Nein zum Neubau einer 380-kV-Leitung über den Thüringer Wald - Umrüstung der bestehenden 380-kV-Leitung Remptendorf-Redwitz mit Hochtemperaturseilen (HTS) als alternative Technologie 2/3

RedenPetra EndersEnergiepolitik

Zum Antrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 5/1762 -


 

Frau Präsidenten, meine sehr verehrten Damen und Herren, die heutige Diskussion hat mir wieder gezeigt, dass CDU und SPD überhaupt nichts hinzugelernt haben - überhaupt nichts.


(Beifall DIE LINKE)


Die haben sich in keinster Weise mal mit neuen Technologien, mal mit Innovation auseinandergesetzt - gar nicht. Da muss ich Ihnen sagen, 50Hertz hat angefangen, hat sich beschäftigt mit Hochtemperaturseiltechnologie, hat angefangen, sich mit Freileitungsmonitoring zu beschäftigen, und hat auch deutlich gemacht, wenn die Politik ein Signal an uns sendet, dann fangen wir an, auch diese Technologie umzusetzen. Mit unserem Antrag, den wir heute hier eingereicht haben, könnten wir ein Signal, könnten wir einen Impuls senden und könnten versuchen, diese neuen Technologien auch hier in Deutschland endlich zum Stand der Technik zu machen.


(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich sage Ihnen mit aller Deutlichkeit, dass die Bürgerinitiativen, dass die Städte und Gemeinden nicht locker lassen werden. Wir werden es nicht hinnehmen, dass es zum Bau dieser 380-kV-Leitung kommt. Wenn man sich mal anschaut, wie lange schon über diese 380-kV-Leitung diskutiert wird, das sind mittlerweile fünf Jahre. Seit zwei Jahren läuft das Planfeststellungsverfahren. Es ist noch zu keiner Entscheidung gekommen. Es läuft fast ein Jahr das Raumordnungsverfahren. Ich sage Ihnen hier, die Bürgerinitiativen, die Städte und Gemeinden, die werden sich auch nicht scheuen, sollte es zu einer Plangenehmigung kommen, dann auch die Rechtsschritte einzuleiten und gegen dieses Planfeststellungsverfahren zu klagen. Das werden wir tun und dann zieht sich das wieder hinaus.


Ich habe letztens mit einer Bürgerinitiative in Österreich gesprochen, die kämpfen seit 15 Jahren. Da gibt es immer noch keine 380-kV-Leitung. Ich sage Ihnen, wenn 50Hertz jetzt nicht hier anfängt, diese neuen Technologien zur Umsetzung zu bringen, dann werden sie auch in den nächsten zehn Jahren keine 380-kV-Leitung durch Thüringen nach Bayern bauen können.


Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte noch mal deutlich machen, viele Bürgerinnen und Bürger leisten Widerstand gegen diese Trasse und dieser Widerstand ist ungebrochen. Viele Verbände wie die Umweltstiftung, wie Umwelthilfe, der Bund, Umwelt und Naturschutz haben gerade in der jüngsten Zeit sich immer wieder gegen neue Überlandleitungen ausgesprochen und haben immer wieder gesagt, es gibt Alternativen, nutzt diese Alternativen. Zu denen, die dem anstrebten Trassenneubau ablehnend gegenüber stehen, gehört auch Prof. Jarass und das ist ein anerkannter Wissenschaftler. Er hat in seinem Gutachten klar und deutlich gesagt, dass es Alternativen gibt; wenn es tatsächlich um die Übertragung von Windenergie von Nord nach Süd geht, dann gibt es Alternativen, dann kann man mit Hochtemperaturseiltechnologie, dann kann man mit Freileitungsmonitoring den Bau einer 380-kV-Leitung verhindern. Ich muss Ihnen ganz deutlich sagen, Prof. Jarass weiß, wovon er redet. Er beschäftigt sich schon seit Langem damit. Er sagt auch - gerade weil Sie, Kollege Weber, die Windenergie angesprochen haben - ganz deutlich, dass Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturseile gerade für die Übertragung von Windenergie in besonderer Weise gut geeignet sind. Denn wenn wir regenerative Energien einsetzen wollen - das sind fluktuierende Energien, die unterscheiden sich von der konventionellen Energie -, dann brauchen wir auch neue Übertragungstechnologien und dann müssen wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen.


