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Für eine bürgernahe und leistungsfähige Verwaltung

Die Diskussion über zukunftsfähige Strukturen der Thüringer Landes- und Kommunalverwaltung müsse sachlich, zügig und ohne Denkverbote geführt werden, so der Tenor der Pressekonferenz der Fraktion DIE LINKE mit dem Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow, dem kommunalpolitischen Sprecher Frank Kuschel und dem externen Sachverständigen der Linksfraktion Michael Menzel am Dienstag in Erfurt.

Die LINKE, die schon seit mehreren Jahren mit ihren Vorschlägen für eine Funktional-, Verwaltungs- und Gebietsreform unterwegs ist und sich durch das Gutachten der Expertenkommission der Landesregierung in ihrem Vorgehen grundsätzlich bestätigt sieht, räumt dem Thema „oberste Priorität“ ein. Dies betonte Bodo Ramelow, der zugleich die Grundsätze des Konzepts der Linksfraktion unterstrich: Die Verwaltung in Thüringen müsse zweistufig und einräumig, regional und kommunal organisiert werden. Ziel müsse „die Erhöhung der Leistungsfähigkeit sowohl der Verwaltungs- als auch der Gebietskörperschaften“ sein, sagte Frank Kuschel. Nach den Vorstellungen der LINKEN sollen Bürgerinnen und Bürger unabhängig vom künftigen Sitz der Kreisverwaltung sämtliche Anliegen direkt in ihrer Kommune in Bürgerservicebüros erledigen können. Die Linksfraktion diskutiert ihre Vorstellungen im Rahmen von Regionalkonferenzen  vor Ort in den vier Thüringer Planungsregionen. Die erste Konferenz findet am Montag, den 25. Februar, in Arnstadt statt, die nächste am 5. März für Nordthüringen in Nordhausen.



Regionalkonferenzen zur Verwaltungs- und Gebietsreform in Thüringen

Mit Blick auf die laufende Debatte zur Verwaltungs- und Gebietsreform in Thüringen, die in Teilen auch stark emotional geprägt ist, betont Frank Kuschel: "Es ist daher umso notwendiger, von Anfang an mit den Betroffenen den Dialog zu führen. Wir beginnen damit in den nächsten Wochen im Rahmen von Regionalkonferenzen in den vier Thüringer Planungsregionen, die erste findet am Montag in Arnstadt statt."

Der kommunalpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag bezeichnet "fehlende Kommunikation und Information als wesentliche Ursache für Irritationen und Befürchtungen". Die in Kooperation mit dem Kommunalpolitischen Forum Thüringen e.V. stattfindenden vier Regionalkonferenzen der LINKEN richten sich nicht nur an die eigenen Mandatsträger, sondern an alle kommunalpolitisch Aktiven und Interessierten.

Termine der Regionalkonferenzen


Region Mittelthüringen:
Arnstadt, Montag, 25. Februar, 17 Uhr, Hotelpark Stadtbrauerei, Raum BACH

Region Nordthüringen:
Nordhausen, Dienstag, 5. März, 17.00, Museum Tabakspeicher

Region Ostthüringen:

Triptis, Donnerstag, 14. März,17.00, Mandys Kantine, Burkhardtstraße 31

Region Südwestthüringen:
Walldorf, Dienstag, 9. April, 17.00, Kulturzentrum Kressehof

Stellungnahmen, Meinungen, Beiträge
  • Analyse des Berichts der Expertenkommission Funktional und Gebietsreform. Vortrag von Rechtsanwalt Michael Menzel am 6.2.2013 in der Landtagsfraktion DIE LINKE
  • Brief von Landrat Dr. Werner Henning (Landkreis Eichsfeld) vom 23.8.2012
  • "Vier große Kreise und Erfurt reichen für Thüringen". Beitrag von Dr. Sebastian Dette, Präsident des Landesrechnungshofes Thüringen, vom 22.8.2012 (Homepage der Thüringischen Landeszeitung)
  • "Gebiets- und Verwaltungsstruktur Thüringen". Offener Brief von Dr. Edgar Most an alle Landtagsabgeordneten in Thüringen vom 22.8.2012
  • "Verwaltungsreform Thüringen". Blog der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag
  • „Diskussionsbeitrag zur Optimierung der Landesverwaltung in Thüringen“. Broschüre der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag (Stand: 4.7.2012)

Sofortinformation der Landtagsfraktion DIE LINKE

Bericht der Expertenkommission bestätigt Diskussionslinie der LINKEN, weist aber auch Schwächen auf!

Vor dem Hintergrund des durch die am 31. Januar 2013 erfolgte Veröffentlichung des Berichtes der Expertenkommission „Funktional- und Gebietsreform“, hat die Landtagsfraktion DIE LINKE auf Grundlage einer durch den Erfurter Anwalt Michael Menzel erstellten Synopse eine erste Verständigung am 6. Februar 2013 vorgenommen. In diesem Rahmen wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den bisherigen konzeptionellen Vorstellungen der LINKEN dargestellt und verglichen.

