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Endometriose ernst nehmen – Versorgung verbessern, Aufklärung stärken, Forschung voranbringen

Lena Saniye Güngör

Lena Saniye Güngör, Die Linke:

Danke, Herr Präsident. Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer hier im Saal und am Livestream, ich freue mich, dass wir heute ein so wichtiges Thema auf der Tagesordnung haben. Es wurde bereits genannt, wie viele Millionen Frauen in Deutschland von Endometriose betroffen sind, einer Erkrankung, die weitgehend unbekannt in der Gesellschaft und in der Medizin immer noch zu wenig präsent ist. Frauen, die von ihren Symptomen berichten, werden darauf verwiesen, dass Frauen nun mal regelmäßig Bauchschmerzen haben, dass sie sich nicht so anstellen sollen, dass sie ein bisschen mehr durchhalten müssen.

Die wenige Forschung, die wir aktuell zur Endometriose haben, ist im Kern entlarvend. Ich verweise mal auf die Studie, die Endometriose und Attraktivität der Patientinnen untersucht hat, anstatt sich mit den Schmerzen der Betroffenen auseinanderzusetzen, oder die Studie, die zu Belastungen der Partnerschaft von Endometriose-Patientinnen geforscht hat, anstatt die Belastungen der Patientinnen selbst in den Fokus zu nehmen.

Wenn ich diesen Antrag, der ja doch sehr dünn auf zwei Seiten daherkommt, lese, beschleicht mich jedoch das Gefühl, dass sich die Koalitionsfraktionen im Vorfeld recht wenige Gedanken gemacht haben, an welche Strukturen wir hier in Thüringen anknüpfen können und wie viel auch von den beiden bereits vorhandenen Anträgen aus 2024 durch die eigene Landesregierung bisher umgesetzt wurde. Wir haben bereits einen Antrag von Rot-Rot-Grün zu einer geschlechtersensiblen Medizin in Thüringen gefasst. Wir haben auch einen Thüringer Aktionsplan „Endometriose“ bereits beschlossen.

Da war ich schon sehr verwundert, Herr Dr. Wogawa, dass Sie es weder in Ihrem Antragstext noch in Ihrer Rede geschafft haben, Bezüge dazu herzustellen. Wenn Sie es doch konkret wollen, dann müssen Sie ja auch erklären können, wie die Umsetzung bisher läuft von dem, was schon beschlossen wurde, und was Sie sich zusätzlich zu dem versprechen. Ich gehe doch davon aus, dass es nicht nur ein Informationstag ist.

Die Wichtigkeit des Themas wird im Antrag nicht angemessen aufgenommen, denn Endometriose zeigt ja, dass wir einen Mangel an geschlechtergerechter medizinischer Versorgung haben, dass es in der Epidemiologie, in der Diagnostik und in der Behandlung von Erkrankungen weitestgehend immer noch der männliche Durchschnittskörper ist, der zur Grundlage genommen wird, obwohl wir wissen, dass es geschlechtsspezifische Differenzen in Symptomatik, aber auch in Medikation und Behandlung gibt. Es kann doch für uns nicht normal sein, dass die Wahrscheinlichkeit einer Frau, an einem Schlaganfall zu sterben, inhärent größer ist, nur weil es eben eine Frau ist, die den Schlaganfall erleidet. Und das finde ich bemerkenswert, wenn darüber gelacht wird, weil das, was Sie hier aufgeschrieben haben, ist im Verhältnis zu den Problematiken, die wir in dem Bereich haben, es ist nicht mal ein zahnloser Tiger, das ist eine Hauskatze, die hier formuliert wurde. Und das haben die Betroffenen definitiv nicht verdient.

(Beifall Die Linke)

Wenn wir uns doch einig sind, dass im Kern der Debatte um geschlechtergerechte Medizin diverse Fragenkomplexe stehen, wie zum Beispiel unnötige gesundheitliche Risiken, denen Frauen durch eine mangelhafte geschlechtsbewusste Gesundheitsversorgung ausgesetzt werden, wie die Debatten darüber, wer am Ende über den Körper von Frauen verfügen kann, da sind wir natürlich auch bei der Frage der Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, bei dem Mitdenken von geschlechtsspezifischer Gewalt. Und an der Stelle, wer glaubt, dass wären Zusammenhänge, die zu weit hergeholt sind: Wissen Sie eigentlich, was Frauen mit Endometriose in Arztpraxen mitunter geraten wird? Es wird mitunter zur Schwangerschaft geraten, weil danach die Symptome eventuell besser wären. Das finde ich zynisch für betroffene Frauen, die genau wie alle anderen selbst entscheiden können, ob und wann sie in ihrem Leben eine Schwangerschaft vorsehen.

Ich kann verstehen, dass ein intersektionaler Fokus vielleicht überfordernd für einen einzigen Antrag im Plenum sein kann. Aber so etwas nicht mal mit zu bedenken oder zu erwähnen, ist meines Erachtens nach sträflich. Denn wenn wir uns angucken, was bereits beschlossen wurde hier im Rund, sind wir eigentlich darüber hinausgegangen. Wir haben über Lehrinhalte in medizinischen Ausbildungen und Studien bereits gesprochen. Wir haben über Fort- und Weiterbildungsformate für medizinisches Personal schon beschlossen. Wir haben vernetzte Weiterbehandlungspläne, wie es eben nach einer Diagnose weitergehen soll, denn es wurde richtig gesagt, der Weg zu einer Diagnose ist aktuell bis zu sieben Jahre lang – das ist der Durchschnitt, das ist wahnsinnig viel –, aber die Frage ist ja: Wenn die Diagnose dann da ist, wissen Betroffene in Thüringen, wie sie mit dieser Diagnose umgehen können? Und da darf ich darauf verweisen, dass es einen Einbezug der Fachexpertise braucht. Sprechen Sie bitte mit dem Endometriosezentrum in Jena und den Erfahrungen, die dort gemacht werden. Sprechen Sie mit den Verantwortlichen der Endometriose-Sprechstunde des Klinikums Weimar. In Weimar werden thüringenweit die meisten gynäkologischen Operationen durchgeführt. Aber eine Abrechnungsgrundlage ist aktuell schwierig. Das sind Themen, die wir alle sehr gern inhaltlich angehen könnten. Sie werden nur leider hier nicht aufgeführt.

Und deswegen, ja, der Antrag lässt nicht nur Luft nach oben, sondern er ist einfach insgesamt unzureichend. Und ganz ehrlich, als ich die Überschrift gelesen habe, habe ich persönlich mich sehr gefreut, dass die Brombeere ein so wichtiges Thema hier behandeln möchte. Ich dachte sogar, sie kommen vielleicht jetzt in so eine Arbeitsfähigkeit rein. Aber de facto machen Sie aktuell SB-Anträge, die in den Fachausschuss gehört hätten und die versuchen sie uns hier als großen Wurf im Plenum zu verkaufen. Das kommt leider nicht hin. Und ich glaube, das Unangenehme, wenn ich in die Reihen der Kolleginnen und Kollegen gucke, die auch in der letzten Legislatur, vielleicht in anderen Funktionen, aber hier ja auf jeden Fall tätig gewesen sind, ich glaube, sie wissen das eigentlich auch selber, hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Danke.

(Beifall Die Linke)

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