Milchgipfel: Thüringer Milchbauern brauchen faire Preise und soziale Sicherheit
Anlässlich des Milchgipfels in Berlin fordert Anja Müller, landwirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, die bestehenden Möglichkeiten der EU-Agrarpolitik endlich im Sinne der Milchbäuerinnen und Milchbauern zu nutzen und erklärt dazu: „Artikel 148 der EU-Verordnung zur Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) erlaubt verbindliche, schriftliche Lieferverträge im Milchsektor. Deutschland sollte diese Option konsequent anwenden, um die Verhandlungsposition der Erzeuger zu stärken.“
Laut der Abgeordneten ist die Lage in Thüringen ernst: Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik werden noch rund 79.000 Milchkühe in etwa 220 Betrieben gehalten, doch seit 2020 hat jeder fünfte Milchbetrieb aufgegeben. Das zeigt, wie groß der wirtschaftliche Druck ist. Dazu Müller weiter: „Steigende Kosten treffen auf unsichere Erlöse. Viele Milchbauern erfahren erst im Nachhinein, welchen Preis sie für ihre gelieferte Milch erhalten. Diese Abhängigkeit von der Marktmacht weniger Molkereien ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Milchbauern produzieren unter hohem Risiko und wissen oft erst am Ende, was ihre Arbeit wert sein soll. Das ist kein fairer Markt, das ist ein strukturelles Ungleichgewicht. Zum Erhalt bäuerlicher Betriebe braucht es verbindliche Regeln.“
Müller erklärt, die Forderungen des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) nach wirksamen Marktinstrumenten und verbindlichen Vertragsstandards mit transparenten Preiskriterien zu unterstützen. Die Abgeordnete macht aber auch betont aufmerksam auf die Forderungen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die klare politische Leitplanken gegen die Marktmacht von Molkereien und Handel sowie eine Stärkung regionaler, bäuerlicher Strukturen fordert.
Abschließend erklärt Müller: „Faire Milchpreise sind nicht nur eine Marktfrage. Sie sind eine soziale Frage für die bäuerlichen Familien, für ländliche Räume und für die Zukunft regionaler Lebensmittelproduktion.“