Im synoptischen Vergleich werden im Wesentlichen die kommunale Verwaltung und die Reformfolgen des Berichtes der Expertenkommission behandelt.Die Vorschläge der Kommission zur Umgestaltung der Landesverwaltung bleiben in der Synopse unberührt


Gemeindemindestgröße 12.000 EinwohnerInnen

Laut dem Bericht sollten Gemeinden in Thüringen 2015 mindestens 12.000 und 2050 mindestens 8.000 Einwohner haben. Begründung hierfür ist der demographische Wandel und die steigenden Verwaltungskosten. DIE LINKE hat in ihrem Positionspapier eine flexible Mindestgröße von 5000 EinwohnerInnen benannt.

Die im Bericht enthaltene Mindestgröße wird mit Effizienz der Aufgabenerfüllung, der Spezialisierung des Personals, der Vermeidung der fachlichen Abhängigkeit von externen Beratern und der demographischen Entwicklung und sogenannten Skaleneffekten begründet (Kostenreduzierungen und bessere Auslastung von Einrichtungen etc.).

Zudem geht man insgesamt von einer Aufwertung der Gemeinderatsmandate aus. Die Aufwertung des Mandates entspricht der Position der LINKEN. Allerdings gibt es keine Aussagen zur damit verbundenen Neuregelung der Aufwandsentschädigung wie auch der finanziellen Ausstattung der Fraktionen.

Der Position der LINKEN entspricht auch der Aussage des Berichtes, dass größere Gemeinden bisherige Kreisaufgaben übernehmen können (Kreisstraßen, Schulträgerschaft, Abfallwirtschaft, Musik- und Volkshochschulen). Ebenso wie DIE LINKE wird ein Ausbau der Ortsteilverfassung bei Eingemeindungen vorgeschlagen. Im Gegensatz zum im Kommissionsbericht enthaltenen Festhalten am Zentralen-Orte-Konzept, setzt DIE LINKE auf den Planungsgrundsatz der dezentralen Konzentration.


8 Landkreise und 2 Kreisfreie Städte

Im Rahmen einer Kreisgebietsreform sollen acht Landkreise und zwei kreisfreie Städte geschaffen werden. DIE LINKE will keine größere, sondern andere Landkreise, nämlich Regionalkreise. DIE LINKE spricht sich in ihrem Konzept für eine flexible Anzahl von Regionalkreisen in den Grenzen der vier Planungsregionen aus, welche in der Lage sind, weitere Landesaufgaben zu übernehmen. Schwerpunkt bildet die Erhöhung der Leistungsfähigkeit.

Im Gegensatz zum Bericht fordert DIE LINKE eine Stärkung des Kreistages insbesondere in seiner Stellung gegenüber dem Landrat. So soll es keine Unterscheidung mehr zwischen übertragenen und eigenen Wirkungskreis geben. Im Bericht werden dezentrale Verwaltungsdienste bei den künftigen Landkreisen angeführt, welche die Entfernung zur Verwaltung optimieren sollen. Das entspricht dem Modell des Bürgerservicebüros der LINKEN.

Aus Sicht der Kommission soll ein Landkreis künftig nicht größer als 3000 Quadratkilometer sein und bis 2050 eine Mindesteinwohnerzahl von 150.000 nicht unterschreiten. DIE LINKE verzichtet in ihrem Modell auf Mindesteinwohnerzahl und Flächenangaben bewusst. Dass sich die neuen Landkreisstrukturen an den seit 1993 bestehenden Planungsregionen orientieren sollen, ist auch Position der LINKEN. Eine Aufsplittung bisheriger kreisfreier Städte und Landkreise lehnen sowohl der Kommissionsbericht wie auch DIE LINKE ab.


Gleichzeitigkeit von Funktional- und Gebietsreform, bei vorgelagerter Freiwilligkeitsphase

Die im Bericht enthaltene Forderung nach Gleichzeitigkeit von Funktional- und Gebietsreform entspricht der Position der LINKEN.  Hingegen beim Kreis der Beteiligten der Diskussion über neue Kreisstrukturen unterscheiden sich der Bericht und DIE LINKE zentral. DIE LINKE will dabei ausdrücklich Bürgerinnen und Bürger aktiv einbeziehen. Im Kommissionsbericht kommen diese in diesem Zusammenhang nicht vor. Auch in der Kreissitzfrage werden Unterschiede deutlich. DIE LINKE will Entscheidung darüber den neuen Kreistagen überlassen und einen Bürgerentscheid im neuen Kreis ermöglichen.

