Für eine standortgerechte, tiergemäße, umweltschonende und zukunftsfähige landwirtschaftliche Tierhaltung in Thüringen

RedenTilo KummerUmwelt

Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNE - Drucksache 5/3384 -


Danke schön, Frau Präsidentin. Das Motto der Aktuellen Stunde „Für eine standortgerechte, tiergemäße, umweltschonende und zukunftsfähige landwirtschaftliche Tierhaltung in Thüringen“ kann unsere Fraktion voll und ganz teilen.


(Beifall DIE LINKE)


Herr Dr. Augsten, ich sage Ihnen auch, ich bin dankbar, dass Sie zum Beispiel die Forderung der GRÜNEN im Deutschen Bundestag, den Privilegierungstatbestand für die Landwirtschaft, Tierhaltungsanlagen im Außenbereich zu errichten, heute da nicht noch mit reingebracht haben, denn wenn wir über tiergerechte Haltung reden wollen, wozu auch Auslauf gehört, möchte ich nicht wissen, was wir in unseren Dörfern für Bürgerinitiativen hätten, die dann gegen kleine landwirtschaftliche Haltungen, bäuerliche Haltung mit Auslauf bei Schweinen protestieren würden. Das würde ganz anders stinken, als wir es gegenwärtig haben. Von der Warte her haben Sie das draußen gelassen.

Ich bin auch dankbar, dass nicht Schlagworte wie „Massentierhaltung“ und „industrielle Tierhaltung“ vorkamen.


(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Bei Herrn Primas schon.)


Nein, in der Überschrift kamen sie nicht vor.

Da tue ich Ihnen den Gefallen, was Sie von mir erwartet haben, auch zu erfüllen, tiergerechte Haltung hängt in der Regel nicht mit der Zahl der gehaltenen Tiere zusammen. Technikeinsatz in der Produktion, gebe ich zu, ich kenne kleinbäuerliche Landwirtschaft, ich bin dankbar, dass wir Technikeinsatz in der Produktion haben, weil dadurch viel schwere körperliche Arbeit abgeschafft worden ist, die den Menschen damals wirklich das Leben schwer gemacht hat.


Meine Damen und Herren, unsere Fraktion ist für ausgewogene Viehdichten. Da bin ich auch bei Ihnen, Herr Dr. Augsten, es hilft uns nicht, hier fünf Großvieheinheiten auf einem Hektar zu haben und dort 0,2, es gehört die Tierhaltung in regionale Kreisläufe mit hinein.


(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Das ist meine feste Überzeugung, denn nur so kann ich auch eine ausreichende Humusversorgung von Ackerflächen sicherstellen durch Betriebsdünger. Da brauchen wir nicht so viel Kalidünger und würden vielleicht auf anderer Seite etwas weniger Probleme haben. Es ist natürlich auch wichtig, dass wir die regionalen Kreisläufe bei der Weiterveredelung der Produkte weiterdenken. Wir haben eine Große Anfrage zu der Situation der Ernährungswirtschaft in Thüringen gestellt. Hauptproblem, was dort beschrieben wurde, sind fehlende Verarbeitungskapazitäten. Da müssen wir in Thüringen noch ein bisschen was tun. Wir haben einen guten Ruf als Land, was auch tierische Erzeugnisse veredelt. Ich sage auch eins dazu: Ich habe jahrelang in Berlin gelebt, ich war froh, wenn ich eine „echte Thüringer Bratwurst“ bekommen habe und nicht eine, wo sie „mit original Thüringer Majoran“ draufgeschrieben hatten. Die Bratwurst von hier ist ein Qualitätsprodukt und das darf auch exportiert werden. Wichtig ist aber, dass wir wirklich bei der Veredelung im Land etwas davon haben.


Ich wünschte mir, dass wir dementsprechend auch ein paar mehr Tiere halten, um die Selbstversorgung sicherzustellen, um sicherzustellen, dass wir auch von der Veredelung profitieren können. Ich sage mal, das Hauptproblem haben wir hier im Ökolandbau. Dass wir im Ökolandbau so wenig Tierhaltung haben und dementsprechend so wenig Produkte ökologisch gehaltener Tiere anbieten können, das ist für mich ganz, ganz schwierig. Da sage ich auch eins dazu: Wir könnten viel mehr dafür tun, dass Tiere ordentlich gehalten werden, wenn denn mehr Produkte aus Ökolandbau in der Richtung zur Verfügung stünden und wenn der Verbraucher auch öfter auf diese Produkte zurückgreifen würde.


(Beifall DIE LINKE)


Meine Damen und Herren, in dem Zusammenhang noch eines: Man kann ja generell noch einiges tun, um die Lebensbedingungen von Tieren zu verbessern. Es gibt dort noch Defizite, obwohl ich auch sage, die Standards in Deutschland sind sehr hoch, was Tierhaltung angeht, deutlich höher als in vielen Ländern, aus denen wir noch Fleisch importieren. Wie gesagt, es gibt dort noch Bereiche, wo man etwas tun kann, und auch Unfälle, wie sie in Alkersleben stattgefunden haben, müssen vermieden werden. Hier muss Anlagentechnik deutlich verbessert werden, damit so etwas nicht passieren kann.


(Beifall DIE LINKE)


Aber wie ist denn die Situation bei den Erzeugern? Ich möchte hier kurz zitieren, das TBV-Journal. Albert Seifert, Vizepräsident des Bauernverbandes, der übrigens seine Schweine auf Stroh hält, hat hier gesagt: „Im Tal der Tränen können die Sauenhalter und Schweinemäster gemeinsam eine Versammlung abhalten. Schon viele Monate regiert in diesem Bereich das Prinzip ‚Hoffnung auf bessere Zeiten’, doch die sind auch nach der aktuellen Getreideernte nicht in Sicht. Mit 35 € für ein 25 kg schweres Ferkel und 1,53 € je Kilogramm Schlachtgewicht wird kein Geld verdient, sondern verbrannt. Überleben werden nur die Betriebe, die hohe tierische Leistungen mit Kostenmanagement verbinden.“ Solange wie die wirtschaftliche Situation unserer Betriebe durch fehlende Marktmacht, durch Ausnutzung der Marktmacht durch die Handelskonzerne, durch die Handelsketten und aber auch durch das Verbraucherverhalten in Deutschland so ist, werden wir die Schwierigkeiten haben und uns immer wieder mit diesen Fragen auseinandersetzen müssen. Deshalb muss hier dringend etwas getan werden, um die wirtschaftliche Situation unserer Betriebe zu verbessern. Danke.


(Beifall DIE LINKE)


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