NSU – Netzwerk, nicht Zelle
Nach Informationen eines Magazins steht der bekannte Jenaer Neonazi André Kapke im Verdacht, die beiden Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt am 4.11.2011 zum Banküberfall begleitet zu haben und Beate Zschäpe über den Tod der Bankräuber und mutmaßlichen zehnfachen Mörder informiert zu haben. „Das wäre eine jähe Wende für alle, die in den letzten Monaten die These von der abgeschotteten Zelle NSU behaupteten und Fragen nach möglicher Tatbeteiligung bzw. -vorbereitung weiterer Neonazis strikt von sich wiesen“, sagt Martina Renner, Obfrau der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Untersuchungsausschuss.
„Mit Blick auf die Vernetzung der drei Untergetauchten in bundesweite Strukturen der militanten Szene aus Anti-Antifa, Blood&Honour und brauner ‚Kameradenhilfe’ war für uns immer klar: NSU ist ein Netzwerk, es gab Unterstützung, Wissen und Nutznießer in der neonazistischen Szene", so Renner weiter. Damit schließt sich für die Linksfraktion die Frage nach Verbindungen in heute bestehende neonazistische Gruppierungen an.
Insbesondere für den Untersuchungsausschuss, der auch das Entstehen des NSU aus den Thüringer und Jenaer Neonazistrukturen untersucht, ergeben sich neue Fragen. So wird immer deutlicher, dass sich Ende der 90er Jahre eine Gruppe in Jena herausbildete, die nicht nur über Möglichkeiten für illegale Waffen- und Sprengstoffbeschaffung verfügte, sondern ideologisch motiviert für sich den Weg des Terrors bewusst eröffnete. „Vor dem Hintergrund der mit Spitzeln durchsetzten rechten Szene, auch in Jena, wird immer fragwürdiger, warum die Sicherheitsbehörden, insbesondere das Landesamt, von dieser Entwicklung nichts mit bekommen haben wollen“, betont die Abgeordnete. Renner verweist darauf, dass sich an mehreren Stellen in den Berichten der V-Leute Hinweise auf André Kapke finden. Dieser gehörte zu einem der zentralen Beobachtungsobjekte des Landesamtes. Sofern die Informationen der Medien stimmen, muss angenommen werden, dass Kapke all die Jahre Kontakt zu Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt unterhielt. Dies wird daran deutlich, dass von seinem Handy auf dem Mobilfunk von Zschäpe angerufen wurde. „Es gab also kein Abtauchen und keiner wusste dann mehr Bescheid, sondern die Drei waren in den ganzen Jahren Teil der militanten Szene in Jena und womöglich darüber hinaus.“
„Die Ermittlungen, die bisher darauf zielten, eine schnelle Anklage gegen Zschäpe und weitere Terrorhelfer zu ermöglichen, müssten nun“, so Renner abschließend, „weitere Neonazis als Unterstützer oder gar Tatbeteiligte in den Blick nehmen. Gestützt wird diese Annahme auch durch die Tatsache, dass Bekenner-DVDs offenkundig an mehreren Orten von Hand eingeworfen wurden.“
