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KulturTOUR 2013

Das Tagebuch der KulturTOUR 2013 finden Sie unter kulturtour.blogspot.com.

Dr. Klaubert auf KulturTOUR (Beitrag des Offenen Kanal Gera)

KulturTOUR 2012

Donnerstag, 26.7., Freitag, 27.7.2012: Eisenach – die lauteste Kulturstadt Thüringens!?

Über mehrere Umleitungen ging es am Donnerstag von Bad Salzungen nach Eisenach. Unterwegs kehrten wir an der „hohen Sonne“ ein. Der Sommer zwang uns zum Nachfüllen unseres Wasserhaushalts. Ein kurzer Blick auf das ehemalige Hotel zeigte auch hier, welch Schätze in Thüringen schlummern. Schön wäre es schon, wenn der Gast hier Quartier nehmen könnte, um von hier aus zu Natur- und Kulturtouren zu starten. Es sieht aber wohl eher trübe aus.
Das Gegenprogramm zur Stille der „hohen Sonne“ war die Ankunft im quirligen Eisenach. Der Verkehr, der sich durch die Stadt zieht, behindert wenigstens den Blick für die Kraftfahrerin auf die zahlreichen Kulturstätten, die am Straßenrand liegen. Im Hotel ist es freundlich und brütend heiß. So war es wohltuend, dass auch die Eisenacher Termine im Freien stattfanden.
Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt mit Vertretern des Kulturbeirates der Stadt Eisenach sowie mit Maik Nothnagel und Karin May, der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Eisenacher Stadtrat, müssen wir am NPD- Stand neben dem Rathaus vorbei. Ein unangenehmes Gefühl macht sich auch deshalb breit, weil am Stand Bürger freundlich grüßen und Gespräche führen. Gerade im Hinblick auf das vom Verwaltungsgericht gekippte Verbot der NPD- Demo in Einsenach und dem Wissen, dass das kluge und mutige Vorgehen der neuen Oberbürgermeisterin Katja Wolf also keinen Bestand haben durfte, ist dieser Stand der pure Hohn. Am Freitagnachmittag, ab 17 Uhr, sollten alle Eisenacherinnen und Eisenacher zum ökumenischen Friedensgebet in die katholische Kirche gehen. Dort soll ein Zeichen gegen rechts gesetzt werden.  Katinka und ich werden zu dieser Zeit nicht mehr in Eisenach weilen können, unterstützen diese Form des notwendigen Protests ausdrücklich.
Im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Kulturbeirates, Hartmut Sommer, müssen wir uns erst aufeinander zu tasten. Ideen zu einem Landeskulturkonzept und einem städtischen Kulturkonzept laufen erst einmal aneinander vorbei. Obwohl der Beirat durch den Stadtrat gewählt ist, war sein Einfluss auf die städtische Politik bisher eher begrenzt. Das muss unbedingt geändert werden. Und wie konnte es anders sein? Zum zentralen Thema dieser Gesprächsrunde wird  auch wieder die Theaterfinanzierung. Nach den Protesten während der Wahlkämpfe scheint Ruhe eingekehrt zu sein, die trügerisch ist. Ich bat den Kulturbeiratsvorsitzenden in seinem Gremium zu einer Verständigung darüber zu kommen, welches Theater in Eisenach wünschenswert und/oder erforderlich ist. Mit dieser konkreten Aufgabe ausgerüstet, versprach Herr Sommer dies unverzüglich zu tun und es der Oberbürgermeisterin Katja Wolf persönlich vorzulegen. Auch unser Wunsch, sich in die weiteren Debatten um ein Landeskulturkonzept einzumischen, stieß auf Zustimmung.

