Maßnahmenkatalog für den inneren Schulfrieden – Lehrern den Rücken stärken, Tätern die Bühne nehmen, Schulen zu Schutzorten machen

Ulrike Grosse-Röthig

Ulrike Grosse-Röthig, Die Linke:

Meine sehr geehrten Damen, Herren, Kolleginnen, liebe Zuhörende am Livestream! Mit dem hier vorgelegten Antrag will die sogenannte Alternative für Deutschland mal wieder ihre rassistische Gesinnung zur Schau stellen. Und ich will vorab gleich klarstellen, Gewalt hat keine Nationalität. Die AfD-Fraktion hat noch nie dazu beigetragen, Lösungen für dieses Land anzubieten, sondern versucht immer zu spalten, Angst zu verbreiten und davon noch zu profitieren. Das hilft in unserem Land niemandem und am allerwenigsten den Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern in den Schulen im Land. Insgesamt, da bin ich ganz einig, muss mehr gegen Gewalt an Schulen und für Integration getan werden. Da sind sich, glaube ich, auch nach den Redebeiträgen hier die demokratischen Fraktionen im Haus, auch wenn die CDU gerade nicht so viel anwesend ist, einig. Aber die eigentliche Frage ist doch: Was braucht es denn an einer Schule für eine gelingende Integration? Integration bedeutet mehr als nur das Zusammenleben verschiedener Kulturen oder das Erlernen einer neuen Sprache. Integration bedeutet, Menschen miteinander in Verbindung zu bringen, Verständnis und auch Respekt füreinander zu fördern. Schulen sind dabei ein zentraler Schlüssel. Hier wachsen Kinder und Jugendliche zusammen im Sozialraum auf, lernen voneinander, entdecken Gemeinsamkeiten und überwinden Vorurteile, mehr als hier mancher im Hohen Haus. Schulen sind ein Spiegel unserer Gesellschaft, bunt und vielfältig und voller Chancen. Aber Integration gelingt nur, wenn wir sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen. Das heißt, nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer sind gefordert, sondern wir alle, Eltern, Schülerinnen und Schüler, politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die gesamte Gesellschaft. Laut Statistik lernen im Schuljahr 2024/2025 32.876 Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte an allgemeinen und berufsbildenden Schulen in Thüringen. Das ist jedes achte Kind. Schulen schaffen offensichtlich Räume, in denen jede Kultur und jede Herkunft willkommen ist. Unterschiedliche Sprachen, Traditionen und Perspektiven sind kein Hindernis und werden auch nicht als solches begriffen, sondern sind eine Bereicherung. Gleichwohl, wenn es gelingen soll, dann braucht es eine gute Zusammenarbeit von Schulträgern, dem Schulamt, dem Land und der Kommune vor Ort. Nur dann kann eine Schule räumlich so gut ausgestattet sein, dass das Lernen vor Ort gut funktioniert. Und da sind wir leider in Thüringen noch lange nicht. Integration ist eine Herausforderung für Lehrkräfte. Sie benötigen Fortbildung, Ressourcen, vor allem Zeit. Das hören wir immer wieder in jedem Gespräch: Zeit. Finanzielle Mittel und Unterstützung, um den vielfältigen Bedürfnissen aller Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden – das, meine Damen und Herren, ist hier unsere Aufgabe, hier im Parlament. Die Forderung der AfD nach noch mehr statistischen Berichtspflichten ist für Lehrkräfte überlastend. Dass Sie das nicht wissen, zeigt auch, dass Sie zu Schulen und den Problemen dort keinen Bezug haben, sondern offensichtlich eher eine ideologische Schlafmaske auf.

(Beifall Die Linke)

Schon heute kommen Lehrkräfte kaum hinterher, weil so viele Daten und Statistiken gepflegt werden müssen. Lehrkräfte übernehmen schon jetzt viele Aufgaben, wie die Organisation von Projekttagen, Lernentwicklungsgespräche, Ausgestaltung von Höhepunkten wie Weihnachten oder eben auch des letzten Schultags vor den Ferien, die sie von der eigentlichen, von der pädagogischen Arbeit abhalten. Viele Lehrkräfte sehen auch, dass ihre Schülerinnen und Schüler dringend Hilfe brauchen, aber keine Zeit und keine finanziellen Mittel haben, um sich darum zu kümmern. Und ich denke, hier sollten wir ansetzen, um mehr für unsere Schulen zu tun und nicht auf separaten Unterricht und noch mehr Erfassung von Daten zu setzen. Vielen Dank.

(Beifall Die Linke)