Fünf Jahre erfolgreiche Interventionsarbeit

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1257 Frauen und 64 Männer wurden seit April 2008 von der Interventionsstelle Erfurt beraten. "In ihrer nun fünfjährigen Arbeit haben die Frauen der Beratungsstelle eine beachtliche Leistung vollbracht", stellt Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, fest. Mit diesem Beratungsangebot konnten auch Frauen erreicht werden, die nicht aus ihrer Wohnung fliehen, um Schutz in einem Frauenhaus zu suchen. "Damit wurde in vielen Fällen das erste Mal ein Durchbrechen des Gewaltkreislaufes möglich."

Die Idee der Interventionsstellenarbeit haben die Gleichstellungspolitikerinnen in der vergangenen Legislatur aus Österreich mitgebracht. "Allerdings wurde diese an einer entscheidenden Stelle verändert", kritisiert Karola Stange. "Weil in Thüringen die Frauen ihr Einverständnis zur Datenweitergabe geben müssen, wird nur jede vierte bis fünfte Frau erreicht." In Österreich werde jeder Fall häuslicher Gewalt direkt an die Beratungsstelle gemeldet, die sich dann mit einem Hilfeangebot an die misshandelte Frau wendet. Diese könnte dann natürlich auch entscheiden, die Hilfe abzulehnen.

Hier müsse dringend nachgebessert werden. "Wir haben eine hohe Meinung vom Datenschutz", sagt die Gleichstellungspolitikerin. "Aber in Fällen akuter und weiter drohender Gewalt muss die Gefahrenabwehr Vorrang haben. Deswegen fordern wir, dass auch in Thüringen die Daten direkt an die Interventionsstellen gegeben werden." Die Mitarbeiterinnen seien ohnehin zur Geheimhaltung verpflichtet. Und da keiner Frau, die es nicht wolle, Hilfe aufgedrängt werde, sei auch hier keine Verletzung der Privatsphäre zu befürchten.

In diesem Zusammenhang müssten die Interventionsstellen ausgebaut werden. Für ganz Thüringen gibt es lediglich vier Beratungsstellen. Wenn man weiß, dass jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erfährt und ca. 10 Prozent aller Frauen in einer Misshandlungsbeziehung leben, sei das Ausmaß des Hilfebedarfs zu erahnen. "Aber Hilfe wird nur dort angenommen, wo sie auch angeboten wird", sagt Karola Stange.