Sie sagen hier, die Leitung müsse rasch gebaut werden, es muss vorwärts gehen, wir können sonst keinen Strom mehr transportieren. Das ist für mich ein Widerspruch an sich. Sie haben vorhin gerade noch einmal deutlich gemacht, dass im Moment das Planfeststellungsverfahren läuft, das hatten Sie gemacht, Kollege Worm. Da muss ich Ihnen noch mal sagen, für mich ist es im höchsten Maße bedenklich, wenn in einer Zeit, in der man sich um dieses Vorhaben streitet, in dem das Planfeststellungsverfahren läuft, in dem es die erste Planänderung gibt, dann Sie mit Ihrer Regierungskoalition an die Öffentlichkeit treten, gemeinsam mit 50Hertz, gemeinsam auch mit E.ON und hier erklären, die 380-kV-Leitung ist notwendig - haben Sie getan, da kann ich mich noch an den Artikel erinnern. Für mich hat das schon ein ganz besonderes Geschmäckle, wenn Politik und Energiekonzern sich hier


(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


vor die Öffentlichkeit wagen und sagen, wir brauchen das. Für mich ist es gerade unverantwortlich, dass auch in dieser Runde der Präsident des Thüringer Landesverwaltungsamts, Herr Stephan, dabei ist, gerade als es um dieses Verfahren geht, gerade er, der mit seiner Behörde dann dieses Verfahren zu beurteilen hat. Ich muss ganz ehrlich sagen, das ist für mich grenzwertig. Das haben wir auch - die Bürgerinitiativen, die Städte und Gemeinden - so bewertet.


Dass - Sie haben ja vorhin das angesprochen - es im Planänderungsverfahren Änderungen gibt, dass auch dort etwas eingeflossen ist, dass dort auch Vorschläge von Bürgerinitiativen, von Städten und Gemeinden vielleicht mit eingeflossen sind, ich muss Ihnen sagen, so toll finden die Bürgerinitiativen das Ganze hier nicht. Und wenn man sich mal anschaut, in meiner Heimatstadt, in Großbreitenbach, dort hatte man 70 m hohe Masten in unmittelbarer Nähe des Ortes geplant. Dort plant man jetzt zwei 97,5 m hohe Stahlgittermasten. Es hat auch zu keiner Verbesserung geführt, wenn der Abstand von der Wohnbebauung wie z.B. in Görbitzhausen vergrößert wird, dann verringert sich nämlich auf der anderen Seite zu Branchewinda der Abstand. Das ist einfach so und da gibt es natürlich dort Bürgerproteste.


Ich sage Ihnen auch noch etwas, werte Kolleginnen und Kollegen aus der Regierungskoalition, Sie haben aus Stuttgart 21 nichts gelernt -


(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


gar nichts gelernt. Ich meine, von der CDU habe ich es nicht anders erwartet, Sie tun sich ja in keiner Weise vor, wenn es um mehr Bürgerrechte, um mehr Bürgerbeteiligung oder um mehr direkte Demokratie geht. Aber auch die SPD nicht. Bei Stuttgart 21 haben sie jahrelang das Projekt geduldet, wie wir wissen. Ihr Minister Tiefensee z.B. hat Milliarden für den Bau genehmigt und dann, als der Protest aufflammte, schnell die Seite gewechselt. In Baden-Württemberg wurde sogar ein Volksentscheid gefordert von der SPD. Wenn Sie das wenigstens hier auch mal in Thüringen tun würden, sich hier ein Beispiel nehmen würden, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD,


(Beifall DIE LINKE)


dann würden wir das auch mit aller Konsequenz für das Projekt bei der 380-kV-Leitung durchsetzen. Ich sage Ihnen ganz deutlich, was für Baden-Württemberg der Bahnhof Stuttgart 21 ist, das ist für Thüringen diese Starkstromtrasse.


(Heiterkeit CDU, SPD)


Auch hier wäre ein Volksentscheid angebracht.


(Zwischenruf Abg. Höhn, SPD: So etwas Billiges.)


