Katastrophensituation in den Thüringer Wäldern: Soforthilfsprogramm unverzüglich aufsetzen

Tilo Kummer
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Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion der CDU - Drucksache 6/7147

 

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Ja, ich möchte mich den Worten von Egon Primas anschließen. Der Wald in Thüringen stirbt und das ist wirklich eine bittere Botschaft. Und wenn man jetzt draußen den Regen sieht und denkt, dass es vielleicht jetzt doch alles nicht so dramatisch wird: Ich war vor eineinhalb Wochen im Forstamt Heldburg; der Borkenkäfer ist ausgeflogen, bevor es angefangen hat zu regnen. Normalerweise ist es so, dass ein Baum mit seinem Harz sich gegen das Eindringen des Borkenkäfers wehrt. Die Bäume hatten zu dem Zeitpunkt, wo noch der Käfer ausgeflogen ist, kein Harz. Das heißt, die Käfer sitzen unter der Rinde, sie vermehren sich da drin, und ob die Bäume es noch schaffen werden mit dem Wasser, was jetzt runterkommt, was immer noch viel, viel weniger ist als im Frühjahr letzten Jahren, den Borkenkäfer abzuwehren, das steht in den Sternen. Wenn man sich das anguckt, ich finde es schon erschreckend, wenn ich auf der Autobahn hierherkomme aus dem Südthüringer Raum, durch die Region Suhl fahre, wo man immer gesagt hat, da ist die Fichte langzeitmäßig noch sicher, wenn ich sehe, wie von Tag zu Tag die roten Punkte im Wald mehr werden, dann macht es mir einfach nur Angst. Es ist die Frage, ob wir als wirklich reiches Land einfach zugucken wollen, wie unsere Existenzgrundlage kaputtgeht, und der Wald ist unsere Existenzgrundlage. Wir haben im Bereich Schleiz gesehen, dass man Wald schon aufgegeben hat. Da kann man nichts mehr retten. Und wenn man sich die Südhänge der Saale-Kaskade anguckt, da wird am Jahresende kein Baum mehr stehen. Was heißt das gesellschaftlich? Ich rede jetzt nicht von den Kosten für Waldbesitzer. Gesellschaftlich heißt, dass wir dort mit Erosion zu tun haben werden. Irgendwann liegt die Erde, die da bisher auf den Bergen liegt, unten in der Saaletalsperre. Das wird Auswirkungen auf das Gewässer haben, es wird Auswirkungen auf den Wasserhaushalt haben, es wird Auswirkungen auf das Kleinklima in unseren Regionen haben. All das sind die Dinge, die vor uns stehen, wenn wir den Wald verlieren.

 

Meine Damen und Herren, der eine oder andere mag sagen, es sind ja nur die Fichten.

 

(Zwischenruf Abg. Becker, SPD: Es sind ja nicht nur die Fichten!)

 

Die Fichte gehört sicherlich an manchen Standort nicht hin, aber erstens sind es nicht nur die Fichten, da hat Dagmar Becker recht, das Eschentriebsterben ist erst vor kurzem Thema gewesen, die Ulme ist uns vorher ausgefallen, die Kiefer, die Lärche sind genauso auch betroffen von Borkenkäfern. Und wenn ich mir den Zustand der Buche ansehe, die ja eigentlich zu 90 Prozent früher mal Deutschland beheimatet hat, als die Menschen hier noch nicht gewirkt haben, dann ist es fürchterlich, wie die aussieht. Also es weiß auch niemand, ob die Buche es wirklich schafft, unter diesen Bedingungen dauerhaft überall vorhanden zu sein. Und nur die Fichte, will ich auch sagen, Unser Wald ist ein Kulturgut. Wenn man sich anguckt, was um 1800 in Thüringen war, als man die nachhaltige Forstwirtschaft einführen musste, weil man den Wald für die Zwecke der Porzellan- und Glasindustrie gerodet hatte, weil man den Energieträger Holz gebraucht hat. Damals haben Menschen angefangen, völlig kaputte Flächen wieder zu bewalden. Das war eine gewaltige Aufgabe und sie haben das hinbekommen.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg die Borkenkäferkatastrophe, eine ähnliche Geschichte: große Teile des Thüringer Waldes tot und man hat sie mit gewaltigen Kraftanstrengungen wiederbewaldet. Da war die ganze Bevölkerung draußen, um dort wieder Wald zu schaffen. Ich weiß gar nicht, wenn wir wieder zu so einem Punkt kommen, dass die Bäume von den Flächen an den Südhängen fehlen, und mit diesen trockenen Frühjahren, ob wir das schaffen werden, dort Wald wiederzugewinnen. Und das sind die Dinge, wo große Aufgaben vor uns stehen.

 

Wir müssen aus meiner Sicht zuallererst wahnsinnig viel Kraft in den Forstschutz stecken. Da ist ThüringenForst im Moment aus meiner Sicht überfordert, da fehlt uns Personal, denn bei den Flächen, die bisher nicht in der Beförsterung waren, wo die Waldeigentümer unbekannt sind, ist das mit Riesenaufgaben verbunden, weil wir in das Eigentum eingreifen müssen, wenn dort Leute ihre Aufgaben nicht wahrnehmen. Wir haben das Problem – Egon Primas hat auf den versagenden Holzmarkt hingewiesen –, dass Waldeigentümer an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen, weil sie die Forstschutzmaßnahmen nicht mehr aus dem Holzerlös finanzieren können. Da müssen wir einspringen, weil wir sonst unseren Wald verlieren.

 

Und das ist der Punkt, wo ich nur sagen kann: Wir müssen gemeinsam Lösungswege angehen. Unseren Wald aufzugeben, ist unverantwortlich, das werden uns nachfolgende Generationen bitterübel nehmen. Danke schön.

 

(Beifall CDU, DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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