Drogenabhängige Schwangere und Mütter in Thüringen
Zum Antrag der Fraktion der CDU - Drucksache 6/3413
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, also ich bin jetzt im Verlauf der Diskussion doch ein bisschen erschrocken, was hier aus so einem Thema plötzlich gemacht wird und wie dann hier
(Zwischenruf Abg. Meißner, CDU: Wir auch!)
– nein, nein, nicht ganz so einfach, man muss zuhören –,
(Zwischenruf Abg. Meißner, CDU: Genau!)
wie dann auch aus so einem Thema eine Klassenkampfdiskussion gemacht wird.
(Unruhe CDU)
Wir sind uns, glaube ich, alle einig – und das möchte ich jetzt mal sagen in Vorbereitung –, dass wir das im Ausschuss sachlich diskutieren.
(Beifall DIE LINKE)
Was Drogen betrifft, da ist Crystal für mich eine der schlimmsten, die es gibt.
(Zwischenruf Abg. Meißner, CDU: Richtig!)
Es ist ja bekannt, dass ich auch noch einen Betrieb habe, und wir haben auch Schulbegleiter, und ich habe jetzt ein Kind übernommen, ohne dass ich da jetzt gegen irgendeinen Datenschutz verstoße, das ist ein Kind, die Mutter hat es mit 17 Jahren zur Welt gebracht und ist Crystal-abhängig. Das Kind geht in die erste Klasse, ist nicht schulfähig. Wenn man diesen Bericht liest, da möchte man eigentlich das Kind in den Arm nehmen und dem Kind Liebe geben, weil er das nie hatte. Aber das geht nicht, weil das Kind das nicht zulässt. Und wo ist das Kind jetzt? Im Heim. Was ich damit sagen will, es ist ein Problem. Wir haben aber auch noch weitere Kinder, da sind die Eltern nicht Crystal-abhängig, die haben aber auch emotional-soziale Entwicklungsstörungen. Ich wollte nur sagen, Crystal ist für mich zurzeit die schlimmste Droge. Ich bin kein Fachmann, deshalb habe ich auch nicht gesprochen. Die Rede von meiner Kollegin habe ich als gut empfunden,
(Zwischenruf Abg. Kuschel, DIE LINKE: Jawohl! Die war nicht gut, die war sehr gut! Hervorragend!)
aber ich finde auch, und das sage ich jetzt als Gesundheitspolitiker, Drogen haben auch eine gesellschaftliche Ursache. Das steht fest. Drogen haben eine gesellschaftliche Ursache.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
(Unruhe CDU)
Und wenn wir nicht an diese Symptome, an diese gesellschaftlichen Ursachen herangehen, und ich weiß, wie schwer das ist, und das Schlimme ist, mit Drogen kann man Geld verdienen, das ist ja das Schlimme an dieser Sache. Solange wir nicht diese Ursachen beseitigen und die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten beseitigen, solange werden wir es immer mit solchen Problemen zu tun haben. Das ist Fakt! Aber wir müssen uns diesem Problem stellen.
(Zwischenruf Abg. Zippel, CDU: Natürlich! Das streitet doch keiner ab!)
Und das soll noch eine abschließende Bemerkung sein, weil da kann es auch sein, Frau Meißner, ich habe Sie nicht richtig verstanden. Für mich ist es in der Drogendiskussion auch eine pure Heuchelei, die in der Gesellschaft gemacht wird. Die Droge Nummer 1, Alkohol, darüber spricht kein Mensch.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Warum spricht kein Mensch über die Droge Alkohol? Weil der Staat an der Droge Alkohol Geld verdient. Und das finde ich genauso schändlich und ich möchte einfach hier jetzt an dieser Stelle darum bitten, dass wir abrüsten im Interesse der betroffenen Kinder und im Interesse der betroffenen Mütter. Und da muss ich auch gucken, da bin ich wieder bei gesellschaftlichen Verhältnissen: Wo kommen die Mütter her? Die sind aber auch nicht nur immer aus prekären Verhältnissen, wenn das manche glauben. Und was Drogen angeht, solche Jugendlichen kommen nicht nur aus armen Familien. Wir sollten hier eine sachliche Diskussion darüber in dem Ausschuss führen.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
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