Aber was tun Sie? Sie haben es vorhin gerade wieder getan, Herr Kollege Weber, Sie fordern mit Ihren Kolleginnen und Kollegen von der SPD ein bisschen mehr Begleit-Grün. Ich glaube, das ist lächerlich, was Sie hier tun.


Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte auch noch auf eines eingehen, weil das ja auch in Medien oft zu hören war, Sie haben es doch tatsächlich fertiggebracht, die Notwendigkeit dieser 380-kV-Leitung mit der Energieversorgung des Erfurter Kreuzes und der Energieversorgung um Ilmenau herum zu verbinden. Ich muss sagen, das ist schon starker Tobak, den Sie da geleistet haben.

(Zwischenruf Abg. Höhn, SPD: Auch in Großbreitenbach brauchen die Leute Strom.)

Der Oberbürgermeister von Ilmenau hat sich am nächsten Tag zu Wort gemeldet und hat dort erst einmal richtiggestellt, in Ilmenau, um Ilmenau herum gibt es keinen höheren Strombedarf und die Stromversorgung ist sichergestellt.


(Unruhe CDU, SPD)


Das war in den Medien dann auch zu hören. Und keine Innovation ist auch, die 380-kV-Leitung mit einer zusätzlichen 110-kV-Leitung auf den gleichen Masten zur Versorgung des Erfurter Kreuzes zu begründen. Das ist auch eine Schutzbehauptung, das wissen Sie, und auch hier sagen wir, gerade an diesem Knotenpunkt, der sehr stark auch ausgebaut ist, gibt es Möglichkeiten der Netzoptimierung, gibt es Möglichkeiten, hier auch Netze durch Freileitungsmonitoring, durch Hochtemperaturseile entsprechend auch auszustatten, auch auf dieser Ebene der Verteilerebene.

Wir sagen, Netzumbau statt Netzneubau, und unser Vorschlag ist es, statt des Neubaus dieser Leitung die vorhandene Leitung Remptendorf-Redwitz mit Freileitungsmonitoring und der Neubeseilung mit Hochtemperaturseilen auszustatten. Das schafft Handlungsspielräume in der Übertragungskapazität, mehr noch, das unterstreicht die Bedeutung Thüringens als Hochtechnologiestandort und das ist aus unserer Sicht Innovation.


Präsidentin Diezel:


Frau Abgeordnete Enders, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Höhn? Zum Schluss.

Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Ich frage Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, wo soll denn der Sinn darin liegen, zu den vorhandenen 35.700 km Höchstspannungsnetz in Deutschland - das ist eines der engmaschigsten Netze der Welt - weitere 3.600 km hinzuzufügen, die, das zeigt sich im gesamten Bundesgebiet, nur unter größtem Protest der Bürgerinnen und Bürger der Städte und Gemeinden, der betroffenen Anwohner gebaut werden kann. Es gibt doch keinen Sinn. Touristiker fürchten negative Einflüsse auf ihr Geschäft. Die Lebensqualität der Menschen wird in Mitleidenschaft gezogen. Grundstücke werden entwertet, Kulturlandschaft wird zerstört. Und ich sage es mit Nachdruck, es kann hier keine extensive Erweiterung dieses Stromnetzes mehr geben.


(Beifall DIE LINKE)


Um das Problem der Energieversorgung des Klimawandels nachhaltig zu lösen, gibt es andere Wege ohne die Natur zu zerstören. Dazu gehört Energieversorgung dezentral vor Ort als ein Punkt, ein Beispiel aus einem Mix regenerativer Energien. Dazu gehört die Abschaltung der Atomkraftwerke - sofort. Dazu gehören moderne Speicher, virtuelle Kraftwerke und auch Energiesparen, das darf hier nicht vergessen werden. Das sind, meine sehr verehrten Damen und Herren, moderne Problemlösungen und dazu brauchen wir dann keine Stahlmasten wie vor hundert Jahren.


Präsidentin Diezel:


Frau Abgeordnete, beantworten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Weber?


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Zum Schluss.


Präsidentin Diezel:


Auch zum Schluss. Danke.


