Güngör: Sonntagsöffnung bringt nicht mehr Umsatz, sie erhöht die Belastung für Arbeitnehmer:innen

Lena Saniye Güngör

„Verkaufsoffene Sonntage haben keinen positiven ökonomischen Nutzen, denn sie tragen nicht zur Umsatzsteigerung bei. Wer gegenteiliger Auffassung ist, verwechselt Öffnungszeiten mit Kaufkraft,“ sagt Lena Saniye Güngör, arbeitspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag mit Blick auf die anstehenden Sonntagsöffnungen in diversen Thüringer Städten und betont weiter: „Am Sonntag, 7. Dezember 2025 (2. Advent), sind in Arnstadt, Gera, Gotha, Heilbad Heiligenstadt, Jena, Erfurt und Zeulenroda-Triebes verkaufsoffene Sonntage angekündigt, das bedeutet aber am nicht mehr Lohn für die Arbeitnehmer:innen, sondern mehr Belastung. Es ist falsch, anzunehmen, dass Ladenöffnung eine Variable ist, die Wohlstand schafft. Sie ist es nicht. Durch solche Öffnungen wird der Druck auf die Arbeitnehmer:innen erhöht statt für Entlastung zu sorgen.“ 

 

 

 

Güngör betont, dass sich Einkäufe durch zusätzliche Ladenöffnungen nicht vermehren, sondern nur verschieben: „Die allermeisten Einkäufe, die ohnehin gemacht werden, werden nur anders verteilt: von Samstag auf Sonntag, von der Woche aufs Wochenende. Das ist keine Wirtschaftspolitik. Das ist die Verlängerung der Arbeitszeit im Einzelhandel. Gerade in der Adventszeit wird so ausgerechnet Beschäftigten, die ohnehin unter hohem Takt, engem Personalschlüssel und unplanbaren Schichten leiden, ein weiterer Tag Freizeit genommen; Zeit, die für Familie, Freund:innen, Erholung gebraucht wird.“

 

„Zeit ist die einzige Ressource, die wir nicht vermehren können“, führt die Abgeordnete weiter aus. Der Sonntag sei dabei nicht einfach nur eine arbeitsfreie Zeitspanne, sondern eine soziale Institution, so die Abgeordnete und erklärt: „Der Sonntag ist die Bedingung der Möglichkeit für ein gemeinsames Leben jenseits der Marktlogik, für das Frühstück mit den Kindern, den Besuch bei den Eltern oder das Ehrenamt im Sportverein. Wenn wir zulassen, dass kommerzielle Interessen diesen geschützten Raum vereinnahmen, nehmen wir nicht nur Einzelnen, sondern auch dem gesellschaftlichen Miteinander wichtige Zeit. Das Recht auf Zeit ohne Verwertungszwang ist kein verhandelbares Luxusgut, sondern ein Grundrecht, das wir gegen den Druck des Marktes verteidigen müssen.“