Als außerordentlich aufschlussreich gestaltete sich das Gespräch mit der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Stadtrat Karin May. Wir baten sie daher, mit uns einen Stadtrundgang an politischen Baustellen der Kultur entlang zu machen. Diesem Wunsch kam sie gern nach und so begaben wir uns gemeinsam mit Maik Nothnagel auf den Weg durch Eisenach.  Das Anklopfen am Lutherhaus erwies sich als gute Gelegenheit, einmal das nunmehr älteste Fachwerkhaus Deutschlands näher zu betrachten und etwas über die Ausstellungskonzeptionen auch im Hinblick auf die Lutherdekade zu erfahren. Mithilfe von Zuweisungen des Landes wird gerade eine Ausstellung erarbeitet, die auch das Wirken von Luther aus bildungspolitischer Sicht beleuchten soll. Über die Aussage, dass die Ausstellung barrierefrei aufgebaut werden soll, also auch Brailleschrift und Hörstationen Teil der Konzeption sein werden, erfreute uns alle.
Die weiteren Teile der Stadt, die uns Karin May dann zeigte und fachkundig erläuterte, zeugen von den ungeheuren Potenzialen der Stadt, die aber meist aufgrund der finanziellen Lage schwerlich umzusetzen sind. So soll für eine Grundschule in der Innenstadt der Schulhof vergrößert werden. Momentan prangt dort, wo zukünftig Spielmöglichkeiten und Erholungsinseln für Schülerinnen und Schülern sein sollen, noch eine Betonwüste in Form eines Parkplatzes. Die neue Begrenzung ist schon abgesteckt, aber es herrscht Stillstand, weil die benötigten 60.000 Euro fehlen.  
Auch der Ausbau der barrierefreien Zugänge innerhalb der Stadt und die behindertengerechten öffentlichen Toiletten, für die  Maik Nothnagel schon sehr lange kämpft, fehlen nach wie vor in ausreichender Form und Anzahl.  
Die Predigerkriche in Eisenach bietet auch Raum zum Schmunzeln. An dem Gebäude, welches einst die Elisabeth von Thüringen- Ausstellung beherbergte, befindet sich einer von nur drei Flüsterbögen in ganz Deutschland! Natürlich nutze ich den Moment, um Karin und Katinka eine kleine Botschaft zu flüstern. :)
Als wir den Theaterplatz erreichen, erlebe ich einen Hauch dessen, was der Grundstein der Proteste um den Erhalt des Landestheaters Eisenach war: bürgerliches Engagement und Verantwortungsbewusstsein. Bürgerinnen und Bürger Eisenachs gestalten von sich aus den Theatervorplatz neu. Durch das Generieren von Spenden wird der Theaterplatz noch hoffentlich vor Beginn der neuen Spielzeit fertig gestellt sein und in neuem Glanz erstrahlen. Ich sehe die angelegten Wege und zähle die bereits „erwirtschafteten“ Steine. Irgendwann gebe ich das Zählen auf- es sind schon sehr viele. So ein Engagement macht auch mir als Politikerin immer wieder Mut, denn schließlich hilft der Druck der Bürgerinnen und Bürger, Veränderungen in der Politik zu erwirken. Wie ich hörte, war Katja Wolf gerade einen Tag vor mir auf diesem Platz und hat den Ehrenamtlichen gedankt und ihre Arbeit gewürdigt. Gut so!

