn Prozent ihrer Mittel gekürzt, "und die Hochschulen geben den finanziellen Druck auf die Beschäftigten weiter".
DIE LINKE fordert daher eine transparente und demokratische Ressourcenaushandlung. Befristungen sind zurückzudrängen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse abzuschaffen. Zudem ist es zur Qualitätssicherung unabdingbar, dass für Daueraufgaben auch Dauerstellen eingeführt und Qualifikationsphasen, wie die Promotion, ausfinanziert werden. Ein Probestudium lehnt die Linksfraktion ab.
Christoph Matschie, Kultusminister Thüringens, beabsichtigt die Öffnung Thüringer Hochschulen für Menschen ohne Abitur. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und entsprechender Berufserfahrung soll man seinen Bachelor und sogar einen Master absolvieren können. Perspektivisch soll so der wachsende Bedarf an qualifizierten ArbeitnehmerInnen gedeckt werden.
