Thüringen attraktiv gestalten - Fachkräfte halten, qualifizieren und gewinnen
Zum Antrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 5/2382 -
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren, im November vergangenen Jahres hatte das Wirtschaftsministerium seine Fachkräftestudie vorgestellt. Demnach sollen bis zum Jahr 2020 in Thüringen 200.000 neue Arbeitskräfte benötigt werden, das ist praktisch ein Fünftel aller gegenwärtigen Thüringer Erwerbstätigen. Bekannt ist auch, dass dieser Bedarf sich zu 90 Prozent als Ersatzbedarf für altersbedingt aus dem Arbeitsprozess ausscheidende Arbeitnehmer und zu 10 Prozent als Zusatzbedarf darstellt. Die größte Arbeitskräftenachfrage soll entsprechend der Studie in der Industrie und in den Gesundheits- und Sozialberufen entstehen. Außerdem werden künftig wieder Lehrer, EDV-Kräfte und Ingenieure gesucht. Jeweils über 4.000 neue Fachkräfte fehlen hier in Thüringen, so die Studie. Andererseits wird konstatiert, Thüringen verfügt über eigene personelle Reserven, um den kommenden Fachkräftebedarf zu decken.
Genau hier, meine Damen und Herren, setzt unser Antrag „Thüringen attraktiv gestalten - Fachkräfte halten, qualifizieren und gewinnen“ an. Wir wollen die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland, wir wollen die Eindämmung von Leiharbeit und prekärer Beschäftigung und deren langfristige Überwindung, die Einführung einer staatlichen Ausbildungsbeihilfe für alle in Aus- und Fortbildung befindlichen Personen, die nicht über eine existenzsichernde soziale Absicherung verfügen. In Thüringen wollen wir somit die Situation herbeiführen, einen wirklichen Arbeits- und Lebensstandard attraktiv zu gestalten und somit Menschen sowohl motivieren hier zu bleiben bzw. zu uns zu kommen oder zu uns zurückzukommen. Am 23.03.2011 hat die Landesregierung verkündet, dass sie mit der Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung eine Institution ins Leben gerufen hat, die künftig um Pendler, Zuwanderer und Absolventen werben soll und mit 1,6 Mio. € will die Landesregierung jährlich das Marketing für den Ausbildungs-, Studien- und Beschäftigungsort Thüringen, die Netzwerkarbeit und die Fachkräftesicherung unterstützen. Das ist ja ein Stück weit im Zusammenhang zu sehen, was der Unternehmerfachkräfteservice UFaS in den drei Jahren seines Bestehens eben leider nicht geschafft hat, soll nun die Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung in den nächsten Jahren richten. Meine Damen und Herren, das ist natürlich ein löbliches Ziel. Wir sagen aber auch, Standortmarketing ist wichtig und richtig, wenn man Aufmerksamkeit für und Interesse am Wirtschaftsstandort Thüringen wecken will, aber er ist natürlich nicht alles. Entscheidendes Kriterium dafür, ob Fachkräfte nach Thüringen zurückkommen, ob in Thüringen ausgebildete Fachkräfte ihre berufliche Zukunft gestalten wollen oder ob auch weitere zu uns in Wanderung kommen, ist und bleibt eben trotzdem am Ende das Lohnniveau in unserem Land, wie ja wiederholt auch vom zuständigen Minister betont wurde. Solange wir also nicht gewährleisten, dass gute Arbeit in Thüringen auch gut bezahlt wird, dass der Arbeitsplatz sicher, also keine Leiharbeit, keine befristeten Beschäftigungsverhältnisse, keine prekären Beschäftigungsverhältnisse im Grunde genommen enthält, so lange werden wir natürlich auch im Fachkräftebereich ein Problem behalten. Deshalb erheben wir in unserem vorliegenden Antrag konkrete Forderungen zum Halten von Fachkräften im Land, zu deren Qualifizierung und Gewinnung, meine Damen und Herren. Und ich gehe davon aus, dass dies eine lohnende Debatte hier in unserem Hause wird.
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