Biosphärenreservat Thüringer Wald – Zukunft wird von Mensch und Natur gemeinsam gemacht

RedenTilo KummerUmwelt

Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 6/3612


Vielen Dank, Herr Präsident und vielen Dank an Bündnis 90/Die Grünen für das heutige Thema. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die UNESCO hat Biosphärenreservate eingeführt als ein weltweites Netzwerk an Orten, wo der Mensch beispielhaft in einer intakten Natur lebt und wirtschaftet. Diese Beispielorte soll man sich angucken können, um daraus für andere Regionen Schlussfolgerungen zu ziehen, damit wir insgesamt zu einer nachhaltigen Entwicklung kommen. Das Biosphärenreservat Vessertal war zusammen mit dem Biosphärenreservat Mittlere Elbe das älteste Biosphärenreservat Deutschlands, noch auf den Weg gebracht von der DDR. Deshalb haben wir dort auf eine lange Tradition zurückzublicken und auch auf eine lange Entwicklung, die mit der Erweiterung entsprechend auf einen neuen Weg gebracht wurde. Die Erweiterung, meine Damen und Herren, war notwendig, weil die UNESCO Kriterien für Biosphärenreservate festgelegt hat, denen das Vessertal nicht mehr entsprach: mindestens 30.000 Hektar und es sollte eine herausgehobene Biosphärenreservatsinformation geben. Frau Tasch, Sie haben gerade das Engagement der CDU so massiv gelobt, ich kann mich noch gut erinnern, im Jahr 2009, als wir hofften, dass die Biosphärenreservatsinformation endlich am Bahnhof Rennsteig auf den Weg gebracht wird, wo sich der Rennsteigbahn-Verein massiv engagiert hat, wo es nur noch an einer Verkehrsbestellung für die Rennsteigbahn hing und die dann am zuständigen Verkehrsministerium scheiterte. Wir standen vor einem Scherbenhaufen und wir sahen den Verlust des Biosphärenreservatstatus quasi vor uns. Dass man inzwischen einen anderen Weg gefunden, dass die UNESCO nachgiebig war und die Fristen nicht ganz so eingetrommelt hat, wie sie gegeben waren, das ist ein dankenswerter Zustand, sodass wir also heute die Chance haben, mit dem erweiterten Biosphärenreservat zu starten.


Der Moderationsprozess ist angesprochen worden, ich hätte mir bei der Moderation noch ein paar mehr Leute von vor Ort gewünscht, weil manchmal doch die Kunde der Region vor Ort relativ spärlich war, aber zumindest sind die Gemeinden, sind die Menschen in der Region gut eingebunden worden. Sie haben miteinander besprochen, was sie mit diesem Biosphärenreservat in Zukunft wollen und sind deshalb gemeinsam dazu gekommen, wie die neue Gebietskulisse aussehen soll. Das ist beim Biosphärenreservat wichtig, weil die UNESCO das Kriterium der Einstimmigkeit kennt. Die Gemeinden müssen alle zustimmen. Wenn sie nicht zustimmen, fällt es aus. Das ist hier gelungen. Vielen Dank dafür. Ich hätte mir aber gewünscht, dass die naturschutzfachliche Grundlage für die Frage Kernzonen/Pflegezonen eine bessere gewesen wäre. Es hat noch vor der Ausweisung des Biosphärenreservats Vessertal eine Erfassung des Arteninventars gegeben. Da sind viele Menschen unterwegs gewesen, haben in Folienzelten Insekten abgesammelt und, und, und. Dieses Arteninventar, was erfasst wurde, liegt noch heute im Naturkundemuseum in Gotha, es liegen Mäuse in Jena. Die sind noch nicht fertig bestimmt. Wenn man eine Erweiterung angeht, hätte ich mir gewünscht, dass man erstens das Erstinventar fertig auswertet und zweitens dann auch mal guckt, wie es denn heute aussieht, wie unsere Schutzinstrumente gewirkt haben und was wir verändern müssen, um zu einem besseren Schutz zu kommen. Das hat leider nicht stattgefunden. Ich hoffe, dass wir die wissenschaftliche Begleitung des Biosphärenreservats in Zukunft verbessern können.

Meine Damen und Herren, bezüglich der Wirkung des Biosphärenreservats für den Menschen, glaube ich, müssen wir auch noch einmal gucken, was wir verbessern können, damit Biosphärenreservate eben auch besser ausstrahlen. Es war, glaube ich, beispielhaft, dass Roberto Kobelt so viel über die Produkte des Biosphärenreservats Rhön gesprochen hat, ein Biosphärenreservat, das deutlich jünger ist. Die Produkte – die Bionade – werden nicht in Thüringen hergestellt, im thüringischen Teil des Biosphärenreservats. Woran liegt das? Es liegt einfach daran, dass wir die Urproduktion in unserem Biosphärenreservat nicht genügend in Wert setzen. Ich wünsche mir ein spezifisches Förderprogramm dafür, damit wir eben mit dem punkten können, was dort passiert, damit Menschen dort auch wirklich bessere Arbeitsbedingungen finden können, damit die Wertschöpfungsketten verlängert werden. Ich glaube, das können wir gemeinsam auf den Weg bringen, dann strahlen Biosphärenreservate auch ganz anders in die Region aus. Wir würden die Leistungsfähigkeit der Regionen verbessern.

Ich muss auch sagen: Die Tourismusentwicklung im Biosphärenreservat Vessertal war so gigantisch nicht. Auch da kann man noch viel tun, aber dafür braucht man eine In-Wert-Setzung. Ich möchte der Verwaltung des Biosphärenreservats Vessertal ganz herzlich für die geleistete Arbeit danken. Die haben eine tolle Arbeit gemacht.


(Beifall SPD)


Beispielhaft als einen Leuchtturm möchte ich das Rennsteigticket benennen, das in der letzten Zeit auf den Weg gebracht wurde. Da ist viel passiert. Ich freue mich auf die künftige Zusammenarbeit auch mit dem Naturpark Thüringer Wald, denn mit dieser Verordnung erfolgt jetzt die Integration des Biosphärenreservats in den Naturpark. Das hat es früher nicht gegeben. Ich glaube, daraus ergeben sich Effizienzmöglichkeiten und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Das sollten wir nutzen, um die Region voranzubringen. Danke schön.


(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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