Eiweißversorgung für Mensch und Tier reregionalisieren - Leguminosenanbau und ‑forschung forcieren
Zum Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 5/4354
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Ich glaube, das war für einen ganzen Teil der Kolleginnen und Kollegen hier im Haus etwas anstrengend bisher. Ich will es zur Erläuterung noch mal sagen, Leguminosen, das sind Hülsenfrüchte, die an ihren Wurzeln diese kleinen Knöllchenbakterien haben. Vielleicht kann sich der eine oder andere noch an den Biologieunterricht erinnern. Diese Knöllchenbakterien ermöglichen, dass Luftstickstoff in Eiweiß umgewandelt werden kann. Deshalb sind sie so wichtig - das können andere Pflanzen nicht - und deshalb spielen sie in der menschlichen Ernährung und auch in der Tierernährung eine solch hervorragende Rolle.
Ich möchte meine Ausführungen mit einem Zitat von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen beginnen: „Eine Betrachtung, Verfolgung und Förderung der gesamten Wertschöpfungskette von Anbau, Handel und Verarbeitung im engen Schulterschluss von Züchtung, Landwirtschaft, einschließlich Verbänden, Wissenschaft und Politik, erscheint als einzig erfolgversprechende Option. Auch in Deutschland arbeitet aufgrund der vielen positiven Wirkungen die Zeit für die heimischen Körnerleguminosen, wenn sie bis dahin in Züchtung und Anbau nicht ausgestorben sind.“ Das ist die Realität, die wir leider zur Kenntnis nehmen müssen. Wir waren in der Hinsicht schon einmal viel, viel weiter. Sicherlich vor allem auch in den 30er-Jahren, als die Wünsche einer fleischlichen Ernährung größer waren, als es dann vielleicht auch Probleme im Welthandel gab, hat man große Anstrengungen in Deutschland unternommen, um Hülsenfrüchte zu produzieren. Es gab damals wichtige Forschungsarbeiten, gerade auch in Thüringen zu Soja. Es gab auch wichtige Forschungsarbeiten zum Beispiel zur Lupine, um deren eiweißreichen Früchte sinnvoll in der Ernährung einsetzen zu können, auch in der tierischen Ernährung und der menschlichen Ernährung. Diese Arbeiten sind eigentlich bis Ende der DDR-Zeiten fortgesetzt worden.
Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft - Herr Staatssekretär ist auf ihr Engagement ab dem Jahr 2011 eingegangen - hat aber in ihrer Tradition hier auch schon früher wesentliche Ergebnisse geliefert. Wir hatten quasi ein anbaufähiges Soja in Thüringen und dieses anbaufähige Soja haben wir nach Österreich verkauft, nachdem die weiteren Forschungsarbeiten in Thüringen nicht weiterlaufen konnten. Inzwischen wird in Österreich Soja angebaut, inzwischen wird in Schweden Soja angebaut, Länder, die klimatisch von den Bedingungen her nicht besser geeignet sind als wir. Man ist uns dort deutlich voraus, obwohl die wissenschaftlichen Grundlagen dafür unter anderem in Jena geliefert wurden. Das ist eine bedauerliche Entwicklung und ich hoffe, dass wir ein Stück weit an das, was wir in Thüringen schon einmal hatten, wieder anknüpfen können. Es ist dringend erforderlich.
(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Meine Damen und Herren, in beiden Anträgen - von der Koalition und von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - ist dargestellt worden, welche Auswirkungen es hat, dass wir innerhalb der EU, dass wir innerhalb von Deutschland einen wesentlich Teil der Tierfuttermittel nicht selbst produzieren können, sondern sie hier herholen. Ein Drittel der Eiweißfuttermittel werden nur in Europa selbst hergestellt für die europäische Landwirtschaft. Das liegt aber eben nicht nur an falschen strategischen Weichenstellungen; es liegt unter anderem am Tiermehlverbot, das muss man auch noch deutlich sagen infolge der BSE-Krise, die Diskussion hatten wir hier auch schon einmal. Ich denke, es ist dringend notwendig, dass gerade für Schweine, für Hühner Tiermehl wieder zur Tierernährung herangezogen werden kann, auch wegen der günstigen Aminosäurezusammensetzung und weil Tiermehl eben ein sehr, sehr wichtiges Gut ist, was einfach zu schade ist, um wie bisher in Zementöfen verbrannt zu werden. Damit ließe sich ein großer Teil des Eiweißfutterproblems, gerade für diese Tierarten, die dringend auf tierisches Eiweiß angewiesen sind, von der Aminosäurezusammensetzung lösen.
