Angeworben, nicht bezahlt, gekündigt – wer Pflege-Azubis so behandelt, gefährdet Menschen und Pflegeversorgung

Lena Saniye Güngör, Katharina König-Preuss

„Wer junge Menschen aus Vietnam für die Pflege nach Thüringen holt und ihnen dann monatelang die Ausbildungsvergütung vorenthält, begeht klar Lohndiebstahl und zerstört Existenzen“, sagt Lena Saniye Güngör, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, anlässlich aktueller Berichte über mehr als 20 vietnamesische Pflege-Auszubildende im Altenburger Land, denen nach ausbleibender Vergütung gekündigt worden sein soll.

 

Nach Medieninformationen wurde dem Ausbildungsträger bereits mit Bescheid vom 27. August 2025 die Ausbildungsermächtigung, unter anderem wegen nicht gezahlter Vergütung, entzogen. Trotzdem seien Auszubildende über Monate in Unsicherheit gehalten worden; inzwischen werde sogar von Verlust der Unterkunft berichtet. Güngör betont: „Das Pflegeberufegesetz ist hier eindeutig: Ausbildungsvergütung ist Pflicht. Wenn ein Träger das nicht leistet, braucht es nicht nur einen Widerruf, sondern schnelle Schutzmechanismen, damit aus einem Konflikt mit dem Arbeitgeber keine soziale Notlage wird.“ Katharina König-Preuss, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, ergänzt mit Blick auf die aufenthaltsrechtliche Dimension: „Es darf nicht sein, dass der Aufenthalt junger Menschen faktisch am Verhalten eines einzelnen Arbeitgebers hängt. Wenn ein Betrieb Pflichten verletzt, dürfen die Betroffenen nicht die Quittung zahlen, schon gar nicht in Form aufenthaltsrechtlicher Nachteile.“ Nach ihrer Auffassung müsse jetzt unverzüglich sichergestellt werden, dass die zuständigen Ausländerbehörden die bestehenden Spielräume konsequent nutzen und Betroffene verlässlich beraten, damit die Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz nicht durch Bürokratie, Fristen oder fehlende Abstimmung scheitert. „Wer hier ausgebildet werden soll, braucht Schutz vor Druck, Aufhebungsverträgen und der Angst, durch die Kündigung gleich den Boden unter den Füßen zu verlieren“, so König-Preuss.

 

Die beiden Abgeordneten fordern die Landesregierung auf, sofort eine landesweite Koordinierung für Ersatz-Ausbildungsplätze zu organisieren, gemeinsam mit Pflegeschulen, Trägern und der Agentur für Arbeit; mit den Ausländerbehörden verbindlich sicherzustellen, dass Betroffene den gesetzlich vorgesehenen Zeitraum zur Ausbildungsplatzsuche tatsächlich nutzen können und dabei keine Versorgungslücken (Wohnraum, Lebensunterhalt, Krankenversicherung) entstehen; die Aufsichtskette sowie mögliche Fördermittel- und Finanzierungsströme transparent offenzulegen und im Fördervollzug klare, kontrollierte Nebenbestimmungen durchzusetzen, damit internationale Auszubildende nicht durch Unterbringungs- und Vertragskonstruktionen erpressbar werden.

 

„Thüringen wirbt Pflegekräfte weltweit an. Dann muss Thüringen auch garantieren, dass Menschenrechte, Arbeitsrechte und Ausbildungsschutz in der Praxis, nicht nur auf dem Papier, gewahrt bleiben“, so Güngör und König-Preuss abschließend.
 

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