Schlechter Lohn gefährdet Fachkräfte-Gewinnung in den Gesundheitsberufen
In der Bundesrepublik liegt der Verdienst von Frauen um 22 Prozent unter dem der Männer. Oder anders gesagt: In diesem Jahr haben Frauen erst nach 80 Tagen zusätzlicher Arbeit das Gehalt erreicht, das Männer während des gesamten Jahres 2012 verdient haben. Daran erinnert der diesjährige Equal Pay Day am 21. März. "Das ist zutiefst ungerecht", moniert Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag. Zudem gefährde diese Situation zunehmend auch die Gesundheits- und Pflegelandschaft. "Wer gut qualifizierte Fachkräfte braucht, muss sie auch gut bezahlen."
Nicht mehr hinzunehmen sei, dass so genannte frauentypische Berufe, wie der der Krankenschwester oder der Altenpflegerin, deutlich schlechter bezahlt würden als vergleichbare Ausbildungsberufe. Die Folge davon sei, dass wir es mit einem substantiellen Fachkräftemangel in Pflege- und Gesundheitsberufen zu tun hätten. "Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften müssen die Bewertungssysteme aus dem 19. Jahrhundert überwinden", fordert Karola Stange. "Im 21. Jahrhundert ist es nicht mehr angemessen, Frauen als Zuverdienerinnen abzuqualifizieren und ihre Tätigkeiten als geringer einzustufen."
Es gäbe zahlreiche Vorschläge, wie das Tarifsystem im Hinblick auf eine gerechtere Bewertung überarbeitet werden könnte. "Zunächst muss sich jedoch etwas in den Köpfen ändern", fordert die LINKE-Gleichstellungspolitikerin. "Wer glaubt, es sei leichter Kranke zu pflegen und Spritzen zu setzen als einen defekten Motor per Computer analysieren zu lassen, hat das Problem nicht verstanden." Nur dann, wenn der Arbeit mit und an Menschen ein größerer Wert zugestanden würde, kämen wir auch zu einem besseren Bewertungssystem.
In Sonntagsreden sei immer wieder zu hören, wie entscheidend die Pflege alter Menschen oder auch die Bildung und Betreuung kleiner Kinder seien, aber im Geldbeutel würden es die Beschäftigten nicht merken. "Wenn wir nicht den Pflegenotstand und den Mangel an Kita-Erzieherinnen verschärfen wollen, müssen wir hier die Weichen endlich anders stellen", unterstreicht Frau Stange. Deshalb fordert DIE LINKE ein neues Bewertungssystem der typisch weiblichen und männlichen Berufe.
