Pflegefamilien brauchen größere Unterstützung
„Pflegeeltern wünschen sich vor allem mehr Beratung und Unterstützung durch die Jugendämter und die Landesregierung“, stellt Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, anlässlich der Fachtagung zum Pflegekinderwesen fest. Diese Veranstaltung führte die Linksfraktion gemeinsam mit dem Verein für Pflege- und Adoptivfamilien in Thüringen e.V. durch. „Pflegefamilien sind ein unersetzlicher Bestandteil des sozialen Netzes“, stellt die LINKE-Politikerin fest. „Den Pflegeeltern gebührt ebenso wie dem Landesverband unsere große Hochachtung für ihre Arbeit, durch die zahlreiche Kinder eine zweite Chance im Leben erhalten.“
Umso wichtiger sei es, die Pflegeeltern so gut wie möglich zu unterstützen. Um dies zu verbessern, gelte es, die derzeit in Arbeit befindlichen fachlichen Empfehlungen für die Jugendämter mit dem Landesverband abzustimmen. Sozialministerin Heike Taubert habe zugesagt, sich um die Einbindung des Landesverbandes zu kümmern, wenn die Empfehlungen nach der Sommerpause dem Landesjungendhilfeausschuss vorgelegt würden.
„Pflege- und Adoptiveltern wissen am besten, welche Beratung und Unterstützung sie bei der Erziehung und Begleitung von Kindern brauchen, die einen schwierigen Start ins Leben hatten“, stellt Karola Stange fest. „Wer als Kind einmal nicht gewollt war, hat es umso schwerer, den eigenen Platz im Leben zu finden.“ Im Landesverband fände sich die größte Kompetenz für die Erkennung und Bewältigung von Alltags- und Schulproblemen bis hin zum Umgang mit Missbrauch, Misshandlung und Traumatisierung.
Zu kritisieren sei auch, dass Pflegeeltern in Thüringen weniger Geld bekämen als in anderen Bundesländern. Obwohl die Vorsitzende des Landesverbandes, Vera Schade, darauf verwies, dass es ihnen nicht ums Geld ginge, sei es doch nicht hinzunehmen, dass die rund 1.280 Familien z.B. für ein 13-jähriges Kind monatlich 177 Euro weniger bekämen als Familien in Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Dringender Handlungsbedarf bestünde auch beim Übergang zur Volljährigkeit. „Es ist schlicht unverständlich, wenn Pflegekinder, die ein Großteil ihres Lebens in einer stabilen Familie gelebt haben, diese im Alter von 16 oder spätestens 18 Jahren verlassen müssen“, kritisiert Karola Stange. „Hier ist die Landesregierung aufgefordert, Änderungsanträge in den Bundesrat einzubringen.“
Die Veranstaltung habe gezeigt, dass in Thüringen noch viel für die Pflege- und Adoptivfamilien getan werden müsse. „Wir werden Frau Ministerin Taubert in ihrem Wirken kritisch begleiten und in einer weiteren Fachtagung im Frühjahr 2013 auswerten, welche Forderungen umgesetzt wurden und welche noch ausstehen“, kündigt Karola Stange für die Fraktion DIE LINKE an.