Ich hoffe übrigens sehr, dass ich die Ergebnisse dieser KulturTOUR auch mit Katja Wolf einmal in einem persönlichen Gespräch diskutieren kann. Leider hat es bei meinem Besuch in Eisenach diesmal nicht geklappt.
Mit vielen Eindrücken fallen wir noch immer bei brütender Hitze ins Bett und müssen fest stellen, dass die Dezibel-Belastung in Eisenach auch nachts nicht abzuebben vermag. Der Schlaf ist daher eher unruhig und obwohl das Hotel sehr schön ist, halten wir es kaum darin aus. Das Donnern der LKW und die fast tropische Hitze machen es uns nicht leicht.
Einen Lichtblick bietet der nächste Morgen, denn da haben wir uns mit Seth Taylor verabredet, einem Musiker der Landeskapelle Eisenach, mit dem Katinka und ich bis dato nur über facebook befreundet waren. Durch die Proteste um den Erhalt des Theaters waren wir auf ihn aufmerksam geworden, da er sich sowohl online als auch offline sehr engagierte.  Auch wenn das Gespräch im Freien wieder von Verkehrslärm und diesmal auch touristischem Lärm begleitet ist, ist es ein schöner Abschluss dieser KulturTOUR. Seth Taylor hat praktische Ideen und Lösungsansätze, die eine gesunde und tragfähige Struktur ermöglichen könnten. In dem Gespräch wird auch deutlich, dass die oben bereits erwähnte Ruhe um die Protestwelle tatsächlich trügerisch ist. Es rumort weiter, vor allem bei den Theaterbeschäftigten.  Der Wunsch, dass der im Wahlkampf oft beschworene Runde Tisch zum Landestheater Eisenach endlich tatsächlich ins Leben gerufen wird, muss meiner Meinung nach endlich erfüllt werden. Der Kampf ums Theater muss weiter gehen, man kann eben nicht aufatmen und warten, bis es dann wieder zu akuten Problemen kann. Die Symptome müssen bekämpft werden und dazu gehören sowohl der Runde Tisch, der Lösungsansätze und eventuelle Strukturausrichtungen diskutiert und in die Wege leitet, als auch ein tragfähiges Kulturkonzept der Stadt Eisenach… Und des Landes!
Die Rückreise nach Erfurt gestaltet sich zunächst schwierig, da sich mal wieder das Navi nicht auskennen möchte. Irgendwann schaffen wir es auf der richtigen Autobahn zu landen und während wir nach Erfurt reinfahren, überlegen wir, ob wir nicht im Herbst eine „HauptstadtkulTOUR“ veranstalten.
Die letzte Woche über haben wir uns mit der Kultur im ländlichen Raum beschäftigt. Den Vergleich mit der urbanen Kultur Erfurts zu ziehen, halte ich für spannend und wichtig.
Eins möchte ich abschließend nach all den Eindrücken und Ideen der vergangenen Woche als kleinen Denkanstoß auch noch in den (virtuellen) Raum stellen: Bricht die Kultur weg, passiert nichts… Außer, dass die Demokratie den Bach runter geht!

Mittwoch, 25.7.2012: KUltuRort Bad Salzungen – oder: die Auswirkungen des nicht vorhandenen Kulturkonzepts

Bei wieder einmal bestem Wetter und über unzählige Bahnübergänge hinweg (ob da Schrankenwärter waren oder ein GPS- Signal arbeitet, ließ sich auf die Schnelle schwerlich feststellen) reisten Katinka und ich von Meiningen nach Bad Salzungen weiter.  Dort gab es zunächst erst einmal tatsächlich Probleme mit dem GPS. Das Navi, das uns in unsere Pension „Engelsburg“ in der Kurhausstraße bringen sollte, wollte uns Treppen hinunter fahren lassen und führte uns also ein wenig in die Irre. Dennoch fanden wir nach freundlichen Kontakten mit den Salzungern unseren Weg und fielen erst einmal in das Büro der Linken ein, welches sich glücklicherweise direkt gegenüber der Pension befindet.
Wir wurden herzlich empfangen. Maik Nothnagel, der seit kurzer Zeit mitverantwortlich für das Salzunger Büro ist, wurde schon einmal für den Nachmittag angekündigt und wir  stellten fest, wie gut es  ist, über das ganze Land verteilt Ansprechpartner für linke Politik zu haben.
Bevor ich allerdings über all die fachlichen Themen des Tages berichte, muss ich ein großes Lob für die kleine Pension „Engelsburg“ in der Bad Salzunger Kurhausstraße aussprechen. Liebevoll sind fünf Zimmer ausgestaltet, man fühlt sich wie zu Hause und hat zudem noch die Gewissheit, dass man nach einem langen Arbeitstag in der kleinen, gemütlichen Bar im Erdgeschoss willkommen geheißen wird. Wer also einmal in Bad Salzungen ein paar Nächte verbringen möchte, der kann sich unter www.pension-bad-salzungen.de die „Engelsburg“ näher betrachten. Ich lege sie jedem wärmstens ans Herz.

