Fortschreibung der „Thüringer Verordnung über Ausnahmen von den Verboten des § 42 des Bundesnaturschutzgesetzes und zur Übertragung einer Ermächtigung“ 2/2

RedenTilo KummerUmwelt

Zum Antrag der Fraktion der FDP – Drucksache 5/5956

 

Herr Präsident, ich entschuldige mich auch schon vorher, dass ich ein paar Dinge richtigstellen muss. Frau Mühlbauer, es gibt zwei Unterarten des Kormorans in Europa, Phalacrocorax carbo sinensis und Phalacrocorax carbo carbo.


(Heiterkeit im Hause)


Wobei der Sinensis nicht, wie man dem Namen entnehmen könnte aus China stammt, der ist also auch in Europa zu Hause, wobei er in China zum Fischen gefangen wird. Das sind sicherlich Bilder, die einprägsam sind, wer in der Region mal war, die kriegen ein Gummibändchen um den Hals um dann Fische zu fangen, aber so weit sind wir in Europa noch nicht. Eine Thüringer Unterart des Kormorans gibt es definitiv nicht. Der Kormoran hat historisch nicht belegt in Thüringen gebrütet. Also es gibt keine historischen Nachweise für brütende Kormorane hier und es gab mal eine Zusage unserer Landesregierung, dass der Kormoran auch in Thüringen nicht zum Brüten kommen darf.


(Heiterkeit im Hause)


Ja, die Landesregierung hat uns mal zugesagt, dass verhindert wird, dass es hier Brutkolonien von Kormoranen gibt.


(Heiterkeit im Hause)


Soweit zu Zusagen der Landesregierung, dass eine gewisse Skepsis dort angebracht ist.


(Beifall im Hause)


Fakt ist, dass ein Pachtvertrag des damaligen staatlichen Umweltamts Gera mit dem NABU ermöglicht hat, dass sich an den Haselbacher Teichen eine Kormorankolonie, mit der der NABU auch wirbt, ansiedeln konnte, trotz dieser anders lautenden Zusage unserer Landesregierung.


Ich will noch ein paar Dinge aus der Debatte ansprechen. Frau Hitzing, der Kormoran sucht sich nicht Stückchen aus dem Fisch heraus. Der Kormoran schluckt Fische ganz, der hat nämlich gar keine Zähne, um die irgendwie zu zerbeißen.


(Heiterkeit BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Dass der manchmal zugreift und der Fisch ist so groß gewesen, weil der scheint relativ wenig Sättigungsgefühl zu haben und sich manchmal zu überschätzen, und der Fisch ihm entkommt und dann anschließend Spuren vom Schnabel hat, an denen die Fische auch oft zugrunde gehen, das ist eine andere Geschichte.



Vizepräsident Gentzel:


Herr Abgeordneter Kummer, es gibt den Wunsch auf eine Zwischenfrage.



Abgeordneter Kummer, DIE LINKE:


Herr Weber, bitte.



Vizepräsident Gentzel:


Herr Weber, bitte.



Abgeordneter Weber, SPD:


Herr Abgeordneter Kummer, kann ich Ihren Ausführungen richtig entnehmen, dass die 380-kV-Leitung auch gut gegen Kormorane ist?


(Heiterkeit im Hause)



Abgeordneter Kummer, DIE LINKE:


Herr Weber, ich habe mich zur 380-kV-Leitung nicht geäußert und ich glaube nicht, dass Sie die Drähte dort so eng spannen wollen, dass der Kormoran mit seinen Flügelspitzen beide Seiten berühren kann.


(Beifall DIE LINKE)


(Zwischenruf Abg. Ramelow, DIE LINKE: Könntest du da was zu „Wind im Wald“ sagen?)


Herr Ramelow, es werden auch keine Windkraftanlagen in Haselbach installiert werden, denke ich mal.


Ich möchte noch ein Stück weit zum Ernst der Diskussion zurückkommen. Nach meiner Information war der Naturschutzbeirat, Herr Dr. Augsten, mehrheitlich für die Verlängerung der Kormoranverordnung. Dass es unterschiedliche Sichten von unterschiedlichen Naturschützern auf das Problem gibt, ich habe Haselbach eben angesprochen, ich habe aber auch schon an Veranstaltungen teilgenommen, wo NABU-Mitglieder eine ganz andere Position zu Kormoranen vertreten haben, das ist definitiv so.



Vizepräsident Gentzel:


Einen Moment mal, Herr Abgeordneter. Ich bitte mal um etwas mehr Ruhe im Hause.



Abgeordneter Kummer, DIE LINKE:


Ich habe auch schon an einer Veranstaltung teilgenommen, wo von einem NABU-Mitglied darauf hingewiesen wurde, dass gerade die Kormorane, die aus Norwegen zu uns kommen, mit Parasiten befallen sind, das ist da auch mit hervorragenden Bildern dargestellt worden, die bei uns in den Gewässern bisher nicht vorkamen und die massive Auswirkungen auch auf die Fischfauna unserer Gewässer haben könnten. Also Dinge, die dort noch eine Rolle spielen. Es ist wirklich keine einfache Debatte und es geht hier nicht vor allem um Schäden materieller Art in Gewässern. Sie hatten das vorhin so angesprochen. Sicherlich steht in unserer Kormoranverordnung, dass er geschossen werden kann, um fischereiwirtschaftliche Schäden abzuwenden. Da geht es aber nicht um das natürliche Gewässer. Da geht es um die Anlage eines Fischereibetriebes, um einen Karpfenteich, wo der Kormoran, wenn er dort in Größenordnungen einfällt, eben alle zweijährigen Karpfen raus fängt oder den Bestand zumindest so angreift, dass die Tiere alle nicht mehr vermarktbar sind durch den massiven Stress, den sie hatten, durch die Verletzungen, die dort, weil der Kormoran ja auch in Gruppen jagt, hervorgerufen wurden.


Aber das andere, was wir zum Glück mit in die Verordnung mit aufgenommen haben, das ist der Schutz heimischer Tiere. Das ist das wesentliche, worum es beim natürlichen Gewässer geht. Denn im natürlichen Gewässer kann niemandem, keinem Menschen, ein Schaden entstehen, auch wenn ein Anglerverband vorher Fische eingesetzt hat. Fische in einem natürlichen Gewässer gehören nur sich selbst. Erst wenn sie sich jemand rechtmäßig angeeignet hat, kann er sie sein Eigentum nennen. Das war auch der Grund, warum wir damals mit einer Fischseuchenkasse scheiterten, weshalb es jetzt in Heyda zum Beispiel keine Entschädigung aus einer Fischseuchenkasse geben kann. Rechtlich geht das nicht. Der Fisch gehört dort nur sich selbst. Deshalb gibt es auch keinen fischereiwirtschaftlichen Schaden am natürlichen Gewässer.


Ich will trotzdem zu der Frage Schaden eines deutlich machen: Die letzte Ilmesche, wenn die gefangen ist und wir ihre genetische Anpassung an das Gewässer Ilm damit verloren haben, die über Jahrtausende entstanden ist, ist das ein gesellschaftlicher Schaden, der unwiederbringlich ist, deshalb muss es Maßnahmen gegen den Kormoran geben. Danke schön.


(Beifall CDU, DIE LINKE, SPD, FDP)


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