Gegliedertes Schulsystem in Thüringen erhalten

RedenMichaele SojkaBildung

Zum Antrag der Fraktion der FDP – Drucksache 5/3541

 

Ja, Frau Hitzing, Sie haben mit Ihrem FDP-Antrag das gegliederte Schulsystem gerettet und morgen wird die Prügelstrafe wieder eingeführt. Ganz toll!


(Beifall DIE LINKE)


Ich bin äußerst unmotiviert, überhaupt zu diesem Antrag hier vorn zu reden. Ich will Sie auch nicht lange langweilen. Frau Klaubert und ich waren noch vor ein paar Tagen in Kenia und haben uns das dortige Schulsystem angeschaut. Wenn man das miteinander vergleicht, dann steht man hier so neben sich und denkt: In welcher Welt leben wir hier eigentlich? Da kann ich Ihnen nur sagen: Um was es uns gehen soll, ist eine gute Schule. Wenn ich 20 Schüler vor mir habe, dann habe ich die verdammte Pflicht als Pädagoge, für 20 Schüler unterschiedlichen, individuellen Unterricht zu machen. Das haben wir auch einmal gelernt. Da hatten wir noch ein Lehrerbildungsgesetz, was nicht differenziert hat zwischen den einzelnen Schularten. Das erwarte ich von diesem Ministerium eigentlich als allererstes, dass es die Visionen, die man mit einem modernen Schulsystem hat, dann auch mit einem modernen Lehrerbildungsgesetz umsetzt. Das ist das, was unser Schulsystem gefährdet. In Sachsen beispielsweise ist es schon so, dass Lehrerinnen und Lehrer fehlen und dass Gymnasiallehrer, die so ausgebildet sind und wirklich keine Ausbildung dafür haben, in Grundschulen eingesetzt werden. Da geht Qualität kaputt. Was Sie hier mit diesem Antrag machen, das ist wirklich nur die Angst vor der Gemeinschaftsschule, die schüren Sie und zeugen von einem Verharrungswillen, was Schulentwicklung als modernes Teufelszeug anprangert.


Ich habe es auch schon gesagt, eigentlich fehlt nur noch in einem Anstrich die Wiedereinführung der Prügelstrafe. Besuchergruppen wird übrigens auch aus Ihrer Fraktion nach dem Mund geredet. Da bestätigt man dann auch, dass die Trennung nach Klasse 4 viel zu früh sei. Übrigens hört man das auch zum Teil aus der CDU. Immer wird es natürlich im persönlichen Namen genannt und demzufolge denke ich, sind wir uns eigentlich, wenn wir ehrlich zueinander wären, einig, dass gute Schule etwas anderes braucht, als ein gegliedertes Schulsystem. Wenn es nach uns ginge, dann hätten wir bei der Landtagswahl nicht nur ermöglicht, darüber zu reden, sondern wir hätten überlegt, wie man einen Volksentscheid dazu durchführen hätte können, um die Verfassung tatsächlich zu ändern. Die Zweidrittelmehrheit in diesem Hohen Hause, wenn man mal die CDU dazuzählt, wäre ja eigentlich gegeben. Wie sich Schule entwickelt, das kann man in Jena beispielsweise sehen. Ich halte zwar nichts davon, Jena immer als großes Vorbild zu nennen. Aber dort werden mehr Kinder geboren, da werden sogar wieder Schulen gebaut und dort gibt es in absehbarer Zeit tatsächlich keine Regelschulen mehr. Die Trennung nach Klasse 4 ist einfach mittelalterlich. Ich hoffe tatsächlich, dass wir es bald überwunden haben.


Das, was in Thüringen gebraucht wird, sind Neueinstellungen, ist ein neues Lehrerbildungsgesetz, sind auch tatsächlich gute Bedingungen für ein Kompetenznetzwerk. Das wissen Sie, Frau Hitzing, ganz genau, dass das der Sinn der Schule ist. Den Regelschullehrern ist eigentlich egal, wie ihre Schule heißt, sie wollen einfach gute finanzielle und personelle Bedingungen haben. Dafür lohnt es sich zu streiten und nicht um des Kaisers Bart wie in diesem Antrag.


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