Frauen in Thüringen - Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit noch nicht eingelöst hier: Nummern 2 bis 4 2/2
Zum Antrag der Fraktion DIE LINKE – Drucksache 5/4178
Herr Präsident, meine Damen und Herren, es wäre ja schön, wenn wir so engagiert vielleicht auch im Ausschuss diskutiert hätten.
(Zwischenruf aus dem Hause)
Herr Kemmerich, Sie waren da gar nicht da. Ich will über die Gründe nicht reden, aber die Fragen, die Sie hier aufgeworfen haben, das wäre schon gut gewesen, da wäre auch Zeit und Raum gewesen, darüber zu diskutieren. Mir kommt es ein bisschen vor, Herr Präsident, Sie haben die Frage ja aufgeworfen, warum die Männer sich so engagieren, das es ein Stück weit auch die eigene Eitelkeit hier ist, die zur Diskussion führt, die eigentlich mit dem ursprünglichen Thema, nämlich gerechter Entlohnung von Frauen und Männern, relativ wenig zu tun hat. Ich wundere mich auch über die Schärfe, als hier Wahrheiten ausgesprochen wurden, wie da reagiert wurde. Herr Augsten, ich saß ja auch in dem Ausschuss, da war die Debatte schon eine andere, als sich im Abstimmungsverhalten letztendlich niedergeschlagen hat. Ich sage das jetzt mal ganz einfach und ohne Pathos, weil die Frage war ja, kriegen wir das hin, dass wir zu den Punkten 2 und 3 sagen, wird schon alles gemacht, ist alles gut, guter Bericht und es wird gearbeitet, brauchen wir nicht. Und wir, also ich, hatte dann beantragt im Ausschuss, dass wir getrennt zu diesen Punkten 2 und 3 noch einmal abstimmen, weil wir vom Inhalt her zwar eine große Übereinstimmung hatten - Frau Pelke, da gebe ich ausdrücklich recht. Aber in der Schlussfolgerung, ob es sich nun erledigt hat oder nicht, sind wir eben zu einer anderen Auffassung gekommen. Da teile ich die Auffassung, dass wir sagen, es wäre gut gewesen, hier einen anderen Vorschlag für ein Abstimmungsverhalten vom Ausschuss dem Haus vorzuschlagen. Das muss man schon sagen, ansonsten diskutieren wir hier auch ein Stück weit an der Sache vorbei.
Herr Kemmerich, zu einer Sache würde ich gern doch noch einmal kommen, also alles kann man sicherlich nicht beantworten. Aber Frauen leisten Doppeltes, ich will nicht sagen, sie sind in besonderer Weise von Ausbeutung betroffen. Weil sie sichern nämlich die Reproduktion der Arbeit zu Hause und gehen noch arbeiten. Also das ist eine doppelte Leistung. Letztendlich funktioniert ja das in der Gesellschaft nur in Gänze, wenn Männer nach dem alten Schema arbeiten gegangen sind und Geld verdient haben und die Frauen nur die Zuverdienerinnen waren, dann ist ja eine Aufspaltung gewesen, nämlich in familiäre Arbeit, also Reproduktionsarbeit und in Erwerbsarbeit.
Frau Leukefeld, lassen Sie eine Zwischenfrage ...
Abgeordnete Leukefeld, DIE LINKE:
Einen Satz bitte noch. Und deswegen denken wir, dass wir diese künstliche Aufspaltung und diese Arbeitsteilung, von der ich auch gesprochen habe, die einen sind für Haus und Hof und Kinder und Pflege zuständig und die anderen schaffen die Werte und holen den Lohn und das Geld über Erwerbsarbeit rein, dass das wirklich nicht mehr zeitgemäß ist. So, jetzt können Sie mich fragen.
Vielen Dank, Herr Präsident. Frau Leukefeld, können Sie mir kurz erklären, was Sie mit Reproduktion meinen, also ich habe das in meiner Ausbildung nicht gehabt, aber vielleicht haben Sie ein paar Erläuterungen dazu.
Abgeordnete Leukefeld, DIE LINKE:
Ja, vielleicht haben Sie ein paar andere Sachen gelesen als ich gelesen habe. Wenn man Arbeit leistet, muss man auch etwas tun für die Reproduktion, damit man jeden Tag wieder diese Arbeit leisten kann, beispielsweise sich erholen, kleiden, essen, Kultur genießen, sich bilden und so weiter. Das gehört zur Reproduktion der Arbeitskraft (Karl Marx). Das müssen Sie nicht anerkennen, aber das ist notwendig, um letztendlich auch Arbeit verausgaben zu können und Werte zu schaffen und Leistung zu erbringen. Beides gehört zusammen.
(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Diese künstliche Arbeitsteilung ist überfällig. Im Übrigen sind wir auch deshalb für Arbeitszeitverkürzung, weil es sicherlich sinnvoll ist, sich auch für Politik zu engagieren und für eigenes Fortkommen und Weiterbildung und sich überhaupt zu bilden und kulturell zu interessieren, weil die einen werden krank vor Arbeit und die anderen krank deshalb, weil sie nicht mitarbeiten können und nicht in diesem System, in der Gesellschaft integriert sind.
Ein letzter Satz noch mal zu Herrn Bergemann, wenn ich das sagen darf. Natürlich geht es um Freiwilligkeit der Entscheidung. Die Freiheit der Entscheidung setzt aber auch eine existenzielle Absicherung voraus. Wir sind dafür, dass Frauen und auch Männer frei entscheiden können, wie lange sie arbeiten und welcher Arbeit sie nachgehen. Danke schön.
(Beifall DIE LINKE)
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