Waldbesitzer unterstützen, Holzbranche und Bauwirtschaft im Freistaat sichern: Die aktuellen Chancen für die Thüringer Holzwirtschaft nutzen
Zum Antrag der Fraktion der AfD - Drucksache 7/2193
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuschauerinnen und Zuschauer auch am Livestream, liebe Interessierte hier in Thüringen am Thema „Wald und Holz“. Materialknappheit ist ein drängendes Problem und betrifft unterschiedliche Rohstoffe – nicht nur, aber vor allem Holz. Mit Blick auf die letzten Monate bleibt festzustellen, dass Lieferketten reißen und Materialien einfach nicht vorhanden sind. Und wenn Sie vorhanden sind, dann sind sie nur noch zu horrenden Preisen verfügbar. Insofern besteht aus unserer Sicht dringender Handlungsbedarf.
Der Antrag der Fraktion der AfD greift eine Diskussion auf, die geführt werden muss und auch schon längst läuft. Die in ihm vorgeschlagenen Lösungen greifen allerdings am Problem vorbei oder sind bereits Teil einer bestehenden Konzeption wie zum Beispiel zum Waldumbau. Die Forderung nach einer Beobachtung des internationalen Markts – eine Fensterplatzforderung. Die hier geforderte Holzverfügbarkeit ist über den Markt überhaupt nicht zu erreichen, weil dieser die Nachfrage nach dem höchsten Preis bedient. Eine Situation, in der es gerade die regional-, gemeinwohl-, ökologisch- und klimapolitisch vernünftigen Markteilnehmerinnen und Marktteilnehmer schwierig haben, mitzuhalten. In diesem Spannungsfeld ist auch die Diskussion der Positionierung der Thüringer Forstanstalt in den kommenden Monaten noch mal aufzunehmen.
Hinsichtlich des Holzmarkts gibt es eine große Nachfrage aus dem Ausland. In China, auch in den USA, und nicht zuletzt, weil aufgrund eines von Präsident Biden initiierten Investitionsprogramms ein deutlicher Aufschwung zu beobachten ist, wird für Holz einfach deutlich mehr bezahlt. Deshalb wird viel von dem, was hierzulande in Sägewerken produziert wird, direkt zum Hafen gebracht und nach Übersee verschifft. Dort wird eben ein höherer Preis gezahlt. Deshalb ist dieser Materialabfluss ein Dominoeffekt im Resultat von kapitalistischen Marktmechanismen, wenn diese unreguliert wirken können. Es ist eine paradoxe Situation, dass Betriebe, auch hier in Thüringen, ihre Beschäftigten bei vollen Auftragsbüchern in Kurzarbeit schicken müssen, weil nicht genügend Material zur Verfügung steht. Dies bedroht die Existenz des Handwerks, auch ganz konkret in Thüringen. Das ist immer wieder, auch zuletzt in Gesprächen mit den Vertretern der Handwerkskammern hier in Thüringen, angezeigt worden. Dabei hat das Statistische Bundesamt für 2020 festgestellt, dass mit 80,4 Millionen Kubikmetern so viel Holz wie noch nie seit der Wiedervereinigung in Deutschland eingeschlagen worden ist. Das heißt, die derzeitige Krise auf dem Holzmarkt liegt also mitnichten daran, dass zu wenig Holz vorhanden ist. Wir stehen hier im Landtag des Freistaats Thüringen, dem grünen Herzen Deutschlands. Doch besonders traurig ist, dass die derzeit hohen Preise nicht bei den Waldbesitzenden ankommen. Weder die privaten noch die kommunalen Waldbesitzenden haben von den hohen Preisen einen adäquaten Vorteil. Als Lösung braucht es nach unserer Überzeugung eine verstärkte Zusammenarbeit von Forstwirtschaft und Sägewerken. Zur Förderung kleiner und mittelständischer Verarbeitungskapazitäten müssen die Forstbetriebsgemeinschaften und die waldbesitzenden Kommunen in die Lage versetzt werden, über ihre bisherigen Möglichkeiten der Holzerzeugung hinaus in der Wertschöpfungskette Holz zu agieren. Die Prüfung, welche Förderprogramme auch noch in diesem Jahr durch diese genutzt werden können, um die Verarbeitungskapazitäten zu erhöhen oder neu zu schaffen, sollte kurzfristig durch das Wirtschaftsministerium möglich sein und offensiv kommuniziert werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir hier noch nicht alle Potenziale ausgeschöpft haben. Ziel ist es am Ende, die Diversifizierung der Produktionsstruktur zu erhöhen. Je kleiner die Sägewerke, umso größer der Anteil der Produkte, der nicht nach Übersee verschifft wird, denn das ist nur für Sägewerke interessant, die große Outputs generieren können. Nur so können wir die Abhängigkeit von den Preissprüngen für Holz am Weltmarkt auch für die Thüringer Bauwirtschaft und die Konsumenten verringern. Einfach abzuwarten, weil sich der Holzpreis auf den internationalen Märkten inzwischen wieder nach unten bewegt hat und der Markt ja alles regulieren würde, einfach abzuwarten
(Zwischenruf Abg. Montag, FDP: Regeln, nicht regulieren!)
