Papstbesuch als Impuls für Wertediskussion
Zum Antrag der Fraktion der FDP - Drucksache 5/2510 -
Werte Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich noch einmal zu Wort gemeldet, um etwas zu verdeutlichen. Sie werden es nicht vermuten, aber es gibt in einem Büro der LINKEN-Abgeordneten ein Bild des Heiligen Vaters, nämlich bei mir. Ich will damit nur deutlich sagen, dass ich eine hohe Achtung …
(Unruhe im Hause)
Meine eigenen Genossen müssen da nicht vorbeikommen, aber sie müssen es ertragen, wenn sie zum Fraktionsvorsitzenden wollen,
(Zwischenruf Abg. Schubert, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oder müssen.)
weil dieses Bild hing schon in meinem Bundestagsbüro. Es ist die Audienz der religionspolitischen Sprecher des Bundestags gewesen. Dieser Besuch im Vatikan war für mich persönlich ein sehr spannendes und bewegendes Erlebnis, das gebe ich frank und frei zu. Deswegen habe ich auch vor zwei Jahren, als die Diskussion kam, Benedikt kommt nach Thüringen, gesagt, ich freue mich, dass er kommt. Und ich habe vor zwei Jahren gesagt, ich würde ihn gern begleiten in das Augustinerkloster, wenn mir das vergönnt wäre, weil als evangelischer Christ würde ich mir wünschen, wenn wir in Sachen Ökumene erhebliche Schritte vorankämen. Ich würde mir wünschen, dass es möglich wäre, gemeinsames Abendmahl zu feiern. Ich würde mir wünschen, dass wir dort mutige Schritte erleben.
Ich erlebe Benedikt in einer sehr unterschiedlichen Art und Weise, nämlich einmal, dass er sich gegenüber der orthodoxen Kirche geöffnet hat und Zeichen gesetzt hat. Ich erlebe ihn in einer zerrissenen Situation, seine erste Rede zum Islam kam mir sehr befremdlich vor. Aber anschließend ist er in die Türkei gefahren und hat dort Zeichen gesetzt auch in Richtung des Islam. Deswegen will ich nur die unterschiedlichen Facetten ansprechen.
Aber in einem Punkt will ich meine Kollegin Katharina König ausdrücklich in Schutz nehmen. Wenn man ein solches Thema - und Kollegin Tasch, ich bin bei Ihnen, wenn wir gemeinsam in einer Religionsversammlung oder in einer Versammlung von Gläubigen uns unterhalten würden, dann bin ich der Meinung, dass vielleicht auch über Tonarten debattiert werden kann, wenn sie verletzend sind. Ich habe Frau Kollegin König so nicht gehört.
(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ich auch nicht.)
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich will Ihnen das an einer Stelle noch einmal sagen, warum ich sie ausdrücklich in Schutz nehme und ausdrücklich erkläre, auch gegenüber Kollegen Bergner will ich erklären, dass Kollegin König auch in meinem Namen gesprochen hat und ich mich nicht von ihr distanziere. Erstens, nicht nur, weil sie evangelische Christin ist, aber weil sie Fragen aufgeworfen hat, die ich auch habe.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wenn man, wie die Kollegen der FDP, dieses Thema zur Wertedebatte hier in das parlamentarische Rund holt, dann darf man nicht denken, dass ein Teil der kritischen Fragen einfach vergessen werden. Da sage ich Ihnen, ich bin gleichzeitig Mitglied des Stiftungsrates der Leo-Baeck-Foundation, der Ausbildungsträger der liberalen Juden in Deutschland, des Abraham-Geiger-Kollegs und als in der Osterliturgie das Missionieren der Juden wieder hinein formuliert wurde, waren die jüdischen Gemeinden in Deutschland entsetzt. Diese Kritik muss auch der Heilige Vater aushalten,
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
weil es nicht sein kann, dass man auf einmal so tut, als ob man über das Zweite Vatikanische Konzil wieder hinausgehen könnte.
(Zwischenruf Abg. Schubert, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oder müssen.)
Deswegen hat Kollegin König nicht, Kollege Adams, von Gut und Böse geredet. Sie hat Fragen gestellt und gesagt, ich würde gern darüber reden. Nehmen Sie das doch als Einladung an und nicht als Ausladung an Benedikt und schon gar nicht als Herabsetzung. Ich finde es einen spannenden Termin, dass der Heilige Vater nach Erfurt kommt und in das Eichsfeld fährt, ich finde es unglaublich spannend, dass er in das Augustinerkloster geht. Ich wünsche, dass es dort ein Klima des Gespräches zwischen der evangelischen und katholischen Kirche gibt zur Ökumene, ich würde mir noch mehr wünschen, wenn wir erleben könnten als Christen, dass wir bei der Abendmahlsfrage uns deutlicher aufeinander zu bewegen könnten, weil ich persönlich meine, es gibt keine Christen erster und zweiter Klasse. Aber das meine ich als Christ und nicht als Politiker.
(Beifall DIE LINKE)
Wenn Sie aber das Thema hier in das Parlament holen, dann müssen Politiker auch darüber reden, wie eine bestimmte Botschaft bei Menschen ankommt, die nicht katholisch sind. Bei einem schwulen Menschen kommt es eben nicht besonders gut an - wie in Köln jetzt geschehen -, wenn nur die Tatsache, schwul zu sein, zur Entziehung der Lehrbefähigung führt. Das finde ich ein Problem.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Aber, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, das habe ich in meiner Fraktion auch gesagt, das alles gehört meines Erachtens gar nicht hier im Parlament diskutiert. Deswegen hätte ich mir gewünscht, der ganze Antrag wäre nicht gestellt worden.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich finde aber trotzdem, dass alles, was ich gehört habe, eine Bereicherung in der Diskussion war. Aber es gehört sich auch, dass man dann kritische Fragen stellt an den Heiligen Vater, an den Vatikan und an das Papsttum. Das muss man als Politiker aushalten, ohne dass damit religiöse Gefühle verletzt werden. Ich sage es noch einmal, ich finde es eine spannende Herausforderung für Thüringen, dass Benedikt XVI kommt und ich wünsche mir, dass es ein Ereignis wird, von dem wir alle zusammen, aber auch wir evangelischen Christen, noch lange zehren können. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass der Termin ein Anlass der Ökumene wird. Vielen herzlichen Dank.
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