Fortführung des Projektes „Berufsstart plus“ an Thüringer Schulen im Rahmen der „Landesstrategie zur praxisnahen Berufsorientierung“
Zum Antrag der Fraktionen der CDU und der SPD – Drucksache 5/6125
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Herr Minister, Danke schön für den Sofortbericht. Auf Einzelheiten werde ich auch noch zu sprechen kommen. Fakt ist eins, Zukunftsfragen sind ganz wichtige Fragen und wir haben ja hier in diesem Haus nicht zum ersten Mal über Chancen für junge Menschen gesprochen, hier in Thüringen eine gute Bildung, eine gute Ausbildung und letztendlich auch eine gute Arbeit zu finden. In diesem Kontext ist auch unser Antrag zu sehen als Alternativantrag. Sie werden ja feststellen, dass er sich gar nicht so grundlegend von dem Antrag von CDU und SPD unterscheidet, weil wir der Auffassung sind - das haben Sie ja auch gesagt -, dass sich zwar die Situation für Schulabgänger im Land Thüringen aufgrund der veränderten Wirtschaftssituation, Fachkräftebedarf usw. verbessert hat, aber trotzdem gibt es ja noch eine ganze Reihe von Problemen, die man schon auch sehen muss, wie jungen Menschen hier eine berufliche Entwicklung, eine berufliche Perspektive unter optimalen Bedingungen anzubieten ist.
Ich will vielleicht noch einmal zwei Problemkreise hier nennen: Das eine ist natürlich die hohe Zahl der Abbrüche bzw. der Vertragslösungen, die wir zu verzeichnen haben. Wenn man sich das einmal anschaut, also bei Ausbildungsverträgen, über 40 Prozent bei Frisören und Tischlern. Besonders betroffen ist auch der Hotel- und Gaststättenbereich. Aber Ursachen suchen ist, glaube ich, jetzt nicht bei diesem Antrag die entscheidende Seite. Wichtig ist, dass in diesem Kontext natürlich eine Berufsorientierung tatsächlich langfristig und strategisch angelegt sein muss. Da sind die Beispiele, die Sie benannt haben, insbesondere das seit 10 Jahren funktionierende „BERUFSSTART plus“ gute Ansatzpunkte, um in diesem Prozess weiter voranzukommen.
Deswegen sagen wir - und das ist eigentlich auch von Ihrem Ministerium betont worden in den letzten Jahren -, ja, wir wollen eine Standardförderung. Im Grunde genommen haben wir uns sogar einer Formulierungen von Ihnen angeschlossen, weil wir eigentlich - das wäre auch rückwirkend nachzulesen - immer eine Regelförderung verlangt haben. Das will eigentlich nichts anderes sagen als: Wir unterstützen die Entwicklung einer Struktur der Berufsorientierung, die allen Schülerinnen und Schülern ab 7. Klasse im Land Thüringen zugutekommt. Dafür müssen wir die Mittel der Bundesagentur für Arbeit nutzen, dafür wird der Europäische Sozialfonds genutzt und dafür - so jedenfalls meinen wir - sollte in Zukunft Landesförderung fest implementiert werden. Sie haben gesagt, das ist zumindest - und so wissen wir das auch - bis 2013 gesichert. Deswegen sagen wir: Lasst uns doch bis 2014 bis zum Ende des Schuljahrs „BERUFSSTART plus“ fortsetzen und danach mit Landesförderung für alle eine Struktur schaffen.
Zweitens - und das ist der Unterschied zum vorliegenden Antrag von CDU und SPD - wollen wir einen klaren Auftrag zur Standardleistung der Berufsorientierung und zur Schaffung einer Struktur erteilen und wir wollen drittens Bildungsbegleiter in die Struktur implementieren.
Es hat diese Untersuchung gegeben, diese Evaluation von IAB, die gemacht wurde. Da gibt es auch ein paar kritische Fragen, die dort gestellt wurden. Aus unserer Sicht ist das Projekt „BERUFSSTART plus“ insofern unverzichtbar, da es für Schüler, Lehrer, Eltern und Betriebe eine klare Struktur und Ansprechpartner stellt. Es hat den Anspruch, allen Schülern praktische Erfahrungen zu verschaffen, sie individuell zu beraten und - das ist uns auch sehr wichtig - sie bis zur Übernahme eines Ausbildungsplatzes zu begleiten. Das heißt, es wird hier eine sehr enge Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft von vornherein vorausgesetzt und bekräftigt, gefördert. Das ist uns sehr wichtig.
Wir haben vorgeschlagen, dass dieser Antrag weiterdiskutiert werden sollte. Die Wirtschaft, gerade die Südthüringer Wirtschaft, hat das auch noch einmal bekräftigt mit einem Schreiben auf ihrer Wirtschaftskonferenz an den Wirtschaftsminister, das im Juni übergeben wurde. Wir bitten Sie auch, insofern sehr sensibel mit den Anträgen umzugehen und würden auch vorschlagen, diese noch einmal in den Bildungsausschuss und auch in den Wirtschaftsausschuss zu überweisen, weil wir die große Chance sehen, dass Thüringen hier über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt, indem strukturell und auch finanziell im Landeshaushalt perspektivisch dieses Programm der Berufsorientierung verbindlich für alle Schülerinnen und Schüler festgelegt werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt ist es sicherlich sinnvoll, hier noch weiterzudiskutieren, die Erfahrungen, die auch in anderen Projekten gemacht wurden, zu beraten und zu überlegen, wie man alle guten Dinge zusammenfasst in einer verbindlichen Strategie, die nach 2014 weitergeht. Vielleicht als letzten Satz noch mal: Sie haben hier mehrfach über die Landesstrategie gesprochen, die ja durch die Arbeitsgruppe oder den Begleitausschuss auch erarbeitet wurde. Die kennt hier niemand. Das ist insofern bedauerlich, weil wir das natürlich gerne auch zur Kenntnis nehmen und mitdiskutieren würden und das ließe sich ja dann wahrscheinlich in einer fortgesetzten Diskussion in beiden Ausschüssen im Zusammenhang auch mit dem Entwurf der Landesstrategie tun. Ansonsten denke ich, dass das Berichtsersuchen hier aus unserer Sicht erfüllt ist. Herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE)
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