(Zwischenruf aus dem Hause)


(Heiterkeit im Hause)


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Professor Dr. Lorenz Jarass fügt ein weiteres Argument hinzu. Er sagt, die Netzbetreiber sind zur Erhöhung der Übertragungsleistung verpflichtet, allerdings nur, so weit es volkswirtschaftlich zumutbar ist. Er hält es in diesem Zusammenhang für volkswirtschaftlichen Unsinn, das Übertragungsnetz für 90 Prozent der insgesamt installierten Nennleistung aller Windkraftwerke auszubauen für ein Szenario, was eventuell einmal im Jahr vorkommt. Wir sagen immer in der Bürgerinitiative, man kauft sich auch keinen Bus, wenn man einmal mit einer größeren Gruppe z.B. nach Berlin fahren will. Dieser Unsinn führt zu der Forderung, jede erzeugte Kilowattstunde ins Stromnetz einzuspeisen und zu übertragen. Der Nutzen der Messungen der Leiterseiltemperatur wird damit weitgehend wegdefiniert und man kommt zu dem absurden Ergebnis, dass der kostengünstige Netzumbau mittels Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturseilen scheinbar teurer ist, als der kostenaufwändige Netzneubau. Es ist aber unter Fachleuten unstrittig, zur Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen wirtschaftlichen Zumutbarkeit des Netzausbaus eine Drosselung der Windenergieeinspeisung bei drohenden Netzengpässen vorzunehmen - eine These, die übrigens ebenfalls auch von der DENA-II-Netzstudie gestützt wird. Warum sie das dann aber nicht in ihre Berechnungen einbezogen haben, ist mir allerdings unschlüssig.


Ich kann diesen Gedankengängen von Professor Jarass folgen, vor allem auch deshalb, weil somit Fehlinvestitionen wie der Bau der Starkstromleitung Halle-Schweinfurt, über die wir heute hier reden, vermieden werden könnten und damit auch nötige Stromgelderhöhungen.


Mit dem von uns vorgeschlagenen Modellprojekt hat man dagegen ein Projekt, das Fehlinvestitionen und drohende unnötige Strompreiserhöhungen vermeiden kann. Hochtemperaturseile in Verbindung mit der Temperaturüberwachung, meine sehr verehrten Damen und Herren - das sagen auch die Fachleute - sind besonders gut geeignet, Windenergie zu übertragen. Wir reden hier auch nicht von der Notwendigkeit dieser Trasse, wir reden - und das wurde zumindest immer publiziert - von der Notwendigkeit dieser Trasse, weil Windstrom von Nord nach Süd weitergeleitet werden soll. Bei Starkwind in Norddeutschland könnten grundsätzlich die bestehenden Leitungen nach Süden mehr Leistung übertragen, da sich bei derartigen Windanlagen häufig auch großräumig zusätzliche Kühlungseffekte durch den Wind ergeben. Ich will noch etwas sagen: Es wird im Zusammenhang mit den Hochtemperaturseilen vom Netzbetreiber 50Hertz, aber auch in der DENA-II-Studie die Behauptung aufgestellt, mit der Anwendung dieser Technologie würden sich die Kosten erhöhen. 50Hertz möchte darüber hinaus grundsätzlich auf Hochtemperaturseile auf der von uns vorgeschlagenen Trasse Remptendorf-Redwitz verzichten, weil sie sagen, die Leitung ist erst Anfang der 90er-Jahre gebaut worden. Also da können wir nicht folgen und können auch diese gemachten volkswirtschaftlichen Betrachtungen durch 50Hertz nicht akzeptieren. Dem will ich auch hier energisch widersprechen.


Es ist vielmehr so, meine sehr verehrten Damen und Herren, jetzt wird es etwas fachlich, unsere Studien in Vorbereitung dieses Antrags haben ergeben, für die Übertragung von erneuerbaren Energien ist kein durchgängiger Einsatz von Hochtemperaturseilen erforderlich, sondern eben nur für windgeschützte Leistungsabschnitte mit potenziell hoher Sonneneinstrahlung und für diese meist kurzen Abschnitte ist der Austausch der bestehenden Leiterseile in lastschwachen Zeiten leicht möglich. Das ist ähnlich wie bei Leiterseilreparaturen, weil das vorhin auch noch einmal von Kollegen Worm als nicht möglich, als nicht machbar bezeichnet worden ist. Es stimmt auch nicht, was behauptet wird, dass die Anwendung von Hochtemperaturseilen höhere Masten notwendig macht oder dass man die Masten statisch konstruktiv ertüchtigen muss. Wenn man dies alles berücksichtigt, wird klar, dass die windbedingte, wenn es um den Wind geht, Netzverstärkung durch Hochtemperaturseile auf bestehenden Leitungen nicht teurer, sondern deutlich kostengünstiger ist als der Netzneubau.


