Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Frauen in prekärer Beschäftigung im Pflege- und Care-Bereich

Zu einer Fachtagung „Frauen in prekärer Beschäftigung im Pflege- und Care-Bereich“ hatten kürzlich die Landtagsfraktion DIE LINKE und die Rosa Luxemburg Stiftung nach Jena eingeladen.

Care-Arbeit, also Sorgearbeit, zielt auf die Entwicklung, Wiederherstellung und Aufrechterhaltung von intellektuellen, körperlichen und emotionalen Fähigkeiten einer Person. Der Begriff entstand in den 90er Jahren und knüpft an feministische Theorien und Diskussionen über die Reproduktionsarbeit an. Zum Thema, der prekären Beschäftigung von Frauen im Pflegebereich, sprachen die Arbeitssoziologin Prof. Dr. Gabriele Winker, die Gewerkschaftssekretärin Kathrin Reinhardt, die Sprecherin für Soziales, Gleichstellung und Behindertenpolitik der Linksfraktion, Karola Stange, und die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner.

Zahlreiche Probleme offenbaren sich beim näheren Betrachten von Pflege- und Care-Arbeit: Sie wird entweder unbezahlt oder schlecht bezahlt erledigt. Frauen sind besonders häufig von prekärer Beschäftigung betroffen. Durch die zunehmende Deregulierung des Arbeitsmarktes, verbunden mit einer geringen finanziellen und gesellschaftlichen Anerkennung dieser Berufe, ergibt sich für Frauen ein hohes Armutsrisiko im Alter, aber auch bereits im Erwerbsleben.

Pflege- und Care-Arbeiterinnen organisieren sich kaum, dadurch haben sie nur eine geringe Resonanz innerhalb der Gesellschaft, die weit unter dem Wert dieser Arbeit liegt. Die prekären und diskontinuierlichen Erwerbsverläufe haben im Zusammenhang mit einer Doppelbelastung durch familiäre Verpflichtungen ebenso starke negative Auswirkungen auf die Lebensqualität von betroffenen Frauen. Dies trifft auch auf migrantische Frauen zu, die in wachsendem Ausmaß im öffentlichen und privaten Bereich Pflege- und Care-Arbeiten übernehmen.
Es werden künftig immer mehr Menschen auf diese Arbeiten angewiesen sein werden, während gleichzeitig nicht genug Fachkräfte ausgebildet werden und die Tätigkeit kaum gesellschaftlich anerkannt bzw. gewürdigt ist. Starke Lohnunterschiede zwischen Ost und West sorgen für einen Abfluss an Fachkräften aus Thüringen. So verdient in Bayern eine Altenpflegerin etwa 600 Euro mehr.

Care-Arbeit ist unsichtbar, sie wird gemacht und ist essentiell und dennoch nimmt man sie kaum wahr, dadurch ist sie fast ausschließlich unentgeltlich. Das wird dann zum Problem, wenn diese Arbeit in Konkurrenz zum Erwerbsleben steht, weil dann weniger Zeit zum Geldverdienen bleibt und noch keine staatliche Absicherung z.B. im Alter gewährleistet ist.

Welche Wege zur Änderung dieser Umstände wurden auf der Fachkonferenz diskutiert?

Zunächst müsse vor allem den Beschäftigten noch stärker klar werden, wie unersetzlich ihre Arbeit ist und welche große gesellschaftliche Bedeutung sie hat, also gewerkschaftliche Organisation und Druck auf die Tarifpolitik. Verstärkt werden müsse die Aus- und Weiterbildung für diesen Bereich. Anreize wurden mit einer Imagekampagne gesetzt und seit 2010 steigt auch die Vergütung überdurchschnittlich. Dabei ist die Solidarität mit den Betroffenen, Beteiligten und Beschäftigten wichtig, denn der gesellschaftliche Druck ist enorm, wenn Pflege- und Care-Arbeit z.B. aufgrund von Streiks ausfällt. Das Kassensystem unterminiert hier die Arbeit der Angestellten, weil der entstehende Wettbewerb kapitalistischer Logik unterliegt und nicht der Notwendigkeit in der Sache.

In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass für Thüringen ein Pflegepersonalschlüssel notwendig ist und auch ein Branchentarifvertrag in Betracht gezogen werden könnte. Außerdem wurde die Dual-Struktur von Pflege- und Care-Arbeiten auf der einen und der medizinischen Arbeit auf der anderen Seite problematisiert, werden doch die „Care-Arbeiten“ im Gegensatz zu den „Cure-Arbeiten“ (also heilenden Arbeiten) sehr viel weniger gewürdigt und entlohnt. Dies führt zu einer strukturellen Verschärfung der Situation, weil die Bereiche gegeneinander ausgespielt werden.

Der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ erfordert weiterhin einen gesellschaftlichen Diskurs über den Wertbegriff, der in seiner kapitalistischen Logik kaum dem Menschen dient, sondern dessen Ausbeutung und Prekarisierung noch verstärkt.