Der zweite Fakt ist, dass Soja eine bessere Aminosäurezusammensetzung hat, als die anderen einheimischen Eiweißfuttermittel und dementsprechend in der Tierernährung einfach günstiger zu verwenden ist. Ich kenne das selber aus der Fischerei. Da hat man alles Mögliche versucht zur Fischproduktion, um dort Fischmehl zu ersetzen und wenn man dann sieht, wie viel Eiweiß verfüttert werden muss, um überhaupt noch irgendwelche Effekte zu haben, wie schlecht die Verwertungsmöglichkeiten sind, wie groß damit auch verbunden Umweltbelastungen sind, weil die Ausscheidungen dann von nicht verwertbarem Eiweiß relativ groß sind, dann wird einem klar, dass hier keine einfachen Antworten möglich sind. Von der Warte her brauchen wir sicherlich noch viel Forschung und wir müssen überlegen, wie können wir die knappen Rohstoffe dieser Welt am effizientesten einsetzen.
Das Tiermehlverbot führte unter anderem dazu, dass zum Beispiel viel mehr Fischmehl in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Es geht nicht nur um Soja, es geht auch um die Frage Überfischung der Weltmeere, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt, und auch hier brauchen wir Ersatz und ich sehe diesen Ersatz nicht nur in einheimischen Hülsenfrüchten, ich sehe diesen Ersatz unter anderem auch in Hefen. Das sind ganz spannende Entwicklungen, was dort in der letzten Zeit auch sichtbar wird, und wie gesagt, wir werden auch über die Frage Züchtung von Soja in Zukunft weiter reden müssen, vielleicht auch über eine ganze Reihe von anderen Hülsenfrüchten, die bis jetzt noch gar nicht so sehr im Fokus sind, weil wir eben wirklich sehen müssen, wie ist denn das Eiweiß in diesen Hülsenfrüchten zusammengesetzt.
Meine Damen und Herren, ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Anträge ist aber auch die Frage der Fruchtfolge in der Thüringer Landwirtschaft. Die hat sich in den letzten Jahren immer stärker zum Getreide hin verändert. Es ist quasi in weiten Teilen keine wirkliche Fruchtfolge, so wie man sie klassisch kennt, mehr gegeben und da spielen natürlich Hülsenfrüchte eine wesentliche Rolle und dementsprechend ist das dringend zu unterstützen, dass sie wieder stärker auf die Fläche kommen. Ich glaube aber nicht, dass es günstig ist, wie im Antrag der GRÜNEN gefordert, hier über das Ordnungsrecht vorzugehen. Denn in dem Moment, wo das Ordnungsrecht gilt, wo wir also per Ordnungsrecht vorschreiben, dass ein gewisser Anteil an Hülsenfrüchten in der Fruchtfolge drin zu sein hat, kann ich sie nicht mehr fördern. Wir wissen, wie die Einnahmesituationen in der Landeswirtschaft sind, die Betriebe sind massiv belastet. Die Frage ist, inwieweit können wir sie stützen? Ich glaube, mit dem Ordnungsrecht werden wir Sie nicht stützen, denn dieses Ordnungsrecht gilt in anderen Ländern nicht, mit denen unsere Betriebe im Wettbewerb stehen. Deshalb, denke ich, ist das ein falscher Weg. Wir sollten wirklich sehen, wie man günstigere Voraussetzungen schaffen kann, wie man auch günstigere Sorten anbieten kann. In Sortenzucht könnte Thüringen Geld stecken, die Möglichkeiten sehe ich auch mit bestehenden Förderprogrammen, da brauch man nicht erst die neue Förderperiode der EU abzuwarten. Deshalb, glaube ich, haben wir hier die wichtigsten Möglichkeiten.
Die Frage energetische und stoffliche Verwertung von Leguminosen sehe ich auch nicht, da gebe ich Herrn Staatssekretär auch ausdrücklich recht. Wir haben sie so wenig in der Fruchtfolge und wir brauchen sie so sehr in der Ernährung, auch in der Tierernährung, auch in der menschlichen Ernährung, dass da eigentlich das im Vordergrund stehen sollte und nicht die energetische und stoffliche Verwertung, aber da wird Dr. Augsten sicherlich noch ein paar Worte dazu sagen. Die Verarbeitung zu Lebensmitteln, ich habe ein bisschen gelächelt, Erbsen, Bohnen, Linsen sind eigentlich etwas was jeder im täglichen Haushalt kennt, wo natürlich die Frage nicht so wirklich ansteht, Verarbeitung. Gut, wir haben wenig Verarbeitungskapazitäten in der Richtung in Thüringen. Da sollte man sicherlich darüber nachdenken, inwieweit man die wieder die aufstocken kann. Aber, ich glaube, die Tofuproduktion in Thüringen wird sicherlich nicht das sein, was in der nächsten Zeit hier so sonderlich vorangetrieben werden muss.
Was ich beim GRÜNEN-Antrag ganz klar unterstützen möchte, ist die Kennzeichnungspflicht für Tiere, die mit genveränderten Produkten gefüttert wurden. Ich glaube, das sind wir den Verbrauchern schuldig. Das wird auch gewünscht. Das sollte klar mit unterstützt werden. Ich wünsche mir für beide Anträge, dass sie an den Ausschuss für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt- und Naturschutz überwiesen werden, damit wir z.B. die Frage Tiermehl hier noch einmal mit aufnehmen können und uns im Gesamtkomplex noch einmal unterhalten können. Danke schön.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
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