Hebammen: Ministervorschläge lediglich Übergangslösung
Die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe unterbreiteten Vorschläge zur Absicherung des Hebammen-Berufsstandes bringen immer noch keine dauerhafte Lösung des Haftpflichtproblems. "Die von einer interministeriellen Arbeitsgruppe vorgelegten Ergebnisse sind weder zu Ende gedacht noch zu Ende entschieden", sagt Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag. So gebe es selbst nach Ansicht des Gesundheitsministers noch keine tragfähige Lösung, um dem stetigen Anstieg der Haftpflichtversicherungsprämien entgegen zu wirken und die Situation auf dem Versicherungsmarkt zu verbessern.
"Aus unserer Sicht kann dies nicht durch eine Begrenzung der Schadenssummen erfolgen", sagt Karola Stange, die gleichzeitig behindertenpolitische Sprecherin der Fraktion ist. "Kinder, die bei der Geburt geschädigt werden, haben einen Anspruch darauf, die ihnen zustehenden Hilfen und Unterstützungen zu erhalten." In Frage stehe auch, ob dies rechtlich zulässig sei, da die Schadenssummen von Gerichten festgelegt würden. Gleichzeitig könnten die Kosten auch nicht allein auf die Krankenversicherten verlagert werden, um private Versicherungskonzerne zu entlasten.
Ein Sicherstellungszuschlag, der zunächst helfe, das drohende Aus für Hebammen mit weniger Geburten zu verhindern, sei zunächst zu begrüßen. "Gerade Hebammen im ländlichen Raum betreuen oft weniger Frauen also solche in den Städten und sind dennoch für die Sicherstellung der flächendeckenden Geburtshilfe von zentraler Bedeutung", stellt Karola Stange fest. Anlässlich des Internationalen Tages der Hebammen am Montag, 5. Mai, hebt sie einmal mehr die Bedeutung dieser Berufsgruppe für schwangere Frauen, Gebärende und junge Familien hervor. "Während Ärzte die Geburt als medizinischen Vorgang begleiten, haben Hebammen ein umfassendes Verständnis von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Elternschaft", stellt Karola Stange fest. "Ein schleichendes Ausbluten dieses Berufsstandes aufgrund finanzieller Risiken wäre ein katastrophaler kultureller Rückschlag, der dringend verhindert werden muss."