Zum Schluss, meine sehr verehrten Damen und Herren, liegt mit dem Antrag meiner Fraktion ein Antrag vor, den Neubau der 380-kV-Leitung über den Thüringer Wald zu stoppen. Die Alternative dazu ist aufgezeigt, Hochtemperaturseile auf der Leitung Remptendorf-Redwitz. Das ist ein Novum für Deutschland, es ist ein neuer Weg, nicht nur technisch. Es ist auch ein neuer Weg, der bekräftigen soll, dass man gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, mit den Städten und Gemeinden und mit den Landkreisen nach Lösungen suchen kann. Meine Fraktion ist davon überzeugt, dass dieses Projekt gelingen kann. Tausende Menschen in Thüringen, in Bayern und anderswo hoffen, dass uns ein solches Projekt gelingt. Ich möchte auch noch einmal mit Deutlichkeit sagen, am Ende gewinnen alle; der Freistaat, weil er den Mut hatte, eine neue Technologie, die der Hochtemperaturseile, im großen Rahmen bei der Stromübertragung im 380-kV-Bereich auf den Weg gebracht zu haben, der Netzbetreiber, weil er im Konsens mit den Einwohnern einen gangbaren Weg gewählt hat, und vor allem die Einwohner und Gäste Thüringens, die ein wichtiges Stück Heimat vor der Zerstörung bewahrt haben. Ich möchte auch noch eins sagen, es ist nicht zu spät, wir haben jetzt noch die Möglichkeit, dies zu tun, eine neue Technologie hier in Thüringen auch auf den Weg zu bringen, auch wenn die Verfahren wie Raumordnungsverfahren und Planfeststellungsverfahren laufen. Man könnte diese Verfahren einstellen, könnte ein neues Verfahren, das wäre dann auch notwendig, wenn man diese Technologie zur Anwendung bringen würde, auf den Weg bringen. Ich kann Ihnen sagen, dieses würde dann auch dazu beitragen, dass wir auf schnellem Wege die Leitungskapazitäten erhöhen könnten, aber auf naturzerstörende Maßnahmen, wie den Neubau der 380 kV-Leitung, verzichten könnten.


(Beifall DIE LINKE)


Präsidentin Diezel:


Vielen Dank Frau Abgeordnete. Sie wollten die Fragen am Ende gestatten. Ich beginne, Herr Abgeordneter Höhn, bitte.


Abgeordneter Höhn, SPD:


Vielen Dank Frau Kollegin, ich wollte Ihnen auch einmal eine Fachfrage stellen. Auch Ihr Vorsitzender hat uns ja gemahnt, wir sollen auf den eigentlichen Kern des Antrags kommen, der dreht sich um den Begriff der Hochtemperaturseile. Können Sie uns sagen, wie hoch denn die Temperaturen sind, mit denen solche Seile betrieben werden müssen?


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Ja, das kann ich. Hochtemperaturseile, da gibt es verschiedene Arten von Hochtemperaturseilen, die auch über einen unterschiedlichen Aufbau verfügen. Hochtemperaturseile können bis zu 200 Grad Celsius beim Stromtransport aushalten.


Präsidentin Diezel:


So viel aus dem Physikunterricht.


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Aber vielleicht wenn Sie möchten, ich kann Ihnen da auch gerne noch zu diesen Technologien auch einiges geben.


(Zwischenruf Abg. Höhn, SPD: Ich habe das da, ich stelle mir das vor, 200 Grad in der Landschaft.)


