Frauen in Führungspositionen – Quote via Europa?
„Wenn sich Deutschland nicht bewegt, wird die Quote über Europa eingeführt“, sagt Karola Stange, Gleichstellungspolitikerin der Linksfraktion, zur Weigerung der Bundesfamilienministerin, Christina Schröder, eine verbindliche Quote für Aufsichtsräte einzuführen. Justizkommissarin Viviane Reding habe angekündigt, im Sommer konkrete Vorschläge für eine EU-weite Regelung zu machen.
„In Sachen Gleichstellung kann die EU als Entwicklungsmotor angesehen werden“, so Frau Stange mit Blick auf den morgigen Europa-Tag. Während in Deutschland Kristina Schröder auf Selbstverpflichtungen und Flexi-Quote setze, verweise Reding auf die Zuständigkeit Europas für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und fordere eine schnellere Gangart ein. „Dem können wir uns nur anschließen“, stellt die LINKE-Politikerin fest. „Wenn wir darauf warten, dass Männer ihre Machtpositionen freiwillig räumen, wird es in den nächsten Jahrzehnten keine großen Veränderungen geben.“ 2011 sei der Anteil der Frauen in den Chefsesseln bei den 200 größten Unternehmen Deutschlands mit nur drei Prozent genau so niedrig gewesen wie im Jahr davor.
„Die LINKE hat bewiesen, dass mithilfe der Quote kompetente Frauen Chancen erhalten, die ihnen sonst vielleicht nicht eingeräumt worden wären. Dass wir jetzt eine Oberbürgermeisterin und drei Landrätinnen haben, ist nicht zuletzt einer Geschlechterquotierung geschuldet, die traditionell ungleich verteilte Chancen korrigiert. Frauen sind gut qualifiziert – und sie sind es leid, immer weiter vertröstet zu werden.“ Die Abgeordnete verweist auf aktuelle Quoten-Initiativen. „Allein die Berliner Erklärung haben weit über 16.000 Frauen und auch Männer unterschrieben. Die Initiative ‚Pro Quote’ von Journalistinnen hat schon über 3.500 Unterstützerinnen.
Wenn es heißt, die Besten würden sich schon durchsetzen, schiebe das „den Frauen den schwarzen Peter zu“ und es ignoriere vollständig die Macht „von Männerseilschaften und die Dicke von gläsernen Decken“. „Als gleichstellungspolitische Sprecherin der LINKEN habe ich die Berliner Erklärung unterschrieben, obwohl uns 30 Prozent nicht reichen. Wir wollen, dass die Macht auf Dauer gleichermaßen aufgeteilt wird“, betont Stange. Dennoch gelte es, einen Anfang zu machen. Sie sei schon sehr gespannt, was aus Brüssel vorgegeben werde und wie sich Bundes- und Landesregierungen dann verhalten. Die LINKE fordert die Landesregierung auf, in ihrem eigenen Machtbereich die Frauenbeteiligung zu verbessern – „dafür muss niemand auf Vorgaben aus Europa warten“.