Die erste „Fachstation“ des dritten  Tages war die Gemeinde Dermbach. Hier gibt es eine Initiative, die 2009 zum ersten Mal ein Musical aufführte, welches sich mit der Geschichte vom Rhönpaulus auseinandersetzt. Der Verein Kunst-und Kulturverein Dermbacher Schloss e.V. ist Träger des Open-air-Spektakels, welches mich in vielen Dingen an unseren Altenburger Prinzenraub erinnert. So kam ich mit dem Vereinsvorsitzenden Dr. Grammlich gleich ins Fachsimpeln über Mitspielerbetreuung, Marketingideen, Schwierigkeiten des Ehrenamtes und das immer wieder große Problem, das Geld für die Umsetzung solcher Ideen zu finden. In Dermbach wird in diesem Jahr wieder gespielt. Die Bühne wird gerade errichtet, die Ehrenamtlichen haben dabei kräftig Hand anzulegen. Der Kartenvorverkauf läuft und ich wünsche den Mitgliedern des Vereins und den vielen Mitspielerinnen und Mitspielern ein herzliches  Toi-Toi Toi für Aufführung… Und für das Wetter. Wenngleich es in diesem Jahr für mich terminlich nicht möglich ist, vom östlichsten ans westlichste Ende des Freistaates zur Dermbacher Aufführung zu kommen, irgendwann wird es klappen.
Nach unserer Rückkehr in Bad Salzungen bereiteten wir uns gemeinsam auf die nächsten Termine vor. Silke Neuber, Kreistagsmitglied für DIE LINKE im Wartburgkreis und seit Jahren engagierte Verfechterin der Kunst- und Kulturszene im ganzen Landkreis, traf sich mit uns, um aus ihrer Sicht über Defizite und Zukunftsvisionen in der Kulturförderung zu sprechen. Das ist für mich natürlich in vielerlei Hinsicht ein interessantes Gesprächsthema, denn die Richtlinien für die Förderung von Kunst und Kultur sind regional sehr verschieden. An manchen Orten gibt es so etwas gar nicht.

Ich konnte viel  über das Kulturverständnis im Wartburgkreis  erfahren und  mit dem Altenburger Land vergleichen. Letzen Endes stellten wir gemeinsam fest, dass das fehlende Kulturkonzept der Landesregierung eines der Hauptprobleme ist. Dabei geht es nicht um ein mehr oder weniger dickes Papier, sondern um eine Vereinbarung, was wir in Thüringen unter dem Begriff „Öffentlicher Kulturauftrag“ verstehen. Hätten wir vor allem im Hinblick auf die nächsten Haushaltsberatungen um einen sehr wahrscheinlichen Doppelhaushalt  eine klare Positionierung, was für die Landesregierung Kultur überhaupt bedeutet und welche Teilbereiche sie in welcher Form für förderwürdig hält… All dies würde zwar nicht alle Probleme lösen,  aber es wäre ein Anfang und könnte auch als Richtlinie für alle Landkreise dienen.  Bis dahin scheint es noch ein langer Weg und immer wieder kommt man auch einmal an seine Geduldsgrenzen, aber Silke Neuber hat einige Ideen angestoßen, die ich mir nach dieser KulturTOUR näher ansehen werde. Sie berichtete zum Beispiel von Landkreisen in anderen Bundesländern, die ein Gutachten über die Kulturszene ihrer Region in Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort erstellen ließen.

Aus den Resultaten dieser Analyse heraus wurde dann die Förderrichtlinie erstellt, die den Erwartungen  sowohl der Politik als auch der Kulturschaffenden Rechnung trägt. Silke Neuber und ich werden auch in Zukunft eng in Kontakt bleiben.  Die Verzahnung der inhaltlichen Arbeit auf kommunaler und Landesebene ist auch ein Schwerpunkt dieser KulturTOUR und ich bin froh, dass dies so wunderbar klappen kann.
Morgen geht es für uns weiter nach Eisenach. Dort treffen wir auch Maik Nothnagel wieder, der seit Anfang Juli in Eisenach sein Wahlkreisbüro bezogen hat. Ein besonderer Dank für den erlebnisreichen Tag möchte ich noch Anja Müller aussprechen, unseren persönlichen Engel im Büro der Linken in Bad Salzungen!
Und eine Anmerkung muss ich noch machen. Auf einer derartigen Tour kommt man mit vielen Menschen ins Gespräch. Oft berichten sie über ihre Sichten auf Politik und erstaunlicherweise gibt es weniger Ablehnung, als ich erwartet habe. Aber zwei Dinge sind für sie wichtig:  Politik soll verständlich sein und es müsste wieder mehr „Geld unter die Leute kommen“.