– Herr Montag, das sehen übrigens auch viele Akteurinnen und Akteure im Handwerk und in der Holzwirtschaft so –, ist keine Option. Dazu kommt, Forstwirtschaft und forstliche Dienstleister sowie die Branchen der weiteren Be- und Verarbeitungsstufen generieren durch ihre Nachfrage nach weiteren Gütern und Dienstleistungen anderer Branchen gerade in ländlichen, strukturschwachen Regionen eine erhebliche Wirtschaftskraft.
Insgesamt ist die Zukunftsfähigkeit des Sektors Forst und Holz stark von der Entwicklung der inländischen Absatzmärkte für Holz abhängig. Eine Schlüsselrolle kommt hier dem Bauen mit Holz zu. Für die überwiegend klein- und mittelständisch strukturierte Holzbaubranche ist die beschleunigte Einführung moderner Technologien notwendig, um angesichts des rasanten technologischen Wandels die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten und damit ein angemessenes wirtschaftliches Wachstum und einen hohen Beschäftigungsstand zu sichern. Auch hier gibt es mit Sicherheit weitere Möglichkeiten, aus Sicht des Freistaats Impulse zu setzen.
Der Forstwirtschaft und dem holzbearbeitenden Gewerbe als erster Stufe der Wertschöpfungskette muss die Möglichkeit gegeben werden, an der holzbasierten Wertschöpfung einen höheren Anteil zu generieren, nicht an ihnen vorbei das Holz – der fachlich unqualifizierten Forderung der AfD nach – in Kohlekraftwerken zu verfeuern.
Es ist gleichzeitig die Frage zu prüfen, wie bei Förderung einer Kapazitätsausweitung in den Thüringer Sägewerken diese zusätzlichen Produktionsvolumen explizit dem heimischen Markt zugutekommen können. Dies würde private und kommunale Waldbesitzende vor starken Preisschwankungen schützen und regionale Kreislaufwirtschaft in Thüringen stärken sowie die Verfügbarkeit von Holz für die Bauwirtschaft hier im Land verbessern. Doch nach oder neben der Förderung muss es auch darum gehen, wie wir langfristig und strategisch den Zukunftswald mit all seinen wichtigen Funktionen für Mensch und Natur auf solide Füße stellen und dabei den Waldbesitzenden, aber auch den Akteurinnen und Akteuren in der Wertschöpfungskette diese Diskussion mit angedeihen und sie einbeziehen und sie so in die Verantwortung stellen. Ein weiteres Weiter-so, wie wir das die letzten 10, 20, 30 Jahre gemacht haben, wird auch mit Blick auf die Zustände in unserem Wald nicht möglich sein. Deshalb gibt es hier die Zusage aus unserer Sicht: Wir werden an diesem Thema dranbleiben, mit den Akteuren in der Branche in der Diskussion bleiben, so wie wir das in den letzten Wochen und Monaten auch praktiziert haben und uns dafür einsetzen, dass die Thüringer Unternehmen der Holzbranche diese Lasten auch der Transformation an dieser Stelle schultern können. Der AfD-Antrag ist dafür kein Wegweiser in Richtung Zukunft und deshalb lehnen ihn die Koalitionsfraktionen ab. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
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