Das können Sie sich sehr gerne auch anschauen. Noch einmal zu den 200 Grad. Diese Temperaturen erreiche ich ja nicht durchgängig. Windenergie oder überhaupt regenerative Energien sind fluktuierende Energien, das heißt also, ich belaste die Seile mal mehr und auch mal weniger. Gerade bei dieser Art der Energieübertragung bieten sich diese Hochtemperaturseile an, die auch diese Schwankungen, auch mal ganz große Maxpunkte, denn je mehr Strom ich übertrage, je heißer werden dann natürlich auch die Seile. Dann wären gerade diese Seile dazu ausgezeichnet geeignet.


(Zwischenruf Abg. Höhn, SPD: Also müssen wir den Wind einfach erhöhen.)


Präsidentin Diezel:


Vielen Dank. Die Anfrage des Abgeordneten Weber, bitte.


Abgeordneter Weber, SPD:


Frau Kollegin Enders, vor dem Hintergrund der Beschlusslage Ihrer Partei, habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie folgenden Satz gesagt haben: Wir brauchen keinen extensiven Ausbau des bereits engmaschigen Stromnetzes in Deutschland?


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Das haben Sie richtig verstanden und das unterscheidet sich auch in keinster Weise zu dem, was von dem Papier unserer Bundestagsfraktion - hatten Sie jetzt angesprochen - auf den Weg gebracht worden ist. Man muss immer, bevor man - das wird aber hier in dem Falle in keinster Weise getan - einen Neubau beginnt oder überhaupt in Erwägung zieht, natürlich erst einmal auch alle Optimierungsmöglichkeiten prüfen.


(Zwischenruf Abg. Weber, SPD: Sie haben gesagt, wir brauchen keine.)


Es gibt neue Technologien, die können dann in diesem Moment zur Anwendung gebracht werden, deshalb unterscheidet sich das in keiner Weise.


Präsidentin Diezel:


Frau Abgeordnete Mühlbauer hätte noch eine Frage. Gestatten Sie diese?


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Ja.


Abgeordnete Mühlbauer, SPD:


Ich habe auch eine Fachfrage und schließe mich meinem Fraktionsvorsitzenden an. Über die Höchsttemperatur haben wir gerade gesprochen. Ist Ihnen bekannt, dass von diesen Seilen auch Magnetfelder ausgehen? Man kommt ja nicht mit einem dieser Seile bei diesen 400 kV aus. Wissen Sie, wie hoch der Abstand zwischen zwei dieser Seile wäre und wie hoch sich dann die technische Mastanlage ausbilden würde?


Präsidentin Diezel:


Bitte schön.


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Wenn man jetzt das Projekt und die Optimierungsmöglichkeiten prüfen würde, dann müsste man sich auch die Mastproblematik anschauen - wo stehen welche Masten, in welchen Abständen befinden die sich. Es sind die entsprechenden Daten von Vattenfall dann auch an den Hochtemperaturseilhersteller zu liefern und dann können diese Fakten auch im Einzelnen betrachtet werden. Übrigens hatte ich Kontakt mit dem Hochseiltemperaturseilhersteller Hitachi, der hat uns schon mal zur Kenntnis gegeben, welche Fakten auf den Tisch gebracht werden müssen, um das Projekt Remptendorf-Redwitz noch einmal im Einzelnen betrachten und einen Vorschlag machen zu können.

Wie gesagt, wir werden auf jeden Fall - das ist auch ein weiterer Schritt, den auch die Städte und Gemeinden, die Bürgerinitiativen mit der Unterstützung unserer Fraktion gehen werden -, noch einmal eine Debatte, eine Diskussionsrunde in fachlicher Richtung mit Hitachi cable und mit 50Hertz Transmission führen, um zu versuchen, dieses Projekt anzuschieben und auf den Weg zu bringen, denn es würde uns allen positive Effekte bringen.


Präsidentin Diezel:


Gestatten Sie eine weitere Zwischenfrage der Frau Abgeordneten Mühlbauer?


Abgeordnete Mühlbauer, SPD:


Nur die Präzisierung. Sie wissen, dass von diesen Seilen hohe Magnetfelder ausgehen?


Abgeordnete Enders, DIE LINKE:


Von Freileitungsseilen, die wir jetzt im Moment haben, gehen auch Magnetfelder aus, das ist physikalisch so.


(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

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