Dienstag, 24.7.2012: Von (un)bekannten Gesichtern, spontanen Vereinseintritten und Schrankenwärtern

Der Dienstag begann zunächst mit Erfreulichem: die Pension, über die ich gestern nicht näher schreiben wollte, hat mich zum Frühstück versöhnt. Auch zeigte sich das Wetter von seiner allerbesten Seite und so genossen Katinka Mitteldorf und ich auch einfach mal ein wenig das Leben, atmeten die Kultur Meiningens und statteten zunächst dem Bürgerbüro von Jens Petermann, MdB einen Besuch ab. Die Mitarbeiter Holger Auerswald und Cornelia Wanderer kenne ich schon lange und es war schön, sich auch einmal wieder zu sehen. Jens Petermann selbst war leider nicht da, denn er befindet sich in seinem wohlverdienten Urlaub. Holger, Cornelia, Katinka und sprachen über Wahlkreisarbeit, kommunale Probleme und auch „Plan B“, ein Diskussionspapier über den sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft. Ich finde, es fehlt ein wichtiger Baustein in diesem Papier: Kultur. Dabei geht es nicht darum, ob man ins Theater oder Kino geht, sondern um den kulturellen Zusammenhang einer Gesellschaft, die in ihren Reglungsformen auf Demokratie setzt. Ich werde mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen auf jeden Fall in diese spannende Diskussion einmischen. Diese KulturTOUR liefert ausreichend Anregungen dazu.

Beispiel hierfür ist unser Besuch beim Kunstverein NEKST e.V. Eigentlich wollten wir nur die aktuelle Ausstellung besichtigen und über Wirkung und Vernetzung in der Region diskutieren. Immer mehr Leute setzten sich zu uns und plötzlich waren wir beim Bildungswesen, dem Steuersystem und der Wirkung von politischen Entscheidungen auf diejenigen, die diese praktisch umzusetzen haben. Ich musste noch in der Nacht bei facebook posten, dass ich allen Politikerinnen und Politiker „Wandermonate“ empfehle, in denen sie an ihre „Tatorte“ gehen und selbst daraus entwickelte sich eine angeregte Diskussion im sozialen Netzwerk. Katinka entschloss sich spontan, in den Verein einzutreten. Meine Kapazitäten für Vereinseintritte sind inzwischen ausgereizt, aber der Verweis auf die Alternative 54 e.V. , dem Spendenverein unserer Fraktion wird auch dem Meininger Verein über die eine oder andere Hürde helfen. Nach mehreren Stunden angeregter Gespräche mussten wir –leicht hungrig ;-) zum nächsten Termin aufbrechen. Auf der Tagesordnung stand das Thema Zukunft der Thüringer Theater- und Orchesterlandschaft… Ganz konkret. Der Intendant des Meininger Theater erwartete uns.

Ansgar Haag habe ich schon öfter besucht, aber damals ging es primär ums Meininger Theater. Nun steht das Schicksal Eisenachs auf der Tagesordnung. Es ist Teil der Meininger Stiftung, ohne dass mit der Zugehörigkeit irgendein Problem gelöst ist. Die Oberbürgermeisterin von Eisenach, Katja Wolf, bekennt sich zu ihrem Theater und wir wollen ihr bei der Suche nach einer Lösung helfen. Bei entsprechenden politischen Entscheidungen seitens der Landesregierung wäre das möglich, aber man müsste eingefahrene Gleise verlassen.
A propos Gleise: bei der Diskussion um die Möglichkeiten Besucherinnen und Besucher aus dem Umland Meiningens nach dem Theaterbesuch die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu eröffnen, erklärte uns Ansgar Haag, er habe bei der Bahn über eine Zugverbindung vorgesprochen, die in der Nacht sozusagen als „Theaterzug“ das Beförderungsproblem löst. Ich traute meinen Ohren kaum, als er berichtete, dass er die Auskunft erhalten habe, ein Zug könne schon fahren, aber wegen fehlender GPS-. Anbindung können Schranken nicht automatisch bedient werden, sondern benötigen Schrankenwärter, deren Dienstzeit um 21 Uhr endet! Auch nach dreimaliger Nachfrage bekräftigte er dies. Es bleibt also nur, eine Anfrage an die Landesregierung zu stellen, die den Sachverhalt erhellt. Ich werde mich diesbezüglich mit meiner Kollegin Dr. Gudrun Lukin verständigen.  Bin immer noch ungläubig und hoffe auf eine schnelle Lösung dieses Problems. Auch mit Ansgar Haag unterhielten wir uns nicht nur über Spielpläne, Finanzen, Vernetzungen und Arbeitsverhältnisse an den Theatern, sondern darüber, wie unsere Gesellschaft den Kulturauftrag konkret bestimmen sollte. Es gibt so viele Ideen. Und wir werden zurück kommen  -spätestens zu einer Aufführung in der neuen Spielzeit.
Ohne Zug  werden wir morgen nach Bad Salzungen weiterreisen. Mal sehen, welche Bahnübergänge wir passieren…  ;-)

