Problematische Situation an Thüringer Grundschulhorten
Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion DIE LINKE – Drucksache 5/1770 -
Vorab Entschuldigung, Prof. Merten, wenn das so falsch angekommen sein sollte. Ich schätze Ihre wissenschaftliche Arbeit sehr hoch ein und Ihre Arbeit als Staatssekretär sehr engagiert. Dazu fällt mir jetzt nichts anderes ein, als dass ich da hoffentlich in meiner Ungeduld einen Satz unbedacht gesagt habe, den ich gern noch einmal nachlese. So war es nicht gemeint.
(Beifall SPD)
Das, was gemeint war, ist einfach, dass wir in Thüringen tatsächlich eine Spezialität im gesamten Bundesgebiet haben. Wenn man diese Situation 2004 nicht miterlebt hat, wo wir uns alle zusammen an diesem Tisch befunden haben und gegen diese Althaus’sche Kommunalisierung gemeinsam in der Opposition erst einmal konstatiert haben, was das Wichtige am Thüringer Grundschulhort ist im Gegensatz zu allen anderen Ländern - auch den ostdeutschen anderen Ländern -, weil es hier noch die Möglichkeit gab, Landesbedienstete im Hort zu haben, und zwar Landesbedienstete, die eine Lehrbefähigung hatten, die auch im Unterricht früh die Methodik kennenlernen konnten, was am Nachmittag bei der Hausaufgabenbetreuung - das ist den Eltern übrigens am Wichtigsten - dann auch vermittelt werden muss. Das war die Grundlage dessen, was sich dann als Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule auch vollziehen sollte. Nach wie vor gibt es die beiden Wege - Kommunalisierung oder Nichtkommunalisierung. Ich denke, dass alle Beschäftigten als Landesbedienste dem Ziel, einer Weiterentwicklung der Grundschule nahezukommen, viel gerechter werden würden. Man braucht nicht die Hortnerinnen allein am Nachmittag.
Herr Matschie, wenn ich Sie korrigieren darf oder wenigsten darauf aufmerksam machen darf: Sie reden - und das haben Sie vor ein paar Jahren anders gemacht - auch nur noch von Hortbetreuung und zielgenauem Personaleinsatz. Es geht hier nicht darum, mit 50 Prozent nur am Nachmittag irgendetwas abzusichern. Es geht um rhythmisierte Angebote, es geht darum, dass wir Erzieherinnen vielleicht auch modularisiert wieder dazu ausbilden, didaktische und methodische Kenntnisse über das, was am Vormittag passiert, zu haben. Es geht um gemeinsamen Unterricht. Ich kann mir ganz viel vorstellen, dass man eben genau die Erzieherinnen mit mindestens 80 Prozent einstellt. Zum Teil machen uns das die Landkreise auch vor. Es geht nicht darum, wirklich nur Grundschule am Vormittag und Hortbetreuung am Nachmittag zu haben. Das habe ich nie unter Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule verstanden. Das ist unsere Botschaft. Es geht nicht um die Einzelfälle, aber die sind alarmierend genug. Wenn eine Kollegin 81 Kinder in drei Räumen beaufsichtigen muss, dann will ich das hier nicht unbedingt dramatisieren. Aber aus dem Brief geht hervor, dass das eben kein Einzelfall ist.
Wie gesagt, auf Ihre Rechnung, die heute auch in der Zeitung stand - 1 : 21 - kommen wir nicht. Vielleicht sollte man auch noch einmal einen runden Tisch zu Horten machen und gegenseitig sich die Zahlen versuchen darzustellen und mal darüber zu reden, was man eigentlich von einem Thüringer Grundschulhort erwartet, was die Eltern erwarten und was wir zielführend nach 2012 weiter tun werden, um wirklich zu sagen, Thüringer Grundschulhort ist und bleibt eine Spezialität, für die es sich zu kämpfen lohnt. Da hoffe ich, dann alle im Boot zu haben und Sie, der das Hortbündnis vor drei Jahren mit inszeniert hat, ganz vorne dran. Das meinte ich einfach damit. Es reicht nicht, dass jemand das kennenlernt, was es hier gibt. Es muss einfach auch dafür gekämpft werden, dass das so bleibt, wie es ist. Das erwarten die Leute von einem SPD-Minister zuallererst. Das wollte ich hier noch einmal als Botschaft rüberbringen.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
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