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Thüringer Fischfauna erhalten, Beitrag des Fischereiwesens zum Naturschutz und zum Ehrenamt würdigen, Herausforderungen durch Unterstützung des Landes meistern

Jens Thomas

Jens Thomas, Die Linke:

Meine Damen und Herren, sehr geehrter Herr Präsident, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, ganz herzliche Grüße auch an die Besuchergruppe meiner Kollegin Stark, die aus Hildburghausen heute hier ist.

(Beifall Die Linke)

Die einseitige Fixierung auf sogenannte Prädatoren greift nicht nur zu kurz, sie verstellt auch den Blick auf die wahren Ursachen. Denn wer heute so tut, als ob Kormoran oder Fischotter das alleinige oder das Hauptproblem wären, der macht es sich bequem und löst nichts.

Wir wissen, die eigentlichen Gründe für den Rückgang vieler Fischarten liegen in der massiven Belastung und Verarmung unserer Gewässer. Nur etwa 12 Prozent der Fließgewässer in Thüringen befinden sich überhaupt in einem guten Zustand. Der Rest leidet unter fehlender Durchgängigkeit, Verbauungen, Strukturarmut und Einträgen aus Landwirtschaft und Abwasser. Und solange wir diese Probleme nicht in den Griff bekommen, werden wir die europäischen Ziele der Wasserrahmenrichtlinie auch 2027 verfehlen. Das ist die eigentliche Herausforderung und nicht der rosa-rote Kormoran oder der Fischotter.

Meine Damen und Herren, das ist doch kein Naturgesetz, das ist eine politische Entscheidung, nämlich die Entscheidung, den Gewässerschutz weiter auf die lange Bank zu schieben. Dabei sind gerade Auenrevitalisierungen ein Schlüssel, um Fischbestände zu sichern. Auen schaffen durch ihre Überflutungsdynamik und die Gestaltungskraft des Bibers – das ist auch ein Reizwort für die rechte Ecke – vielfältige Habitate. Sie sind Hotspots der Biodiversität und verbessern zugleich den Wasserhaushalt, weil sie Wasser zurückhalten, bei Hochwasser puffern und in Trockenzeiten abgeben. Mit Blick auf die sinkenden Pegel unserer Trinkwassertalsperren sind sie unverzichtbar.

Ein Wort zur Fischereiabgabe, die in beiden Anträgen eine Rolle spielt. Wir als Linke sagen klar, sie muss ökologisch sinnvoll eingesetzt werden, nämlich gezielt für Maßnahmen, die tatsächlich die Gewässer verbessern. Dazu gehören der Rückbau von Querbauwerken, Renaturierung von Uferstrukturen, Monitoring und Umweltbildung.

Wir erkennen zugleich die wertvolle Arbeit der Anglerinnen und Angler an. In Thüringer Vereinen werden unzählige Stunden ehrenamtlich geleistet bei der Hege, bei der Gewässerpflege, in der Jugendarbeit. Und dieses Engagement verdient Unterstützung.

(Beifall Die Linke)

Kinder und Jugendliche sollen unkompliziert Zugang zum Angeln erhalten können, und dafür gibt es in Thüringen den prüfungsfreien Jugendfischereischein – eine gute Lösung, die wir auch weiterhin befürworten. Wir wollen Angeln, Naturschutz, Gewässerschutz nicht gegeneinander ausspielen, sondern zusammenbringen. Wir treten ein für eine sozialökologisch ausgerichtete Förderung der Fischerei und Teichwirtschaft, die Wasserhaushalt und Artenvielfalt stützt. Und wir wollen, dass Anglervereine und Naturschutzverbände gemeinsam an einem Tisch sitzen – Herr Augusten hat so etwas Ähnliches auch vorgeschlagen –, um Lösungen für unsere Gewässer zu entwickeln, nicht gegeneinander, sondern miteinander.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, diese Debatte darf nicht in einer Stellvertreterdiskussion über Prädatoren stecken bleiben. Entscheidend ist, ob wir es schaffen, unsere Flüsse und Bäche wieder in einen Zustand zu versetzen, der Fischen Lebensraum gibt. Und das heißt: mehr Struktur, mehr Durchgängigkeit, mehr Vielfalt.

(Beifall Die Linke)

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