Montag, 23.7.2012: Sommer, Sonne und Kultur – oder: Entschleunigt in der W-LAN- freien Zone

Nicht nur, dass am Montag, den 23.07.2012 die KulturTOUR morgens um 10 Uhr in Suhl begonnen hat und ich mich schon lange ganz sehr darauf gefreut habe ,auch die Sonne  wagt sich nun hervor  und begleitet mich den ganzen Tag über. Zwar habe ich am Abend dann einen leichten Sonnenbrand, aber dafür blicke ich auf einen wirklich ereignisreichen Tag zurück. Es war wirklich ein ganz toller Auftakt für meine diesjährige KulturTOUR durch Süd- und Westthüringen. Aber ganz von vorn:
Um 10 Uhr traf ich mich in Suhl mit dem Verein Provinzkultur. Dieser Termin kam dank meiner Kollegin Ina Leukefeld zustande, die mir und der Fraktion schon vor einiger Zeit den Tipp gegeben hatte, uns diesen Verein einmal näher anzusehen. Sie begleitete mich auch gleich zum Gespräch, welches wirklich hoch interessant war. Provinzkultur e.V. gibt es seit 2008, obwohl die wirklich engagierten Menschen um Projektleiter Hendrik Neukirchner und Projektmanagerin Tina Hess schon vor der offiziellen Vereinsgründung ihr sehr beliebtes und mittlerweile auch fest in Thüringen verankertes Projekt „Provinzschrei“ durchführten. Nähere Informationen über dieses Kulturfestival, welches  im September 2012 zum nunmehr 12. Mal startet, sowie  auch über den Verein findet man übrigens unter:  www.provinzschrei.de! Ein näherer Blick lohnt sich in jedem Fall – erst recht nachdem der Verein auch kürzlich von der Staatskanzlei geehrt wurde. „Provinzkultur“ ist einer der Siegerorte des Bundeswettbewerbs um die besten 365 Ideen eines Jahres. Auch planen sie ein tolles neues Projekt, für welches sie für drei Jahre sogar eine EU- Förderung bekommen.
Was sich schön anhört, ist mit wahnsinnig viel Arbeit verbunden. Gerade im soziokulturellen Bereich, in welchem es keine institutionelle Förderung seitens des Landes gibt, sind die Bedingungen der zumeist ehrenamtlich Tätigen nicht einfach. Daher muss auch verstärkt auf Netzwerke gesetzt werden, um sich gegenseitig zu unterstützen und eine reichhaltige soziokulturelle Angebotspalette zu schaffen, die von Synergien lebt und nicht von Konkurrenzdenken geleitet sein darf. Herr Neukirchner, Frau Tess, Ina Leukefeld und ich haben auch darüber gesprochen, inwieweit ein Kulturfördergesetz, welches meine Fraktion ja schon seit Jahren vorschlägt, der Soziokultur in Thüringen helfen kann.  Fakt ist: die Soziokultur braucht mehr Planungssicherheit. Das heißt eben auch, dass nicht jedes Jahr aufs Neue darum gebangt werden darf, ob die vom Land finanzierte Projektmanagerstelle weitergeführt werden kann. Auch sollten Projektförderungen längere Laufzeiten haben. All dies wäre mit einem Kulturfördergesetz auf der politischen Ebene durchsetzbar. Allerdings muss der erste Schritt immer sein, dass die Landesregierung definiert, was Soziokultur für sie im gesamten Kulturverständnis eines Landes wie Thüringenbedeutet. Dies soll ja im Kulturkonzept stehen, auf dass wir seit nunmehr über einem Jahr vergeblich warten… dazu habe ich übrigens kurz vor der Sommerpause noch eine Kleine Anfrage gestellt. ;-)