Der Bericht schlägt die größten Städte in den Landkreisen als neue Kreisstädte vor. Für Ausgleichsmaßnahmen bei Kreissitzverlust sprechen sich sowohl LINKE wie auch der Bericht aus. Dass der Gemeindereform eine Freiwilligkeitsphase vorgeschaltet werden soll entspricht der Position der LINKEN. Sie nimmt allerdings keine Festlegung des Zeitrahmens auf ein Jahr vor. Gemeinsamkeiten gibt es zudem bei Gemeindeneugliederungen über bisherige Landkreise hinaus, der Schaffung finanzieller Anreize von freiwilligen Gemeindeneugliederungen, des gleichen Zeitpunkts der gesetzlichen Gemeinde- und Gebietsreform, des Beschlusses eines Vorschaltgesetzes durch den Landtag und eines möglichen Personalabbaus durch Altersabgänge.

Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass der Bericht der Expertenkommission „Funktional- und Gebietsreform“ viele Punkte enthält, die auch die bisherige Diskussionsgrundlage der LINKEN bilden. Erhebliche Unterschiede zeichnen sich in Fragen der Bürgernähe, Demokratie und des Bürgerservices ab. Die Expertenkommission will nur größere Landkreise, die LINKE andere, nämlich Regionalkreise. Strittig ist auch die künftige Mindestgröße der Gemeinden. Während die LINKE die Zweistufigkeit der Verwaltung anstrebt, spricht sich die Expertenkommission für die Beibehaltung der Dreistufigkeit aus


Zum weiteren Vorgehen:

Die Landesregierung beabsichtigt bis zum Sommer ihre Schlussfolgerungen aus dem Bericht zu ziehen und will dann Vorschläge unterbreiten. Insofern ist DIE LINKE jetzt gefordert, ihre Positionen und Vorstellungen bis zum Mai 2013 zu präzisieren.

In Vorbereitung werden dazu in den kommenden Wochen Regionalkonferenzen durchgeführt. Terminlich bereits fixiert ist eine Konferenz am

25. Februar 2013 in Arnstadt, Stadthalle, Brauhausstraße 1-3, für Mittelthüringen

und am

5. März 2012 in Nordhausen für Nordthüringen im Museum Tabakspeicher, Bäckerstraße 20, jeweils 17 Uhr.


Die weiteren Konferenzen für Ostthüringen und Süd-West-Thüringen sind derzeit in Planung.


Matthias Gärtner/Frank Kuschel


Rückfragen über 0361/377 22 95, kuschel@die-linke-thl.de  gaertner@die-linke-thl.de und Kontaktseite www.die-linke-thl.de


Zur vollständige Synopse

Zum vollständigen Bericht der Expertenkommission

Eine Tonne Kies vor dem Landtag abgekippt

„Jugendarbeit ohne Kies wird mies“, so hatte der LINKE Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow bei der Jugendaktion am 24. Januar vor dem Landtag in Erfurt die Forderungen des Offenen Jugendaktivs Ilmenau aufgegriffen. Sie hatten am Rande der Plenarberatungen zum Landeshaushalt eine Tonne Kies abgekippt, um unter dem Motto „Ohne Moos und Kies ist alles mies“ gegen die Kürzungs- und Sparpolitik der Landesregierung  zu protestieren. Die Linksfraktion unterstützte die Aktion, mit der auf die prekäre finanzielle Situation der Kreise und Kommunen in Thüringen aufmerksam gemacht wurde. Pünktlich zur Mittagspause wurden so die Abgeordneten, die sich gerade mit der Verabschiedung des Landeshaushaltes für 2013/14 befassten, an die angespannte Lage in den Kommunen des Freistaates erinnert.

In seinem Redebeitrag wies Daniel Meurer aus dem Ilmkreis darauf hin, dass in erster Linie die ohnehin nur noch schwierig umzusetzenden Freiwilligen Aufgaben der Kommunen betroffen sind. Dazu zählen Zuschüsse für Sportvereine, Interessengemeinschaften und auch Jugendclubs. Meurer erwähnte dabei besonders das Schülerfreizeitzentrum in Ilmenau. Insbesondere für junge Leute sei eine solche Entwicklung fatal. Meurer schlussfolgerte: „Mit der Reduzierung des Angebotes oder gar dem Wegfall solcher Einrichtungen werden die betroffenen Städte und Gemeinden für jüngere Leute unattraktiv!“ Resultat einer solchen Entwicklung sei eine Verschärfung der Abwanderung, eine Überalterung insbesondere im ländlichen Bereich und nicht zuletzt ein Mangel an Fachkräften.

Konsequenterweise forderte Daniel Meurer eine bessere finanzielle Ausstattung der Thüringer Kommunen, damit sie insbesondere ihre freiwilligen Aufgaben wahrnehmen können. Durch die Schaffung einer sozialen Infrastruktur in Form von Freizeit- und Betreuungsangeboten sei es möglich, die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Thüringen wieder zu steigern.

Die Wagenladung Kies sollte versinnbildlichen, dass die bisherige finanzielle Ausstattung nicht reiche. Meurer dazu: „Um unser Verpflichtung nachzukommen, reicht diese Menge nicht aus!“


Video der Kies-Aktion vor dem Landtag