Biomasse in der Diskussion - Konsequenzen für Thüringen?

RedenTilo KummerUmwelt

Zum Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 5/5075

 

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Der Grund, warum ich vorgegangen bin, ist die Tatsache, dass man aus Biomasse nicht nur Bioenergie machen kann. Biomasse kann man auch stofflich verwerten und Thüringen war das Land, was mit der Messe Narotech gerade auf diesen Umstand ganz besonders hingewiesen hat. Man kann zum Beispiel aus Biomasse Kunststoffe herstellen, man kann Dämmmaterial herstellen und gerade bei der Frage Holznutzung haben wir uns schon immer für Kaskadennutzung ausgesprochen.


Meine Damen und Herren, das muss dabei betrachtet werden, wenn man die Frage stellt, wie viel Energie können wir denn aus Biomasse zur Verfügung stellen. Wenn ich dann höre, über 20 Prozent, dann bin ich eben skeptisch. Dann sagt unsere Fraktion zuallererst ist eigentlich die stoffliche Nutzung von Biomasse in Betracht zu ziehen und nicht die energetische. Deshalb muss man über diese Zahl einfach nachdenken.


Ein anderer Punkt, den ich noch mit ansprechen möchte, Herr Dr. Augsten, Sie haben Herrn Primas vorgeworfen, er wäre gegen Bioethanol - das habe ich nicht gehört. Er hat sich klar gegen E10 ausgesprochen, weil er gesagt hat, durch die Beimischung kommt es eigentlich zu Verwerfungen und zu massivem Import. Ich will dazu nur sagen, als wir in Zeitz waren, war ein klares Ergebnis am Ende der Tagesordnung, dass eigentlich E85 das wäre, also ein 85-prozentiger Ethanolanteil in regionalem Sprit, wo wir unsere Kreisläufe damit bedienen, wo wir für uns die Wertschöpfung sichern, das sollte das Ziel sein. Wenn ich mir ansehe, die EU-Richtlinie, die jetzt vorliegt, die schon wieder dafür sorgt, dass unsere Rübenbauern ihre Rübe nicht mehr anbauen können, dann sind das eigentlich die großen Verwerfungen. Wir können unsere Fruchtfolge deutlich verbessern, wenn wir die Zuckerrübe mehr für die Energieproduktion verwenden und auch mehr für die stoffliche Produktion.


(Zwischenruf Abg. Döring, SPD: Genau.)


Denn die EU hat sich ja verpflichtet, dass wir Zuckerrohr-Zucker einführen statt unserem Rübenzucker und wir müssen unseren Rübenbauern doch irgendwo eine Perspektive geben. Es kann doch nicht sein, dass wir irgendwann einmal 80 Prozent Getreideanbau in Thüringen haben. Da kann die Rübe einen wesentlichen Beitrag liefern. Sie ist die Pflanze, die die höchste Energieproduktion von der Fläche bringt. Das darf man auch nicht vergessen.


Meine Damen und Herren, bei der Frage „Energie aus Biomasse“ steht für mich zuallererst die Effizienzfrage. Da muss man feststellen, dass eine Windkraftanlage so viel Energie erzeugt wie 400 Hektar Raps für die Biodieselproduktion. Wenn man sich diese Zahl einfach einmal vorstellt, da muss man doch überlegen, wie setze ich Bioenergie am effizientesten ein. Da, Herr Minister Reinholz, muss ich ganz klar zu Ihnen sagen, die Aussage, Bioenergie ist grundlastfähig, die kann ich inzwischen nicht mehr hören. Wir haben so viel Zubau gehabt im Bereich Solarenergie und im Bereich Windenergie, dass wir bei beiden Energieformen inzwischen Bereiche haben, wo Sie den Gesamtenergiebedarf decken. Ich brauche dringend etwas dazwischen, was dann zur Verfügung steht, wenn weder Strom aus Solar- noch aus Windkraft zur Verfügung steht. Das muss die Biomasse sein. Da kann die Biomasse zur Verfügung stehen, weil sie eben speicherbar ist, und das nahezu ohne Verluste. Da muss ich aber das EEG massiv umändern, denn ich muss Anreize dafür schaffen, dass die Anlagen nicht 8.000 Stunden durchlaufen. Aber genau das hat das EEG 2012 weiter fortgeführt wie bisher.


(Beifall Abg. Kemmerich, FDP)


Die Anlagen laufen rund um die Uhr und es werden auch nur solche Anlagen erworben und es werden diese Anlagen für 20 Jahre konzipiert. Aber wie wird denn unsere Energieversorgung in 20 Jahren aussehen,


(Beifall Abg. Kemmerich, FDP)


wenn wir jetzt nicht endlich anfangen zu diskutieren. Eigentlich brauche ich in der Biogasanlage einen Tauchsieder drin, der, wenn zu viel Strom im Netz ist, diesen Strom aufnimmt und den Fermenter hochheizt, damit ich die Gasproduktion für den Speicher verwenden kann. Solche Fragen müssten wir stellen. Es müssten Generatoren dorthin, die kurzfristig laufen und nicht auf 8.000 Stunden Dauerlauf eingerichtet sind. Diese Fragen wünsche ich mir gemeinsam zu diskutieren. Ich glaube, da können wir dann wirklich zu dieser Diskussion im Bundesministerium auch von unserem Ausschuss aus einen Beitrag leisten. Deshalb möchte ich noch einmal für die Ausschussüberweisung werben. Danke.


(Beifall DIE LINKE)






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