Um 14 Uhr ging es dann nach Zella- Mehlis in die Stadt- und Kreisbibliothek im Rathaus. Gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden der Linken im Zella- Mehliser Stadtrat Lutz Köhler und dem Bürgermeister Herrn Rossel  startete eine kleine Rundtour durch die Einrichtung. Die Bibliothek hat  im letzten Jahr den Bibliothekspreis für ihre Leseförderung erhalten und Frau Schneider, die stellvertretende Leiterin, hat uns mit viel Herzblut und Engagement auch dieses Konzept erklärt. Die Bibliothek ist wirklich toll und bietet einen schönen Anlaufpunkt für alle Generationen und Kulturen. Vor fast drei Jahren hat sich diese tolle Bildungseinrichtung sogar noch vergrößert und „bewohnt“ nun zwei Etagen. Der einst gastwirtschaftlich genutzte Ratskeller mit wunderschön verzierten Fenstern und viel Platz für Veranstaltungen und einem Lesecafé hat  es mir besonders angetan.
 Hier haben wir uns auch niedergelassen und in schöner Runde darüber diskutiert, ob eine Bibliothek nun eine Bildungs- oder eine Kultureinrichtung ist. Ich finde, es ist beides- ganz klar. Als solches sollte auch eine Bibliothek gefördert und unterstützt werden. Wie ich hörte, ist der Stadtrat in Zella- Mehlis dabei  sehr aktiv und auch die Unterstützung aus dem Landkreis ist durchaus als positiv zu bewerten. So ist die Zella- Mehliser Bibliothek als eine von nur zehn  Thüringer Bibliotheken auch im Thüringer Bibliotheksnetz vertreten, was für die meisten Einrichtungen einfach zu teuer ist. Das ist sehr schade und ich überlege, ob man dieses Thema auch auf politischer Ebene aufmachen sollte.
Die nächste Station war dann Meiningen, wo ich erst mal in meine Pension eincheckte. Worte  möchte ich darüber nicht verlieren, leider auch keine Empfehlung abgeben.
 Danach habe ich mich um 18.30 Uhr in der Städtischen Galerie ada (direkt neben dem Theater übrigens) mit dem Leiter Herrn Seele und der Kulturamtschefin und Tourismusbeauftragten der Stadt Dana Kern getroffen.  Nach einer interessanten Führung durch die aktuelle Ausstellung erläuterte Herr Seele sein Konzept der Galerie und der Spezialführungen. Im Anschluss sprachen wir darüber, welch eine Bereicherung eine kommunale Galerie  zur bestehenden Museumslandschaft ist und welchen Bildungsauftrag diese sich selbst stellt. So berichtete mir Herr Seele von einer vergangen Ausstellung, die ganz gezielt auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten war und die vor allem die sinnliche Wahrnehmung, die sowohl in der Kunst als auch im gesellschaftlichen Leben sehr wichtig ist, ansprach. Ich habe mir viele Unterlagen mitgeben lassen und werbe bestimmt noch einmal dorthin zurück kehren.
Als ich am Abend in meine Pension zurückkehrte und über den vergangen Tag nachdachte, fiel mir auf, dass es in Meiningen keine einzige Möglichkeit gab, freies und demnach öffentlich zugängiges W-LAN zu nutzen. Das ist vor allem in der heutigen Zeit nicht sehr fortschrittlich und außerdem erschwert es auch meine Arbeit hier, denn die Dokumentation und auch die Arbeit an diesem Online-Tagesbuch werden dadurch sehr erschwert. Aber meine Fraktion hat dazu ja bereits im letzten Plenum vor der Sommerpause eingebracht, der aber leider nicht mehr behandelt wurde.
Auch der Dienstag ist voll von schönen Terminen, auf die ich mich sehr freue. Unter anderem treffe ich mich mit Ansgar Haag (Intendant der Theater Meiningen und Eisenach).
Fortsetzung folgt. Und anmerken möchte ich, dass mich natürlich Katinka Mitteldorf die ganze Zeit begleitet, aber leider darauf besteht, dass ich in diesem Tagebuch nur in der Ich-Form schreibe. Das macht man so, sagt sie. Und ich lasse mich (manchmal) gern belehren.

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