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Handlungsanforderungen nach Anhörung „Drogenkonsum unter Jugendlichen und an Thüringer Schulen“

Auf Grundlage des Koalitionsantrages zum Drogenbesitz und -konsum unter Jugendlichen und im schulischen Kontext fand heute eine breit angelegte Anhörung im Bildungsausschuss statt. Nachdem schon umfangreich schriftliche Stellungnahmen eingegangen waren, konnten sich im Rahmen der Anhörung alle Eingeladenen noch einmal äußern. Dazu Torsten Wolf, bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion:

„Im § 47 des Thüringer Schulgesetzes sind ausdrücklich Maßnahmen der Gesundheitserziehung benannt, auch besonders Präventionsmaßnahmen im Bereich illegale und legale Drogen. Es war ein Anliegen, die konkret getroffenen Maßnahmen zu hinterfragen. Festgestellt wurde, dass gerade in den letzten Jahren Drogenbesitz und -konsum unter Jugendlichen deutlich zugenommen haben. Je nach Region wird von einer Verdoppelung bis Verdreifachung ausgegangen. Problematisch ist, dass diese Zahlen lediglich aus der Polizeistatistik entnommen wurden (Ausnahme Saale-Orla-Kreis, Projekt „Courage gegen Drogen“). Vergleichbare Zahlen aus verschiedenen Regionen, Schularten, Altersstufen und sozioökonomischem Kontext liegen in Thüringen nicht vor. Der Landesjugendring geht davon aus, dass ca. ein Viertel der Jugendlichen schon einmal illegale Drogen genommen hat. Neben der klassischen, legalen Droge Alkohol als Hauptdroge (mehr als 27 Prozent der 12- bis 17jährigen haben schon einmal Alkohol getrunken) stehen als nächstes Cannabis (bei etwa zehn Prozent der Jugendlichen), Arzneimittelmissbrauch, Crystal und andere Drogen im Mittelpunkt.

Die Befragten gingen jedoch übereinstimmend davon aus, dass die meisten Jugendlichen zwar Erfahrungen machen, aber nicht gefährdet im Sinne einer Suchterkrankung sind. Aber auch hier wurden Erfahrungswerte und nicht eine valide Zahlenbasis wiedergegeben. Verschiedene Unterstützungsangebote (z.B. IPSY) für Präventionsmaßnahmen stehen den Schulen zur Verfügung. Als einmalige Angebote wurde der „Revolution-Train“ (ein Zug, in dem es Angebote der Aufklärung zum Drogenkonsum gibt) benannt. Hilfreich und notwendig zur Implementierung von Präventionsangeboten für Schulen sind regionale bzw. lokale Netzwerke sowie finanzielle Unterstützung und eine Kultur der Anerkennung für die Lehrkräfte, welche sich dieser wichtigen Aufgabe widmen. Seitens der Landesschülervertretung wurde ausgeführt, dass Präventionsangebote die SchülerInnen, wenn, dann nur in großen Zeitabständen erreichen.

Seitens der Fraktion DIE LINKE bleibt festzustellen:
- Eine valide Datenbasis liegt zum Thema legale und illegale Drogen an den Thüringer Schulen und unter Jugendlichen jenseits der amtlichen Polizeistatistik nicht vor. Hier gilt es den steigenden Fallzahlen eine wissenschaftlich basierte Datenerhebung entgegenzustellen, um Maßnahmen ableiten zu können.
- Schulen müssen gestärkt und unterstützt werden. Erprobte und evaluierte Programme sollten den Schulen nähergebracht werden – mit den entsprechenden finanziellen und personellen Voraussetzungen (z.B. Einsatz des Schulbudgets).
- Im Mittelpunkt sollten Maßnahmen der Prävention als Instrument der Schulentwicklung stehen (z.B. im Programm IPSY angelegt). Prävention vor legalen und illegalen Drogen sind kein Thema, das Schulen aufgreifen, die noch Reserven haben, sondern gesetzlicher Auftrag nach § 47 des Thüringer Schulgesetzes und als solcher auch umzusetzen.

Drogen an Schulen und unter Jugendlichen sind ein zunehmendes Problem, welchem sich die Regierungskoalitionen mit ihrem Antrag und der Bildungsausschuss mit der Anhörung angenommen haben. Neben der systematischen Datenerhebung stehen zukünftig die flächendeckende Umsetzung von Präventionsmaßnahmen in den Schulen und die Einbindung des Schulumfeldes in diese Maßnahmen ebenso im Focus, wie die Aufnahme von Präventionsansätzen in die verschiedenen Phasen der Lehrerbildung. Wir werden uns als Koalitionsfraktionen verständigen müssen, neben dem Schulbudget für Maßnahmen an den einzelnen Schulen auch Geld für die wissenschaftliche Begleitung zur Verfügung zu stellen, um den Anspruch aus § 47 des Thüringer Schulgesetzes auf Gesundheits- und Drogenprävention zu realisieren.“      

 


Pressesprecherin

Diana Glöckner

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