Unterrichtsausfall - Gefahr für eine ganze Schülergeneration? 1/2
Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion der FDP – Drucksache 5/7547
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren hier im Rund, meine sehr verehrten Damen und Herren an den Bildschirmen ihrer Computer. Herr Döring, zunächst gestatten Sie mir eine Bemerkung: Hätte, haben, vielleicht oder hätte, hätte, Fahrradkette - nein. In diesem Saal gibt es eine Mehrheit für die Umsetzung der Ziele, die Sie gerade formuliert haben und nicht das Warten auf den Koalitionspartner.
(Beifall DIE LINKE)
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Unterrichtsausfall war bereits des Öfteren Thema hier in diesem Hohen Haus. Nun haben die Betroffenen selbst eine Statistik veröffentlicht, die die Situation an unseren Schulen darzustellen versucht hat. Ich möchte an dieser Stelle der Landesschülervertretung meinen Dank aussprechen, denn sie sind es, die mit dem Problem des nicht ordnungsgemäß erteilten Unterrichts in aller Linie zu tun haben und unmittelbar betroffen sind.
Was zeigen uns die Zahlen der Landesschülervertretung? Zunächst bestätigen sie die aktuellen Statistiken des Ministeriums, was den ersatzlosen Ausfall betrifft. Die Landesschülervertretung war ebenfalls bemüht, auch die regionalen Unterschiede zu beachten. So sieht man, dass zum Beispiel der Schulamtsbereich Ostthüringen den mit 2,9 Prozent an zu erteilenden Stunden geringsten ersatzlosen Ausfall ausweist. Im Nordthüringer Schulamtsbereich dagegen liegt dieser hingegen fast doppelt so hoch bei 5,6 Prozent aller zu erteilenden Stunden. Auf diese regionalen Unterschiede hat uns das Ministerium in den Debatten immer hingewiesen. Man kann nicht pauschal von Unterrichtsausfall oder gar Mangelfächern reden. Es gibt also regional enorme Unterschiede. Das haben wir als Linke nie in Frage gestellt.
Wir sind ebenfalls der Überzeugung, auch wenn jede ausgefallene Stunde eine zuviel ist, dass es nie gelingen wird, den Unterrichtsausfall in seiner Gesamtheit gegen Null zu bringen. Das ist nicht unser Anliegen.
Was wir kritisieren und das geht ebenfalls aus den Zahlen der Landesschülervertretung hervor, fachfremd vertretener Unterricht ist genauso häufig anzutreffen wie der ersatzlose Ausfall. Das ist das Problem.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Landesschülervertretung spricht sich dafür aus und diese Forderungen können wir zu 100 Prozent mittragen, ich zitiere: „dass Vertretungsunterricht nur dann Sinn macht, wenn an den aktuellen Unterrichtsinhalten des betreffenden Faches weitergearbeitet werden kann oder durch Wiederholung und Übungen Unterrichtsinhalte gefestigt werden“. So weit das Zitat. Vertretungsunterricht darf weder Beschäftigungstherapie sein, noch zu einer bloßen Sicherung der Aufsichtspflicht verkommen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, 88 Prozent der zu erteilenden Unterrichtsstunden wurden nach Stundenplan erteilt. Von den 12 Prozent zu vertretendem Unterricht wurden gerade einmal 1,6 Prozent fachgerecht vertreten und in 1,3 Prozent der Fälle wurden Aufgaben statt Ausfall gegeben. Eine Kategorie, die im Übrigen sehr interessant ist und über die man bei der ministeriellen Erhebung und ihren öffentlichen Statistiken einmal nachdenken sollte. Der Rest: ersatzloser Ausfall bzw. fachfremde Vertretungen laut LSV-Statistik. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass drei Viertel des nicht ordnungsgemäß erteilten Unterrichts nicht im Sinne der Schüler erteilt worden ist.
Wir fordern deshalb das Ministerium auf, endlich transparent und ehrlich mit den Zahlen umzugehen und auch den fachfremd vertretenen Unterricht als Unterrichtsausfall wahrzunehmen. Auch wenn Sie jetzt wieder argumentieren wollen, dass dies per Definition kein Unterrichtsfall sei, so ist und bleibt es trotzdem vor allem kein Unterricht im Sinne der Schüler. Es geht hier um unsere Schüler und ihre Ausbildung. Da hat Schönrechnerei hier nichts zu suchen. Hinzu kommt, dass nach den Zahlen des LSV der ersatzlose Unterricht prozentual zunimmt, je höher die betroffene Klassenstufe ist.
Gerade diejenigen Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, bekommen keinen adäquaten Vertretungsunterricht. Das bedeutet, prüfungsrelevanter Stoff kann nicht mehr vermittelt oder wiederholt werden; die Abschlussprüfungen können nicht optimal vorbereitet werden. Die Folge davon ist, dass wir damit die Wahrung der Chancengleichheit unserer Schülerinnen und Schüler für ihre Studien- und Berufswahl schmälern. Das darf es nicht geben!
(Beifall DIE LINKE)
Im Kern ist nicht der Unterrichtsausfall per se das Problem - das wissen wir alle hier im Rund -, der Unterrichtsausfall ist nur ein Phänomen des eigentlichen Problems, dem der Überbelastung unserer Lehrerschaft. Wenn bei 70 Prozent des Unterrichtsausfalls Krankheit die Ursache ist, so können es nicht nur Erkältungen sein, die sich hier bemerkbar machen. Mit jedem Lehrer, der ausfällt, muss die Arbeitslast auf die restlichen Schultern des Kollegiums verteilt werden. Diese Mehrbelastung muss endlich gemindert werden. Dabei kann die geforderte Vertretungsreserve auch nur ein erster Schritt sein und darf nicht als alleinige Maßnahme stehen bleiben. Außerdem bedarf es Maßnahmen zur Lehrergesundheit. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE)
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