Hauboldt: Umfassendes Handlungskonzept gegen Suizide in Gefängnissen schnellstens notwendig
Vor dem Hintergrund des jüngsten Suizidfalls in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Goldlauter - dem Sechsten innerhalb eines Jahres in Thüringer Gefängnissen -, fordert Ralf Hauboldt, "dass es endlich ein grundlegendes und umfassendes Handlungskonzept zur Verhinderung von Suiziden in Thüringer Gefängnissen geben muss" und sich die Diskussion "endlich vom Einzelfall" lösen müsse.
Der Justizpolitiker der LINKEN kündigt einen Antrag seiner Fraktion zur Erarbeitung eines konkreten Suizidpräventionskonzepts für die nächste Sitzung des Justizausschusses an. Dazu fordert DIE LINKE-Fraktion auch eine Anhörung mit Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft. "Es wäre sinnvoll, wenn Thüringen Vorarbeiten und Konzepte anderer Bundesländer für eigene Aktivitäten kritisch sichtet und nutzt, aber es ist unbedingt eine Situationsanalyse für Thüringen notwendig", betont Hauboldt und verweist auf die Fachkompetenz im Land, die "trotz der vorhandenen Problemsituationen von der Landesregierung bisher nicht genutzt wurde".
Der Justizpolitiker nennt Bundesländer, wie Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen, die zu diesem Thema seit längerer Zeit aktiv sind. Im vergangenen Jahr sei unter dem Titel "Ausgeschieden durch Suizid - Selbsttötungen im Gefängnis" eine bundesweite wissenschaftliche Studie erschienen. "Es ist unverantwortlich und skandalös, dass in Thüringen seit Jahren ohne konkretes Handlungskonzept und ohne entsprechende Ausbildung in den Justizvollzugsanstalten gearbeitet wird", kritisiert Ralf Hauboldt.
So mache der jüngste Suizidfall Goldlauter Defizite im Zusammenhang mit dem so genannten Eingangsgespräch deutlich. Offensichtlich werde bei diesem "Check" beim Haftantritt der Gefangenen zu wenig auf das Problem der Suizidgefährdung geachtet. Dabei sei aus Praxis und Wissenschaft bekannt, dass gerade diese Phase eine besondere psychische Belastung darstellt. Mit Blick auf die vom Justizminister zum Suizidfall in Goldlauter angekündigte Berichterstattung im Rahmen der kommenden Sitzung des Justizausschusses unterstreicht Hauboldt abschließend, "dass wir als LINKE auch in diesem Fall dem Justizminister wieder einen umfangreichen Fragenkatalog zukommen lassen - dieses Mal mit dem inhaltlichen Schwerpunkt psychologische und soziale Betreuung beim Haftantritt".
